13.09.2021 - 12:43 Uhr
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Hundeerziehung: Das A und O ist eine artgerechte Kommunikation

Sitz, Platz, Fuß – daran denkt man wohl zunächst, wenn es um den Grundgehorsam eines Hundes geht. Das Wichtigste ist jedoch ein zuverlässiger Abruf. Peter Kick und Johannes Stilp erklären, worauf es bei der Hundeerziehung ankommt.

Johannes Stilp (links) und Peter Kick mit ihren Labradorhündinnen Vicky und Gretel sind ein eingespieltes Team, wenn es darum geht, zu zeigen, wie die Kommunikation zwischen Hund und Besitzer funktionieren kann.
von Evi WagnerProfil

Kann sich der Hund in der Öffentlichkeit wieder einmal nicht benehmen? Zieht er an der Leine? Hat er einen ausgeprägten Jagdtrieb und ist sofort weg, wenn er ein Reh oder einen Hasen sieht? Oder zeigt er sogar aggressives Verhalten? Die Liste an unerwünschten Verhaltensweisen ist lang. Peter Kick und Johannes Stilp – auch bekannt als „Dog-Brothers“ – kennen die Probleme nur zu gut, die Hundebesitzer mit ihren vierbeinigen Lieblingen haben. „Ein großes Problem ist oft, dass der Hund einfach nicht versteht, was sein Herrchen oder Frauchen eigentlich von ihm will“, erklärt Peter Kick. „Denn viele Leute vermenschlichen ihre Vierbeiner und denken auch bei der Hundeerziehung viel zu menschlich.“

Ein Hund ist ein Hund

„Viele kaufen sich auch einen Hund als Sozialpartner oder Kinderersatz“, so Johannes Stilp. „Und da sind die Probleme meist schon vorprogrammiert. Ein Hund ist eben ein Hund. Und wenn ich will, dass mich der Hund glücklich macht und auch selbst glücklich ist, dann muss ich ihn auch behandeln wie einen Hund und mir ein bestimmtes Hundedenken aneignen.“ Deswegen sollte es immer an erster Stelle stehen, sich zunächst mit Körpersprache und Kommunikation von Hunden zu beschäftigen. Zu diesem Thema würden in Hundeschulen auch Seminare angeboten, so die „Dog Brothers“. „Denn es geht ja nicht nur um Sitz, Platz und Fuß. Sondern darum, dass man mit seinem Vierbeiner auch so kommunizieren kann, dass er das auch versteht.“

Das Wichtigste in der Hundeerziehung: ein zuverlässiger Abruf. „Wenn mein Hund hundertprozentig abrufbar ist, kann ich ihm auch die maximale Freiheit gewähren“, erklären die Hundeprofis. „Natürlich sollte er auch lernen, bei mir zu bleiben – auch ohne Leine. Das hat ganz viel mit Impulskontrolle und Frustrationstoleranz zu tun. Wenn der Hund etwas will, wie zum Beispiel einem Reh hinterherjagen, aber nicht darf, muss er zunächst gelernt haben, damit umzugehen.“ Ein weiterer wichtiger Punkt: Leinenführigkeit. „Wobei das eigentlich schon das falsche Wort ist“, so Peter Kick. „Denn wir wollen ja eigentlich keine Leinenführigkeit, sondern der Hund soll sich von uns führen lassen und sich an uns orientieren. Auch hier spielt die Körpersprache wieder eine sehr große Rolle. Der Hund muss lernen, auf unsere Signale zu achten und sich an diesen zu orientieren.“

Das Training in den Alltag integrieren

„Die Leine ist ja nur dann straff, wenn sich der Hund eben nicht an uns orientieren will und lieber darauf achtet, was um ihn herum passiert“, ergänzt Johannes Stilp. „Dann stellt er bewusst den Zug her, so dass er noch spürt, dass wir da sind. Uns aber zugleich ausblenden kann. Deswegen muss jeder Hundehalter lernen, anders zu kommunizieren als über die Leine.“ In den Kursen könne man den Leuten nur zeigen, wie es geht, so die Experten. Trainiert werden müsse dann allerdings zu Hause und im Alltag. „Viele denken erst einmal, sie kommen einmal in der Woche zur Hundeschule, trainieren dort eine Stunde und der Hund funktioniert dann überall genauso wie am Hundeplatz“, sagt Peter Kick und schüttelt den Kopf. „Das klappt natürlich nicht. Alle Übungen müssen auch im Alltag gemacht werden. Denn es gibt nicht einen Moment, in dem man nicht mit dem Hund kommuniziert. Gerade in den ersten drei Lebensjahren eines Hundes ist Konsequenz wichtig.“

Doch für die Erziehung eines Hundes ist es grundsätzlich nie zu spät, denn auch Bello und Co. lernen ein Leben lang. „Bei einem älteren Hund dauert es eben manchmal nur etwas länger“, so Johannes Stilp. „Denn der Hund ist in seinem Verhalten schon so gefestigt, dass es schwerer wird, ihm etwas beizubringen oder ihm Fehlverknüpfungen dauerhaft abzugewöhnen. Selbst wenn man es schafft, bestimmte Verhaltensweisen kontrollierbar zu machen, kann es sein, dass er in bestimmten Situationen wieder zu alten Lösungsansätzen zurückkehrt. Denn diese Schublade existiert dann schon in seinem Kopf.“ Doch für den Besuch der Hundeschule ist es nie zu spät, in den Kursen der „Dog Brothers“ sind regelmäßig auch ältere Vierbeiner zu finden. „Meine Freundin hat vor gut zwei Jahren einen siebenjährigen Schäferhund aus dem Tierheim geholt“, erzählt Johannes Stilp. „Dieser Hund war zunächst eine Katastrophe, aber mittlerweile ist er zum absoluten Traumhund geworden.“

Teil 1: Welcher Welpe passt zu mir?

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Teil 2: Der gute Start ins Hundeleben

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Teil 4: Ein Hund aus dem Tierschutz

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Hat der Hund erst gelernt, sich an seinem Besitzer zu orientieren, wird eine Leine schnell überflüssig.

 

 

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