12.03.2021 - 13:22 Uhr
AmbergSport

Als Uli Hoeneß Peter Zeiler zum FC Bayern locken wollte

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Der FC Bayern, 1860 München und die SpVgg Unterhaching – die großen Münchener Klubs. Der Amberger Ex-Profi Peter Zeiler war mit allen irgendwie verbandelt – oder dann auch nicht.

Peter Zeiler im Dress der „Löwen“ im Grünwalderstadion. Von 1990 bis 1994 spielte der Amberger für 1860 München.
von Josef Maier Kontakt Profil

In München die Straßenseite zu wechseln, ist mitunter brisant. Auf der einen Seite der Grünwalder Straße hat 1860 sein Trainingszentrum, nicht weit davon entfernt ist gegenüber der große FC Bayern an der Säbener Straße beheimatet. Es gab Zeiten, da haben sich die "Roten" gerne bei den "Blauen" bedient. Für Peter Zeiler war es auch durchaus denkbar, auf die andere Straßenseite zu wechseln. "Ja, die Bayern wollten mich haben", sagt der Amberger 30 Jahre später.

Im Sommer 1990 war der hochbegabte Kicker aus Amberg zu den Sechzigern gewechselt. Dort spielte er in der Bayernliga eine ganz starke Saison, der Giesinger Traditionsclub kehrte in die 2. Liga zurück. Auf der anderen Seite hatte Uli Hoeneß mitbekommen, was da drüben für ein Talent kickte. "Ich habe mich zwei mal mit den Bayern getroffen", erzählt der 50-jährige Zeiler heute. Zuerst im Hotel "Vier Jahreszeiten". "Vielleicht wollten sie mich beeindrucken", sagt Zeiler schmunzelnd. Der junge Bursch aus der Oberpfalz machte sich aber nichts aus dem Glanz: "Ich bin da ganz alleine ohne Berater hin." Uli Hoeneß und Jupp Heynckes, der damalige Bayern-Trainer, waren da. Das zweite Mal wurde er zur Familie Hoeneß, die damals noch in Ottobrunn wohnte, eingeladen. "Es war alles sehr familiär, sehr nett", erinnert sich der Oberpfälzer. Hoeneß warb auch mit dem Versprechen, man wolle künftig verstärkt auf die Jugend setzen, um den Mittelfeldspieler. Es war die Zeit, als die Bayern Christian Nerlinger, Didi Hamann oder auch Mehmet Scholl holten. Zeiler war unschlüssig. "Für mich war wichtig, dass ich regelmäßig spiele", sagt er. Das sah er beim großen FCB nicht garantiert. Zudem hatte auch die Boulevardpresse Wind von der sich anbahnenden Liebelei bekommen. "Meine Kameraden hätten mich fast an die Wand genagelt", erzählt Zeiler von der Reaktion seiner Bundeswehrkameraden, mit denen er zu der Zeit in München seinen Grundwehrdienst leistete. "Da waren viele Sechziger-Fans dabei."

Training, Prüfung, Spiel

Peter Zeiler war ein Fußballprofi, der sich so gar nicht ins gängige Klischee pressen ließ. "Ich war jetzt nicht der Größte und der Schnellste", beschreibt er seine fußballerischen Voraussetzungen. "Aber ich war technisch gut und hatte diesen unbändigen Willen." Den hatte und hat er nicht nur im Fußball. Der Amberger war nicht nur als Profi bei 1860 und später bei der SpVgg Unterhaching erfolgreich. Er hatte den Blick nicht nur für die Kollegen auf dem Spielfeld, sondern fürs Leben. "Für mich war immer wichtig, auch zu studieren." Auch da packte ihn der Ehrgeiz.

Während seiner Zeit bei den "Löwen" begann er ein Physikstudium. "Im Bus oder Hotel hatte ich immer meine Lernsachen dabei." Wie fokussiert Zeiler ist, zeigt eine kleine Anekdote aus der Hachinger Zeit. Während der Woche stand ein Abendspiel gegen Hannover an. Vormittags trainierte er im Münchener Süden noch mit der Mannschaft. "Dann bin ich durch die ganze Stadt in den Norden nach Garching. Da hatte ich meine mündliche Diplom-Prüfung in Physik", erzählt der 1,0-Abiturient am Amberger Max-Reger-Gymnasium. Danach ging es zurück ins Mannschaftshotel. "Und abends haben wir, glaube ich, 1:0 gegen Hannover gewonnen." Später setzte Zeiler noch ein Wirtschaftsstudium drauf.

Bruch in der Mannschaft

Der junge Mann aus Amberg brauchte diese doppelte Herausforderung, wenngleich der Fußball die Nummer eins war. "Die Zeit bei den Löwen war eine total emotionale", blickt er zurück. Nach dem starken ersten Jahr, in dem er acht Tore zum Aufstieg beitrug, verletzte er sich in der zweiten Saison. Verletzungen sollten ihn fortan durch seine Karriere begleiten. Der Meniskus, die Achillessehne, es schmerzte immer wieder. Hinzu kam ein tiefer Bruch in der Mannschaft. "Da war Krieg." Die Alteingesessenen gegen die Neuzugänge. 1860 stieg wieder ab. In den nächsten zwei Spielzeiten gelang unter Werner Lorant der Durchmarsch in die erste Liga. Zeiler schaffte wegen seiner vielen Verletzungen den Anschluss nicht mehr, "obwohl Lorant von mir anfangs viel gehalten hat".

