21.01.2021 - 15:20 Uhr
WunsiedelOberpfalz

FGV gegen "Landkreis Fichtelgebirge"

Mehr als kritisch sieht der Fichtelgebirgsverein die Idee einer Umbenennung des Landkreises Wunsiedel in einen "Landkreis Fichtelgebirge". In einer Stellungnahme erklärt der FGV die Gründe.

Das Fichtelgebirge ist ein gewachsener Kultur- und Naturraum, zu dem auch der Steinwald gehört. Die Kösseine mit dem Kösseinehaus (Bild) ist ein beliebtes Wanderziel.
von Externer BeitragProfil

Seit über 130 Jahren engagiert sich der Fichtelgebirgsverein in der und für die Region, deren Namen er trägt. "Daher tut es in unseren Augen not, sich auch mit Blick auf die vom Landkreis Wunsiedel gestartete Umfrage zu einer möglichen Umbenennung in 'Landkreis Fichtelgebirge' klar zu positionieren", schreibt Birgit Schelter, stellvertretende Referentin für Presse, Werbung und Öffentlichkeitsarbeit des Fichtelgebirgsvereins.

Die beim Landratsamt angesiedelte „Entwicklungsagentur Fichtelgebirge“ habe in den zurückliegenden Jahren verschiedene Projekte auf den Weg gebracht, mit deren Hilfe die Region weit über die Grenzen Oberfrankens hinaus bekannt gemacht worden sei. "So sehr wir diese Arbeit schätzen, so unverständlich erscheinen uns die neuesten Überlegungen mit Blick auf eine mögliche Umbenennung des Landkreises Wunsiedel. Wir möchten an dieser Stelle deutlich machen, dass wir dieses Vorgehen kritisch betrachten."

"Im Laufe von Jahrhunderten ist eine Landschaft erwachsen, die sich dadurch auszeichnet, dass sie eine unglaubliche Fülle an ganz unterschiedlichen identitätsstiftenden Elementen vorweisen kann."

Birgit Schelter

„Das Fichtelgebirge“ sei ein über Jahrhunderte gewachsener Kultur- und Naturraum, der sich in erster Linie durch seine Vielfalt - seine „Buntscheckigkeit“ - auszeichne, wie man sie beispielsweise an den unterschiedlichen Dialekten nachvollziehen könne, so Schelter in der Stellungnahme des FGV. "Diese Erkenntnis stand auch am Ende einer im Rahmen des Projekts RegioIdent (angesiedelt am Fichtelgebirgsmuseum) durchgeführten Befragung, bei der unter anderem der Waldstein oder der Theresienstein in Hof als identitätsstiftende Elemente der Region angegeben worden sind."

Vielfalt würde leiden

Birgit Schelter fährt fort: "Beide Punkte aber, die in den Augen der Menschen demnach einen wichtigen Anteil daran haben, wie sie die Landschaft wahrnehmen, liegen im Landkreis Hof. Selbst der Ochsenkopf, bei dem es sich in der ursprünglichen Wortherkunft um 'den Fichtelberg' handelt, wäre aufgrund seiner Zugehörigkeit zum Landkreis Bayreuth nicht mehr Teil eines 'Landkreises Fichtelgebirge'; ebenso wie der Steinwald, der zur Oberpfalz zählt. So steht demnach zu befürchten, dass aufgrund politischer Grenzziehungen, die in erster Linie der besseren Außendarstellung dienen sollen, über Generationen gewachsene, kulturelle Verbindungen und Netzwerke nachhaltig gestört und dadurch das prägendste Element der Kulturlandschaft, ihre Vielfalt, zerstört würde."

Nicht „von oben herab“

In der Pressemitteilung des Fichtelgebirgsvereins heißt es weiter: "Uns ist bewusst, dass mit Blick auf die Außenwahrnehmung der Region der Begriff Fichtelgebirge mehr Vorteile bietet, als die Nennung einzelner Landkreise, doch muss in aller Deutlichkeit herausgestellt werden, dass die Entscheidung, wie sich eine Region wahrnimmt und definiert, nicht 'von oben herab' getroffen wird, sondern von allen Menschen, die in ihr leben und deren Identität überhaupt erst entstehen lassen. Nimmt man jenen, die in einem anderen Landkreis als Wunsiedel zu Hause sind, die Möglichkeit, sich als Fichtelgebirgler oder Fichtelgebirglerin zu definieren, bricht eben jenes Charakteristikum des Kulturraums in sich zusammen."

Schelter hebt in der Stellungnahme hervor: "Im Laufe von Jahrhunderten ist eine Landschaft erwachsen, die sich dadurch auszeichnet, dass sie eine unglaubliche Fülle an ganz unterschiedlichen identitätsstiftenden Elementen vorweisen kann. Diese variieren teils innerhalb weniger Kilometer stark voneinander und lassen einen einmalig kleinteiligen, vielfältigen Kulturraum entstehen, der in verschiedenen politischen Einheiten angesiedelt ist. Diese Struktur für schnellen Marketingerfolg zu opfern, widerspricht dem elementaren Charakter unserer Organisation, die sich von Beginn an landkreisübergreifend für die Heimat engagiert."

Die mehr als 15.000 Mitglieder aus ganz unterschiedlichen Teilen des Fichtelgebirges - aus den Landkreisen Wunsiedel, Hof, Kulmbach, Bayreuth und Tirschenreuth - zeigen, "wie wichtig es ist, eine Region ausgehend von den in ihr lebenden Menschen zu definieren, um sie so gemeinsam voranzubringen", schreibt Birgit Schelter im Namen des Fichtelgebirgsvereins. "Daher lehnen wir die Planung, den Landkreis Wunsiedel umzubenennen, bei allem gebotenen Respekt für die bisher so erfolgreichen Projekte der Behörde, ab."

Diskussionsstoff lieferte im vergangenen Jahr eine Fluchttreppe am Kösseinehaus

Waldershof

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