07.09.2021 - 15:28 Uhr
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Welpenerziehung: Ein guter Start ins Hundeleben

Die Aufregung ist groß, ein Welpe kommt ins Haus. Das neue Familienmitglied auf vier Pfoten muss noch viel lernen. Hundetrainer Peter Kick und Johannes Stilp – bekannt als "Dog-Brothers" – erklären, worauf man jetzt achten muss.

In der Welpenzeit wird der Grundstock für das spätere Verhalten des Hundes gelegt.
von Evi WagnerProfil

Die Welpenzeit ist die prägendste Zeit im Leben eines Hundes. In dieser Zeit, in der der Grundstock für das spätere Verhalten gelegt wird, sollte besonders verantwortungsvoll mit dem neuen Familienmitglied umgegangen werden. „Es fängt schon beim Abholen des Welpen an“, erklärt Peter Kick von der Hundeschule "Dog-Brothers". „Wichtig ist, dass man zu zweit zum Züchter fährt. Es sollte immer noch jemand dabei sein, der den Welpen bei seiner ersten Autofahrt auf den Schoß oder mit in den Fußraum nimmt, damit er nicht alleine winselnd in einer Box sitzen muss.“

Den Welpen in Ruhe ankommen lassen

Zu Hause sei es dann wichtig, den Welpen in Ruhe ankommen zu lassen. „Die Leute meinen immer, man müsse gleich raus mit dem Hund“, sagt Hundetrainer Johannes Stilp und schüttelt den Kopf. „Dabei ist erst einmal eine gewisse Zeit nötig, dass dieser sich in seinem neuen Zuhause einleben kann. Denn man darf nie vergessen: Der Welpe wurde aus seinem bisherigen sozialen Umfeld herausgerissen, weg von seiner Mutter und seinen Geschwistern, und muss sich nun komplett neu orientieren. Das Haus, der Garten, neue Menschen, neue Gerüche – das sind erst einmal genug neue Eindrücke für das Hundekind.“

Eine bis zwei Wochen sollte man dem Welpen Zeit zum Einleben lassen, bevor man mit kurzen Spaziergängen beginnt. „Man sollte außerdem immer daran denken: Es ist ein Instinkt des jungen Hundes, dass er sein Zuhause erst einmal nicht so weit verlässt“, erklärt Johannes Stilp. „Er ist noch nicht bereit für die große, weite Welt.“ Es sei auch ganz normal, dass der Welpe sich nach rund zehn Minuten Gehzeit erst einmal hinsetzen wolle, um seine Eindrücke zu verarbeiten. „Das Hundehirn ist erst etwa nach der 16. Lebenswoche voll entwickelt, vorher sollte man den Welpen nicht überfordern.“

Langsam das Alleinebleiben lernen

„Es gibt eine Faustregel für Spaziergänge mit Welpen, an der man sich ungefähr orientieren kann“, so Peter Kick, der nicht nur Hunde ausbildet, sondern auch züchtet. „Pro Lebensmonat rechnet man etwa fünf Minuten, das reicht völlig aus.“ Ein weiteres großes Thema bei der Welpenerziehung: das Alleinbleiben. „In den ersten Tagen nach dem Abholen ist es wichtig, rund um die Uhr beim Welpen zu sein“, so der Hundeprofi. „Denn der ist noch gar nicht in der Lage, alleine zu bleiben. Viele Hundebesitzer machen den Fehler, dass sie erst einmal drei Wochen Urlaub nehmen, sie sind rund um die Uhr da, und dann soll es funktionieren, dass der Hund plötzlich stundenlang alleine ist. Das funktioniert natürlich so nicht.“

Auch hier müsse man ganz langsam beginnen, dem Welpen zu lernen, dass er auch mal alleine bleiben kann. „Es reicht am Anfang erst einmal, wenn der Hund im Wohnzimmer sitzt und man geht kurz in die Küche“, erklärt Johannes Stilp. Dann könne man auch mal für einige Minuten das Haus verlassen. „Der größte Fehler, den die meisten hier machen, ist es, den Hund beim Zurückkommen überschwänglich zu begrüßen und zu betüdeln. Richtig ist es, den Hund zwar kurz zu begrüßen, aber nicht zu euphorisch zu sein. Denn sonst wird das Warten für den Hund unerträglich. Er schaut nur, wann die Tür endlich wieder aufgeht und gerät so nur unnötig unter Stress.“

Welpenkurs in guter Hundeschule

Und wie ist es nun mit dem Stubenreinwerden? „Da geht es darum, den Welpen so oft wie möglich rauszusetzen und es richtig zu feiern, wenn er dort sein Geschäft erledigt“, so Peter Kick. „Am Anfang sollte man alle eineinhalb bis zwei Stunden mit dem jungen Hund rausgehen. Wenn er geschlafen hat, geht man raus. Wenn er gefressen hat, geht man raus. Wenn er gespielt hat, geht man raus. Der kapiert das dann ganz schnell, wie es läuft.“ Nach zwei, drei Wochen im neuen Zuhause ist die Zeit außerdem ideal, um mit dem neuen Familienmitglied einen Welpenkurs zu besuchen. „Hundeschule macht aber nur dann Sinn, wenn es sich um eine gute Hundeschule handelt“, so der Hundeprofi. „Leider kommen immer wieder Hundebesitzer zu uns mit Problemen, die erst in einer schlechten Hundeschule entstanden sind.“

„Viele Hundeschulen bieten sogenannte Welpenspielstunden an“, erklärt Johannes Stilp. „Das ist absoluter Unsinn. Denn man weckt so Erwartungen beim Welpen, denen man später nicht mehr nachkommen kann. Die Erwartung ist: Wenn du andere Hunde siehst, ist erst einmal Party. Aber wenn ein Hund erwachsen ist, gibt es eben keine Party mehr. Und schon hat man es mit Leinenaggressionen zu tun.“ Natürlich sei es wichtig, dass die Welpen auch Sozialkontakte haben. Aber die gibt es zum Beispiel bei den Dog-Brothers immer erst am Ende der Kursstunden.

Auch Ruhe muss gelernt werden

„Wir haben uns bei unseren Kursen sehr viele Gedanken gemacht“, so Hundeprofi Peter Kick. „Früher hatten wir ja noch keine Hundeschule, haben nur mit Problemhunden trainiert. Unsere Kurse sind dann entstanden, weil wir uns überlegt haben: Was können wir tun, damit es weniger Problemhunde gibt? Und so haben wir auch unsere Kurse aufgebaut. Wir arbeiten sehr viel mit Ruhe, Impulskontrolle und Frustrationstoleranz.“ Es mache keinen Sinn, einen jungen Hund rund um die Uhr zu bespaßen, so die Dog-Brothers. Wichtig sei, dass dieser Ruhe lerne. „Jeder wünscht sich einen ruhigen, unkomplizierten Familienhund. Dann muss er darauf auch hinarbeiten und darf eben nicht den ganzen Tag mit dem Hund Party machen.“

Teil 1: Die Tipps der "Dog-Brothers" zum Welpenkauf

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Teil 3: Artgerechte Kommunikation als Basis für die Hundeerziehung

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Teil 4: Ein Hund aus dem Tierschutz

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Hundetrainer Johannes Stilp (links) und Peter Kick wissen, worauf es bei der Erziehung von jungen Hunden ankommt.
Man sollte sich nicht wundern, wenn sich der Welpe, wie dieser kleine Hund der Rasse "Exotic Bulldog", bei den ersten Spaziergängen öfter hinsetzt. Er muss die neuen Eindrücke erst verarbeiten.

 

 

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