Gestern/Heute mit Günter Güttler

Weiden in der Oberpfalz

In Haching hatte er wieder Spaß am Fußball. "Wir hatten eine richtig geile Truppe." 1999 hatten es die Münchener Vorstädter gar sensationell in die Bundesliga geschafft. Aber Zeiler plagten schon wieder Verletzungen, er absolvierte nur fünf Erstligaspiele. Im November 2000 brachte ihm eine Operation wieder Schlagzeilen: Zeiler wurde im belgischen Gent der Meniskus eines Toten eingepflanzt. "Die Hoffnung war da, wieder spielen zu können", sagt er. Auch Hachings Trainer Lorenz-Günter Köstner schob an, hoffte, dass mit Zeiler ein für ihn sehr wichtiger Spieler schnell zurückkommt. Es wurde nichts mehr. "Der Meniskus war zu klein", sagt Zeiler. Ein bisschen Sporttreiben ging. Aber professionell? "Keine Chance." Die Enttäuschung war groß, auch weil sich Trainer und Funktionäre fortan kaum noch meldeten.

2002 lief der Vertrag aus. Zeiler war aber längst für das spätere Berufsleben gewappnet. Seit 2005 arbeitet er jetzt bei der Bayern-Versicherung in München, ist dort in gehobener Position und trägt für mehr als 50 Mitarbeiter im IT-Bereich die Verantwortung. Mit dem Radl fährt er jeden Morgen aus dem Norden Münchens hinunter nach Giesing in sein Büro. "Da sieht man dann immer, welche Begeisterung in diesem Stadtteil für die Löwen herrscht." Er selbst hat Abstand vom Fußball, wenngleich er ihn noch verfolgt. "Michael Köllner macht auf mich einen positiven Eindruck", spricht der eine Oberpfälzer über den anderen Oberpfälzer, der jetzt die Sechziger trainiert. "Ich kenne ihn nicht persönlich, aber ich habe von Bekannten gehört, dass er ein Super-Experte sei." Auch bei einem speziellen Fußballstammtisch, der derzeit coronabedingt pausieren muss, wird 1860 immer heiß diskutiert: "Wir sind da 10 bis 12 Leute, die sich vielleicht dreimal im Jahr treffen." Er und alte Haudegen aus der Sechziger und Hachinger Zeit: Reiner Maurer, Thomas Miller, Rainer Berg, Florian Hinterberger, Roland Kneißl oder Wiggerl Kögl. Zeiler: "Die scharren schon alle mit den Hufen, hoffen, dass wir uns bald mal wieder treffen können."

Forsch beim 1. FC Amberg

Seine Eltern trifft Zeiler, der seit mittlerweile gut 30 Jahren in München wohnen, auch wieder öfter. "Ich bin wieder Single, ich komme jetzt wieder öfter heim", sagt er. Vater und Mutter, die in Amberg wohnen, bräuchten hie und da auch Unterstützung. Schon immer schaffte er es aufs Bergfest oder aufs Altstadtfest in Amberg, in der Stadt, in der alles begann. Beim FC. "Ich glaube, ich war sieben und ein Spezl hat mich zum Training mitgenommen." Der kleine Peter sorgte für Furore auf dem Platz. In der B-Jugend gings in die Bayern-Auswahl, und im letzten A-Jugend-Jahr rückte er schon in den Bayernligakader der Senioren auf. Trainer Günter Gerling war begeistert vom blonden Kicker, der frech neben Gerd Donhauser, Norbert Wagner, Uwe Seidl oder Wolfgang Herrndobler aufspielte. "Ich habe mich reingehaun, was ging", sagt er lächelnd. Immer alles geben, mit dem Kopf oder den Füßen, das macht er schon immer.

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Schirmitz
Info:

Das ist Peter Zeiler

  • Privat
    Geboren 8. Oktober 1970 in Amberg; geschieden; eine Schwester
  • Fußballkarriere
    Mit 7 Jahren zum 1. FC Amberg, mit 17 Jahren in der „Ersten“.
    Sommer 1990 Wechsel zu 1860 München (68 Spiele/8 Tore in der zweiten Liga und Bayernliga/damals 3. Liga); Sommer 1994 Wechsel zur SpVgg Unterhaching (142 Spiele/14 Tore) in der Bundesliga, zweiten Liga und Regionalliga); 2002 Karriereende
  • Neben der Karriere
    Abitur am Max-Reger-Gymnasium (Abschlussbester mit Note 1,0); Diplom-Physiker; Aufbaustudium der Wirtschaftswissenschaften: Fünrungsposition bei der Versicherungskammer Bayern

 

 

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