Pünktlich nach den teilweise noch hochsommerlichen Temperaturen Ende September lässt die Grippe- und Erkältungswelle nicht lange auf sich warten. Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen hat es schon erwischt. Ich bin glücklicherweise nicht oft krank und renne auch nicht wegen jeder Kleinigkeit zum Arzt. Symptome wie Fieber, Gliederschmerzen, Schnupfen und Halsschmerzen bekomme ich meistens mit wenigen Tagen Ruhe und Hausmitteln in den Griff. Dafür brauche ich im Regelfall keinen Arzt. In die Praxis muss ich dann manchmal trotzdem: Bei mehreren Krankheitstagen benötige ich eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung, kurz AU.
Dass ich selten zum Arzt gehe, ist mir spätestens dann aufgefallen, als ich im akuten Krankheitsfall gemerkt habe, dass mein Hausarzt bereits seit sechs Jahren im Ruhestand ist. Also habe ich sämtliche Arztpraxen in der Umgebung angerufen, nur um die gleiche Antwort zu bekommen: „Leider können wir aktuell keine neuen Patienten aufnehmen.“ Den Ärzten und medizinischen Fachangestellten mache ich dabei keine Vorwürfe, da sie ebenfalls mit den strukturellen Herausforderungen des Gesundheitssystems konfrontiert sind.
Eine Praxis konnte mir dann immerhin anbieten, dass ich kurzfristig vorbeikommen und spontan zwischen den bereits bestehenden Terminen aufgenommen werden könne. Auch wenn die Symptome schon ausschleichend waren, hat sich die mehrstündige Wartezeit mit einer Durchfallerkrankung nicht besonders prickelnd angefühlt. Immerhin habe ich wieder einen Hausarzt – und die benötigte AU.
Wer es nun ernsthaft als gute Idee empfindet, eine Krankschreibung in Zukunft schon ab dem ersten Krankheitstag einzuführen, saß vermutlich noch nie mit Durchfallsymptomen im Wartebereich einer Arztpraxis – mit verkrampftem Unterleib, leichter Übelkeit und kaltem Schweiß am ganzen Körper. Am unangenehmsten war jedoch die permanente Angst, es beim Durchblättern der Apotheken-Umschau nicht mehr rechtzeitig auf die Toilette zu schaffen. Die Warterei hat sich allerdings nur kurzfristig gelohnt. Denn mittlerweile bin ich in eine andere Stadt umgezogen. Die Suche nach einer Hausarztpraxis beginnt also wieder von vorne.
OTon
Wir sind junge Mitarbeiter von Oberpfalz-Medien. In unserer Kolumne "OTon" schreiben wir einmal in der Woche über das, was uns im Alltag begegnet – was wir gut finden, aber auch, was uns ärgert. Dabei geht es weniger um fundierte Fakten, wie wir sie tagtäglich für unsere Leser aufbereiten, sondern um unsere ganz persönlichen Geschichten, Erlebnisse und Meinungen. Wir wollen zeigen, dass nicht nur in Hamburg, Berlin oder München Dinge passieren, die uns junge Menschen bewegen.























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