01.07.2021 - 18:03 Uhr
ErbendorfBesserWissen

Office Lunch: Festessen aus dem Bügelglas

Es gibt einen neuen Trend für das Mittagessen im Büro. Weg vom Fast Food, weg vom belegten Brötchen. Die Alternative heißt: Lunch im Glas

Bunter Nudelsalat mit Tomate, Bergkäse oder Pecorino oder Parmesan, Schnittlauch, Kürbiskernen und Kürbiskernöl. „Vom relativ teuren, duftenden Kürbiskernöl reicht ganz wenig aus. Ein paar Tropfen schon verwandeln einen simplen Salat in ein raffiniertes Gericht."
von Christa VoglProfil

Am Morgen einen Coffee-to-go und eine belegte Semmel vom Bäcker. Mittags dann etwas Schnelles vom Italiener, Chinesen oder von der Döner-Bude. Und nach der Arbeit vielleicht noch einen kurzen Imbiss zusammen mit den Kollegen im Bistro um die Ecke: So sieht inzwischen für immer mehr Berufstätige der normale Arbeitsalltag zwischen Montag und Freitag aus.

Nicht so für Karin Barth aus Erbendorf. Karin Barth ist 62, in Vollzeit berufstätig, leidenschaftliche Hobbyköchin, Besitzerin von 500 Kochbüchern und begeisterte Sammlerin von „schönem, alten Geschirr“. Sie betrachtet diesen Trend, nämlich das „Outsourcen der Ernährung“, mit kritischen Augen. Ihre Bedenken dabei: „Wenn wir regelmäßig Industriegerichte und Fremdgekochtes essen, verlieren wir die Kontrolle über unsere Nahrung und die Verantwortung für den eigenen Körper.“ Es sei zwar ständig von Selbstbestimmung und eigener Freiheit die Rede. Beim Konsum – also gerade an der Stelle, wo jeder Einzelne aktiv Einfluss nehmen kann – werde aber alles widerspruchslos geschluckt. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.

Aber was ist die Alternative dazu? Vor allem dann, wenn es am Arbeitsplatz keine Kantine gibt, die mit abwechslungsreicher Auswahl und frischen Zutaten punkten kann, und die auch noch auf Fertigprodukte verzichtet? „Selber machen“, lautet der bestechend einfache Vorschlag von Karin Barth, die dieses Konzept bereits seit Jahrzehnten für sich selbst umsetzt – nicht zuletzt weil es eine preislich unschlagbar günstige Alternative ist („Ich koche nur Bio und bleibe pro Portion trotzdem meist unter 1 Euro.“) und dazu auch unnötigen Verpackungsmüll vermeidet („Was da Tag für Tag an Plastikmüll anfällt, ist wirklich unverantwortlich!“).

Selber machen. Bedeutet das vielleicht ein Zurück zu den faden Wurst- und Käsebroten, die daheim belegt werden? Und gleichzeitig auch ein Zurück zum guten alten Butterbrotpapier? „Nein“, sagt Barth und lacht. „Selber machen, das kann viel mehr bedeuten. Nämlich Abwechslung, Vielfalt, Gesundheit und auch Spaß.“ Immerhin hätten die Deutschen zuhause die teuersten Einbauküchen der Welt - die sich allerdings bei näherem Hinsehen allzu oft nur als Kulisse und Statussymbol entpuppten. „Richtig kochen tut kaum jemand darin“, sagt Barth. Dabei sei „das Selbermachen“ der Verpflegung für den nächsten Arbeitstag mit ein bisschen Vorplanung überhaupt nicht zeitaufwändig.

Der Haupttrick dabei: „Wenn ich am Wochenende für eine Mahlzeit Kartoffeln, Nudeln oder Reis koche, dann plane ich von vornherein größere Mengen ein.“ Das Gute daran: „So habe ich zum Beispiel immer gekochte Pellkartoffeln vorrätig. Die halten sich problemlos über eine Woche, wenn sie luftig und offen im Kühlschrank aufbewahrt werden.“ Und auch Reis und Nudeln könne man durchaus für einige Tage bevorraten.

Mit dieser Reserve sei es dann möglich, „blitzschnell“ einen Salat zu zaubern und in ein Bügelglas, ein Weckglas oder ganz simpel in ein Gurkenglas mit Schraubdeckel zu füllen. Ganz wichtig dabei, so Barth: „Ich stelle mir das zusammen, was mir wirklich schmeckt, was ich gut vertrage. Und ich kann mir die Qualität aussuchen. Zum Beispiel Tomaten vom Balkon oder aus dem Bioladen und vielleicht auch noch den Lieblingsschinken vom Metzger meines Vertrauens“, sagt die begeisterte Hobbyköchin. Die mögliche Bandbreite der entstehenden Gerichte sei enorm: Von super simpel und billig bis raffiniert und delikat.

Übrigens: Barths Alternative zu Fast Food & Co. – das von zu Hause mitgebrachte Mittagessen aus dem Einweckglas - mag vielleicht einen Hauch von Retro in sich bergen oder für manche sogar altbacken wirken. Ganz im Verborgenen hat sich daraus aber bereits ein neuer Ernährungstrend entwickelt, unter dem Begriff „Lunch im Glas“ lassen sich immer mehr Menschen davon begeistern. Karin Barth freut sich über diese Entwicklung. Und zwar ganz besonders von Montag bis Freitag, wenn sie zur Mittagszeit ihr gefülltes Bügelglas aus der Tasche holt, es vor sich auf den Büroschreibtisch stellt, den Deckel öffnet und….mmh!

Info:

Rezept für italienischen Brotsalat

Zutaten f. 1 Portion:

1 altbackene Semmel oder entsprechende Menge Baguette/Ciabatta/ Weißbrot (auch möglich: geröstet)

1 große, vollreife Tomate

1/2 Kugel Mozzarella oder entsprechende Menge Parmesan, Pecorino oder Bergkäse, klein gewürfelt

Optional: etwas Kochschinken

frische Kräuter: z.B. Basilikum, Petersilie oder Frühlingszwiebel

1/2 TL Salz

1 Messerspitze Zucker

1/2 TL grober schwarzen Pfeffer

1 Spritzer Rotweinessig

2 El Olivenöl

Zubereitung:

Brot und Tomate würfeln, mit anderen Zutaten vermengen, für mindestens 2 Stunden zugedeckt kühl ziehen lassen. An heißen Sommertagen ein Genuss! Zur Beachtung: Mengenangaben hängen von Feuchte der Zutaten ab. Die Mischung darf weder zu nass sein, sonst wird's matschig, noch zu trocken, sonst schmeckt's nicht.

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