11.01.2022 - 14:26 Uhr
Weiden in der OberpfalzSport

Bayern-Podcast: Trainer Julian Nagelsmann eine Mischung aus Pep und Jupp

Seit 1. Juli 2021 ist Julian Nagelsmann als Trainer des FC Bayern München im Amt. Im FC-Bayern-Podcast "Weiter, immer weiter" werden seine bislang erreichten statistischen Werte mit denen seiner ausnahmslos namhaften Vorgänger verglichen.

Neu-Trainer Julian Nagelsmann (rechts) scheint die Bayern-Kabine um Superstars wie Robert Lewandowski bislang im Griff zu haben.
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Rund um den Jahreswechsel ist es an der Tagesordnung, Bilanz zu ziehen. So haben es auch Thomas Webel und Fabian Leeb in der neuen Folge des FC-Bayern-Podcasts "Weiter, immer weiter" gehalten, um die bisherige Amtszeit des neuen Münchener Trainers Julian Nagelsmann zu analysieren und in den Kontext aller Bayern-Trainer seit 1998 zu setzen. Doch die beiden Moderatoren wählten dabei nicht den Ansatz à la "Menschen, Bilder, Emotionen", sondern verglichen die statistischen Werte Nagelsmanns mit denen seiner Vorgänger.

Und diese Liste liest sich in den vergangenen 23 Jahren wie das "Who is who" des internationalen Trainermarktes: Ottmar Hitzfeld, Felix Magath, Jürgen Klinsmann, Jupp Heynckes, Louis van Gaal, Pep Guardiola, Carlo Ancelotti, Niko Kovac und Hansi Flick. Welcher Trainer hatte in seiner Amtszeit den besten Punkteschnitt? Unter welchem Trainer schossen die Bayern die meisten Tore? Welcher Coach verwandelte die Münchener Defensive in ein echtes Bollwerk?

Defensive unter Nagelsmann stabilisiert

Vergleicht man all diese Werte, sind sich die Moderatoren einig, dass Julian Nagelsmann bislang auf einem sehr guten Weg zu sein scheint. Er hat die in der Endphase unter Hansi Flick doch sehr löchrige Defensive wieder stabilisiert. Der Triple-Trainer von 2020 hatte etwa in seiner zweiten Spielzeit 20/21 den schlechtesten Wert, was die Gegentorquote betrifft: Unter Flick klingelte es 1,29 Mal im Kasten von Manuel Neuer. Nagelsmann kommt dagegen, rechnet man die bisherige Bilanz auf die komplette Saison hoch, auf 0,94 Gegentore pro Spiel. Vom Bestwert eines Pep Guardiola (0,5 Gegentore pro Spiel) ist aber auch der Jung-Trainer damit noch meilenweit entfernt. Vor allem die sachte Herangehensweise und die relativ leisen taktischen Anpassungen unter Nagelsmann an einem funktionierendem System fruchten hier bereits.

Dagegen scheinen die Nagelsmann-Bayern in der Offensive einige Allzeit-Rekorde in Angriff zu nehmen. Treffen Robert Lewandowski, Thomas Müller und Serge Gnabry weiter wie in den bisherigen Partien, kämen die Bayern am Saisonende auf einen Schnitt von 3,29 Toren pro Spiel – absoluter Höchstwert. Mit 2,94 (Saison 2019/20) und 2,91 (20/21) Toren pro Spiel waren die Bayern auch schon unter Flick sehr treffsicher, während Ottmar Hitzfeld und Felix Magath hier den "schlechtesten" Wert aufweisen. Als Tabellenvierter in der Saison 2006/07 trafen die Bayern "nur" 1,62 Mal pro Spiel ins gegnerische Gehäuse. Kaum zu erreichen dürfte für Nagelsmann aber ein Wert von Jupp Heynckes aus der Triple-Saison 2012/13 sein: Dort sammelten die Bayern sage und schreibe 2,68 Punkte pro Spiel. Mit der Vorrundenbilanz käme Nagelsmann am Saisonende auf 2,53 Punkte pro Spiel.

Titel in der Königsklasse zählt

Neben all den statistischen Werten arbeiten Webel und Leeb im Podcast aber auch heraus, dass es als Bayern-Trainer nicht nur auf die Arbeit auf dem Trainingsplatz und die Ausbeute in den Spielen ankommt, sondern dass "die Kabine" eine nicht minder große Bedeutung spielt. Wer die Mannschaft nicht von sich überzeugen kann und hinter sich weiß, wird über kurz oder lang (eher kurz) in München scheitern. Als Negativbeispiele werden hier Jürgen Klinsmann, Carlo Ancelotti oder Niko Kovac angeführt.

Dagegen sind die Bayern immer dann am erfolgreichsten, wenn es einem Trainer gelingt, eine starke Menschenführung mit höchsten, taktischen Anforderungen zu kombinieren: Jupp Heynckes, Ottmar Hitzfeld und Hansi Flick dienen hier als Champions-League-Sieger-Trainer als Vergleichsgrößen. Und Jung-Trainer Julian Nagelsmann scheint die Arbeit seiner Vorgänger detailliert unter die Lupe genommen zu haben. Jedenfalls sind sich Webel und Leeb einig, dass die Mannschaft derzeit dem Nagelsmann-Weg zu folgen scheint, während selbiger mit taktischen Innovationen aufwartet. Die Basis für ein erfolgreiches Wirken des gebürtigen Landsbergers in der bayerischen Heimat scheint damit gelegt: Abgerechnet wird aber erst am Ende seiner Amtszeit – und dann zählt in München vor allem der Gewinn der Champions-League.

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Hintergrund:

Bayern-Trainer in der Statistik der letzten 23 Jahre

  • Punkte pro Spiel: Bester Wert: 2,68 unter Jupp Heynckes (2012/13); schlechtester Wert: 1,76 unter Felix Magath/Ottmar Hitzfeld (2006/07); Nagelsmann-Wert: 2,53*
  • Tore pro Spiel: bester Wert: 2,94 unter Hansi Flick (2019/20); schlechtester Wert: 1,62 unter Felix Magath/Ottmar Hitzfeld (2006/07); Nagelsmann-Wert: 3,29*
  • Gegentore pro Spiel: bester Wert: 0,5 unter Pep Guardiola (2015/16); schlechtester Wert: 1,29 unter Hansi Flick (2020/21); Nagelsmann-Wert: 0,94*
  • *Nagelsmann-Wert hochgerechnet aufgrund der Vorrundenbilanz 2021/22

 

 

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