08.09.2021 - 17:01 Uhr
Steinberg am SeeSport

Von Wasserski bis Wakepark: Der nimmermüde Überflieger Steffen Wild

Steffen Wild ist einer der erfolgreichsten deutschen Wasserskiläufer aller Zeiten und betreibt heute den Wake Park am Steinberger See. Über die ersten Versuche auf dem Wasser, Trainings in Florida und das berauschende Gefühl zu fliegen.

Steffen Wild steht quer: Die Aufnahme zeigt den Ausnahmekönner im Juli 1988 während eines Wettkampfs im Trickski. Zu dem Zeitpunkt hatte er bereits mehrere Deutsche Meisterschaften sowie die Jugend-Weltmeisterschaft gewinnen können. 2020 holte Wild gar seinen 46. Deutschen Meistertitel.
von Florian Bindl Kontakt Profil

Wer am Steinberger See entlangwandert, der sieht und hört sie aus der Ferne. Die Seilbahn zischt, das Wasser schäumt, manchmal platscht es. Runde um Runde sausen die Sportler über das Wasser und katapultieren sich mit Schanzen in die Luft. Auf Skiern oder auf dem Wakeboard. Betreiber des Wild Wake Park im Kreis Schwandorf ist Steffen Wild. 51 Jahre alt, leicht ergrautes Haar, braun gebrannt. Und einer der erfolgreichsten Wasserski-Sportler des Landes. Wild hat mehr Deutsche Meistertitel gesammelt als der FC Bayern und Borussia Dortmund zusammen. 45 Mal krönte sich der gebürtige Mittelfranke vor 2000 zum deutschen Wasserski-Ass - in gerade einmal zwölf Jahren. Immer für seinen Verein, den WSC Haidweiher. "Ich war damals schon immer der Favorit", gibt Wild heute zu. Der 51-Jährige wirkt bescheiden, wenn er über seine Erfolge spricht.

Begonnen hat Steffen Wilds Begeisterung für die wilde Hatz auf den Wellen früh. Sein Vater besaß ein Boot und war selbst in vielen Sportarten bewandert, auch im Wasserski. So stand Sohn Steffen bald auf den Brettern, gezogen von Papas Boot rauschte er zum ersten Mal über einen Fluss. "Es braucht sicher auch ein wenig Mut", sagt Steffen Wild. Und Talent. Mit sieben Jahren war er beim Würzburger Wasserski-Club zu Besuch und nahm an Trainings teil. "Es war keine bewusste Entscheidung für den Sport, eher ein Freizeitspaß im Sommer. So bin ich mehr und mehr reingerutscht."

Üben von Freitag bis Sonntag

In Würzburg stieß Wild auf seinen wichtigsten Förderer, Norbert Burger, der ihn anleitete und an ihm feilte. "Ich hatte Glück, mit ihm sehr früh einen guten Trainer zu haben", sagt Wild. Als Burger Anfang der Achtziger in die Oberpfalz, eben zum WSC Haidweiher, wechselte, ging Wild mit. Bei Amberg fand er beste Bedingungen für seinen Sport vor. "Der Weiher ist von der Größe perfekt, das Schilf am Ufer verhindert zu große Wellen, es gibt ein Clubhaus." An jedem Wochenende stand er von nun an auf den Skiern, von Freitag bis Sonntag. In den Schulferien bei warmen Temperaturen sowieso. Auch bei Trainingslagern des Verbandes war er dabei. Doch der Erfolg blieb ihm zunächst verwehrt. "Ich war in jungen Jahren sicher noch kein Überflieger." Bei Junioren-Europameisterschaften landete er meist im Mittelfeld.

1986 fuhr Wild nach Mailand zur Junioren-Weltmeisterschaft. Völlig unbedarft, ohne große Ambitionen. Plötzlich klappte alles. "Ich hatte einen richtig guten Wettkampf. Keiner wusste im Vorfeld, wer wie gut ist. Es gab ja noch kein Internet." In der Gesamtwertung aus den drei Disziplinen - Slalom, Trickski, Springen - landete er auf Rang eins. "Auf einmal fuhr ich als Jugend-Weltmeister nach Hause. Zum ersten Mal habe ich gemerkt, dass ich ja gar nicht mal so schlecht bin", sagt er und lacht. Es war sein Durchbruch. Von nun an sammelte er Titel um Titel. Bis 1998 gewann er beinahe jeden Meisterschaftswettbewerb in Deutschland. 1995, 1996 und 1997 wurde er jeweils Europameister. So oft wie möglich trainierte er damals mit den Besten der Welt, unter anderem auf den Wellen Floridas und Frankreichs.

