26.02.2021 - 13:37 Uhr
WiesauSport

Franz Dürrschmidt beinahe als Nationaltrainer in die Elfenbeinküste

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Er hat mit Fußball viel erlebt, war Profi in der 2. Liga und ist geprüfter Fußball-Lehrer: Als Trainer blieb Franz Dürrschmidt der Heimat treu, verzichtete auf die große weite Welt. Die Familie hatte für den heute 73-Jährigen Priorität.

8. Juni 1975, Münchener Olympiastadion, vorletzter Spieltag der 2. Bundesliga Süd: Vor 70 000 Zuschauern spielte Franz Dürrschmidt (Vierter von rechts) mit dem FC Bayern Hof beim TSV 1860 München (0:0). Die Hofer verpassten am Ende als Vierter die Aufstiegsspiele zur Bundesliga, die „Löwen“ wurden Fünfter.
von Rudolf Gebert Kontakt Profil

Es waren harte Zeiten. Franz Dürrschmidt (73) ist in den Nachkriegsjahren aufgewachsen. Das fußballerische Talent sowie sein Ehrgeiz - in Sport und Beruf - veränderten sein Leben. "Ich komme aus einem armen Elternhaus. Mein erstes Fahrrad habe ich mir mit Schwarzbeerpflücken verdient. Als ich mein erstes durch Fußball verdiente Geld auf den Tisch legte, meinte mein Vater, dass er dafür hart arbeiten müsse", erinnert sich der 73-Jährige aus Wiesau (Kreis Tirschenreuth), der aber betont: "Finanziell kann man damals und heute nicht vergleichen. Reich konnte man nicht werden."

SpVgg Wiesau als Sprungbrett

Dürrschmidts Sprungbrett war sein Heimatverein SpVgg Wiesau, mit dem er 1968 den Aufstieg in die Landesliga Nord und dort den Klassenerhalt schaffte. Anderen Klubs blieb das Talent nicht verborgen. Er wechselte zur SpVgg Weiden (Bayernliga, Berufung in die Bayernauswahl) und dann zum FC Augsburg. In der Fuggerstadt wurde er Bayernliga-Meister, stieg in die Regionalliga Süd auf und schuf sich mit dem Architektur-Studium das erste berufliche Standbein.

Dann nahm Dürrschmidt das Angebot des FC Bayern Hof an, und es begann die "schönste Zeit" seiner aktiven Laufbahn: "Für den Bub aus Wiesau war jedes Zweitliga-Spiel ein Traum, etwas Besonderes." 129 Spiele (12 Tore) absolvierte er von 1974 bis 1978 in der 2. Bundesliga Süd. Die erfolgreichste Saison war 1974/75, als die "kleinen Bayern" erst am letzten Spieltag durch eine Heimniederlage gegen Darmstadt den zweiten Platz und damit die Aufstiegsspiele zur Bundesliga verpassten. Eine Woche zuvor spielte Dürrschmidt vor 70 000 Zuschauern im Münchener Olympiastadion gegen die "Löwen". Die Partie endete 0:0 und damit war der TSV 1860 aus dem Kreis der Aufstiegsanwärter ausgeschieden.

DFB-Pokalspiel gegen den HSV

Zwei weitere Spiele mit Hof sind Dürrschmidt besonders in Erinnerung geblieben. Im Januar 1976 gastierte der spätere Cup-Sieger Hamburger SV im DFB-Pokal vor 17 000 Zuschauern auf der "Grünen Au". "Schnee, 12 Grad minus, und ich habe kurz vor Schluss einen Elfmeter verschossen", blickt der Wiesauer auf das 0:2 zurück. Nicht vergessen ist auch das Freundschaftsspiel gegen den FC Bayern München (1:3) im Januar 1977. Der damalige Weltpokal-Sieger trat in Hof mit Weltmeistern wie Sepp Maier, Gerd Müller oder "Katsche" Schwarzenbeck an. "Das war meine Generation", sagt Dürrschmidt, der für diese Zeit noch den damals in Hof fehlenden Franz Beckenbauer nennt. "Ich war Libero, Beckenbauer war Libero. Er war mein Vorbild."

Aus seiner aktiven Zeit hat noch ein Ereignis bleibende Eindrücke hinterlassen. "Ich war mit der Bayernauswahl einen Monat in Indien, in Bombay und Neu Delhi. "Da habe ich gesehen, in welch reichem Land wir leben und trotzdem jammern. Vor allem die Armut bei Kindern war erbarmungswürdig", erinnert sich Dürrschmidt.

