Amberg
07.05.2026 - 15:51 Uhr

OTon: Der Küchenchef aus der Hosentasche

Wenn es eine Sache gibt, die Volontär Dominik Hopperdietzel abgöttisch liebt, dann Essen. Doch jeden Abend quält ihn die gleiche Frage: Was gibt es? Gut, dass er jemanden hat, der das in Zukunft beantwortet.

"Was gibt es zu Essen?" Wieso ist eine so einfache Frage oft so schwer? Symbolbild: Oliver Berg/dpa
"Was gibt es zu Essen?" Wieso ist eine so einfache Frage oft so schwer?

Der Kühlschrank brummt vor sich hin, als ich ihn zum dritten Mal innerhalb von zehn Minuten öffne. Drinnen: eine halbe Tube Senf, zwei schrumpelige Karotten und ein Erdbeer-Joghurt, dessen Mindesthaltbarkeitsdatum schon letzte Woche abgelaufen ist. Mein Magen knurrt, mein Wille ist schwach und die Lieferdienst-App auf dem Handy leuchtet schon verdächtig verheißungsvoll. Pizza. Burger. Döner. Alles nur wenige Klicks entfernt. Aber diesmal soll alles anders werden. Wirklich. Keine fettige TK-Pizza mehr um Mitternacht, keine Pommes als Gemüseersatz. Von nun an wird gesund gelebt!

Nur beginnt das Problem schon bei der entscheidenden Frage: Was genau ist eigentlich gesund? Also frage ich jemanden, der es wissen muss: ChatGPT. „Erstelle mir einen gesunden Essensplan für eine Woche“, tippe ich in mein Smartphone. Sekunden später präsentiert mir die KI einen Speiseplan: Overnight Oats zum Frühstück, Ofengemüse mit Hähnchen, Linsencurry, Vollkornnudeln mit Spinat und Feta. Sogar Snacks schlägt die Maschine vor: Mandeln, Naturjoghurt, Datteln. Dinge, die von mir normalerweise nur gekauft werden, um später traurig im Kühlschrank zu vergammeln.

Doch diesmal ziehe ich durch. Ich marschiere mit Einkaufszettel in den Supermarkt und fühle mich plötzlich wie ein Mensch, der sein Leben im Griff hat. Im Wagen landen Brokkoli, Haferflocken und Chiasamen. Wieder zu Hause kommt die nächste Krise. Der Einkauf ist geschafft, aber wie verwandelt man diese gesunden Zutaten nun in etwas Essbares? Also frage ich erneut die KI. „Wie koche ich ein schnelles Linsencurry?“ Sekunden später bekomme ich eine Schritt-für-Schritt-Anleitung. Zwiebeln anbraten. Knoblauch dazu. Gewürze rösten. Kokosmilch aufgießen. Und tatsächlich: Es funktioniert. Nichts brennt an. Niemand muss die Feuerwehr rufen. Das Curry schmeckt sogar erstaunlich gut. Würzig, frisch, sättigend.

Am Abend kommt dann der finale Gesundheitscheck. War dieser Tag wirklich so vernünftig, wie ich ihn mir gerade schönrede? Also frage ich, richtig, mal wieder die KI: Wie viele Kalorien hatte mein Tag? Wie viele Ballaststoffe? Habe ich genug Eiweiß gegessen oder besteht mein Körper inzwischen zu 40 Prozent aus Reis? Die Antwort kommt prompt. Rund 2000 Kalorien. Gute Eiweißwerte. Viele Ballaststoffe. Wenig Zucker. Mein digitaler Ernährungsberater klingt zufrieden.

Natürlich ersetzt KI keinen Menschen. Sie kann nicht schmecken, nicht kochen und mich leider auch nicht davon abhalten, nachts heimlich Chips zu essen. Aber sie nimmt mir etwas ab, das im Alltag oft am schwierigsten ist: die ewige Frage „Was esse ich heute eigentlich?“

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Hintergrund:

OTon

Wir sind junge Mitarbeiter der Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne „OTon“ schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.

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