66 Meter Nervenkitzel

Wilds Lieblingsdisziplin: das Springen. Ein Motorboot beschleunigt dabei auf 57 Kilometer pro Stunde, der Sportler rast dahinter auf zwei Wasserskiern auf eine 1,80 Meter hohe und vier Meter breite Schanze zu - und fliegt. Wer es am weitesten schafft und den Sprung auf dem Wasser steht, gewinnt. Und Wild flog weit. Für einige Zeit hielt er den Europarekord für den weitesten Sprung auf Wasserskiern: 66 Meter und zehn Zentimeter. Ein unfassbarer Adrenalin-Kick? "Es ist ein Super-Gefühl, durch die Luft zu fliegen, gerade mit etwas Auftrieb. Es ist wie Fliegen, aber gleichzeitig ein Nervenkitzel." Bei einem Sturz ins Wasser sind Verletzungen möglich. "Wer weit springen will, der muss was riskieren", sagt Wild.

In den Wintermonaten studierte er Betriebswirtschaft in Regensburg. Denn: Selbst als Wasserski-Profi reichen die Preisgelder nicht aus, um etwas für die Zukunft anzusparen. "Ich konnte immerhin meinen Lebensunterhalt damit bestreiten und mir die Teilnahme an Wettkämpfen finanzieren." Nach seinem Studienabschluss schloss Wild das Kapitel Wasserski im aktiven Bereich - fürs Erste. Er erfuhr in dieser Zeit, dass am Steinberger See eine Wakeboard- und Wasserski-Anlage entstehen soll. "Damals war dort grüne Wiese, es gab nur einen Bebauungsplan." Wild bewarb sich und erhielt schnell den Zuschlag, als Betreiber einzusteigen. Kurz darauf lernte er in Italien Chrystelle kennen, eine französische Alpin-Ski-Freestylerin. Die beiden heirateten und nahmen gemeinsam das Projekt Wild Wake Park in Angriff.

Die nächste Generation Wild

Der Wakeboard-Boom gab dem Projekt kräftig Auftrieb. Anstatt eines Bootes zieht am Steinberger See eine Seilbahn die Sportler. Wasserski-Fahren rückte für Wild etwas in den Hintergrund. Stattdessen wuchs die Anlage. Heute gibt es zwei Fünfmast-Seilbahnen für Rundkurse sowie zwei Anfänger-Lifte. "Es ist in Süddeutschland mit Sicherheit das größte Angebot für Wakeboarder und Wasserskiläufer", weiß Wild. Dazu gibt es einen Bereich zum Stand-up-Paddeln sowie einen Adventure-Golf-Park. Dem Haidweiher, seiner sportlichen Heimat, hat Wild aber keineswegs den Rücken gekehrt. Er ist dort noch immer Sportwart und Jugendtrainer.

Dass Wasserski in der Familie Wild bleibt, daran besteht kein Zweifel. Sein älterer Sohn Tim (Jahrgang 2007) wagt sich bereits an die Fußstapfen seines Vaters. Bei den Junioren ist er bereits mehrfacher Deutscher Meister und Europameister. Teilweise müsse er Tim bremsen, gibt Wild zu. "Die Belastung ist schon enorm, manchmal ist weniger mehr." Je intensiver sein Sohn in den Sport einsteigt, desto mehr drängt es auch Wild selbst wieder auf die Ski und in Wettkämpfe. 2020 traten die beiden gemeinsam in der Offenen Klasse gegeneinander an - und Tim gewann. Doch Steffen Wild kann es immer noch. Er schnappte dafür im Slalom zu. Und holte nach 22 Jahren seine 46. Meisterschaft. "Eine ganz nette Geschichte", grinst er. Ob es für ihn jetzt doch aktiv weitergeht? Eine kleine Verletzung bremste ihn heuer aus. "Wenn alles passt, mache ich gerne wieder mit." Für die junge Wasserski-Konkurrenz dürfte das wie eine Drohung wirken, wenn der Altmeister wieder antritt.

2020 gewann Steffen Wild seinen 46. Meistertitel im Wasserski

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Tim Wild eifert seinem Vater Steffen nach

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Hintergrund :

Das ist Steffen Wild

  • 51 Jahre alt, aufgewachsen im mittelfränkischen Bad Windsheim
  • Erste Wasserski-Trainings in Würzburg, später beim WSC Haidweiher (Kreis Amberg-Sulzbach)
  • 1986: Jugendweltmeister in der Kombination
  • 45 Deutsche Meistertitel zwischen 1986 und 1998
  • Studium der Betriebswirtschaft an der Universität Regensburg
  • Ab 1998: Aufbau des Wild Wake Parks am Steinberger See (Kreis Schwandorf)
  • 2007 und 2010: Geburt der Söhne Tim und Theo
  • 2020: 46. Deutscher Meistertitel, weitere Wettkämpfe geplant

 

 

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