Während seiner Profizeit in Hof legte der 73-Jährige den Grundstein für die Trainer- und Berufslaufbahn. Er erwarb die B- und A-Lizenz und studierte Lehramt in Bayreuth. Die Krönung seiner Trainerausbildung war 1981 die bestandene Fußball-Lehrer-Prüfung an der Deutschen Sporthochschule Köln. Dürrschmidt, damals Spielertrainer bei der SpVgg Wiesau, bestand mit "sehr gut" und war Zweitbester des Lehrgangs nach Hannes Linßen (später unter anderem Trainer beim 1. FC Köln).

Leiter der Sporthochschule war Gero Bisanz, der Dürrschmidt ein verlockendes Angebot unterbreitete. "Er bot mir an, Nationaltrainer in der Elfenbeinküste zu werden, als Entwicklungshelfer des DFB." Der Wiesauer lehnte ab, entschied sich für die Familie. "Wenn ich damals ledig gewesen wäre, hätte ich es gemacht. Der weitere Weg wäre sicher interessant gewesen."

Eine Profi-Station als Trainer

Traurig ist Dürrschmidt deshalb aber nicht. Auch nicht, dass er nur eine Stelle bei einem Profi-Verein bekleiden durfte. In der Saison 1985/86 trainierte er ein halbes Jahr die SpVgg Bayreuth in der 2. Bundesliga. Nach sechs Siegen, zwei Unentschieden und elf Niederlagen wurde er kurz vor Weihnachten 1985 entlassen. "Wir waren einfach zu schwach. Bayreuth hat damals drei Trainer verschlissen und ist trotzdem abgestiegen", sagt Dürrschmidt, der danach nur noch Amateurvereine trainierte und sich für die Beamten-Laufbahn entschied. "Die Kombination Beamter, Lehrer, Amateurvereine war ein absolut sicherer Weg. Und der richtige!"

Die letzte Trainerstation war in der Saison 2012/13 der damalige Bezirksligist SV Plößberg. 2013 trat der Lehrer auch seine Rente an. Untätig ist Dürrschmidt, der gerne Zeit in Österreich verbringt, seitdem aber nicht. Sein Interesse am Fußballgeschehen ist ungebrochen und politisch ist er - inzwischen seit fast zwei Jahrzehnten - im Wiesauer Marktgemeinderat engagiert. Und auch die Lehrer-Tätigkeit lässt ihn nicht los: Seit 2015 unterrichtet er über Kolping Deutsch für Flüchtlinge an der Berufsschule Wiesau.

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Weiden in der Oberpfalz
Hintergrund:

Zur Person: Franz Dürrschmidt

  • Geboren am: 7. November 1947 in Wiesau (Kreis Tirschenreuth), verheiratet, zwei Kinder
  • Stationen als Spieler: SpVgg Wiesau: Schüler, Jugend und erste Mannschaft (1968 Aufstieg in die Landesliga Nord); SpVgg Weiden: Bayernliga, Berufung in die Bayernauswahl; FC Augsburg: Bayernliga-Meister, Aufstieg in die Regionalliga Süd; FC Bayern Hof: ab 1974 vier Jahre Profi in der 2. Bundesliga Süd (129 Spiele, 12 Tore)
  • Ausbildung zum Trainer: 1976: B-Lizenz in München-Grünwald; 1978: A-Lizenz in der Sportschule Hennef unter DFB-Trainer Karl-Heinz Heddergott; 1980/81: Fußball-Lehrer-Ausbildung an der Deutschen Sporthochschule in Köln, Leiter war damals Gero Bisanz
  • Stationen als Trainer: SpVgg Wiesau; SpVgg Bayreuth (2. Bundesliga, 1. Juli bis 9. Dezember 1985); Wacker Marktredwitz; SpVgg Weiden; SV Neusorg; SC Luhe-Wildenau; SV Plößberg
  • Berufliche Stationen: Architektur-Studium in Augsburg, Studium in Bayreuth, Lehrer für Hauptschulen (während der Profizeit in Hof); ab 1977 drei Jahre Lehramtsanwärter; ab 1980 bis zum Renteneintritt im Juli 2013: Lehrer an der Förderschulefür lernbehinderte Kinder in Waldsassen und später in Tirschenreuth; seit 2015 unterrichtet er über Kolping Deutsch für Flüchtlinge an der Berufsschule Wiesau
  • Politische Arbeit: 12 Jahre im Kreisrat, seit fast zwei Jahrzehnten im Wiesauer Marktgemeinderat

„Franz Beckenbauer war mein Vorbild.“

Franz Dürrschmidt

Franz Dürrschmidt

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