28.09.2021 - 14:26 Uhr
FlossBesserWissen

Potenziell gefährlich? Das gilt im Umgang mit Listenhunden

Listenhunde, umgangssprachlich auch oft Kampfhunde genannt, sind Hunde, die aufgrund ihrer Rasse als gefährlich eingestuft werden. Peter Kick und Johannes Stilp erklären, worauf man bei der Haltung dieser Hunde achten muss.

Johannes Stilp (links) und Peter Kick – hier mit ihren Miniature-Bullterrier-Damen Maisie und Bounty – haben regelmäßig mit sogenannten Listenhunden zu tun.
von Evi WagnerProfil

Als ein Kind im Jahr 2000 auf dem Schulhof von zwei Hunden – einem Pitbull und einem Staffordshire Terrier – getötet wurde, entbrannte im Bundestag und in den Medien eine Debatte über gefährliche Hunderassen. Im April 2001 wurde daraufhin das Gesetz zur Bekämpfung gefährlicher Hunde vom Bundestag beschlossen. Dieses Gesetz besagt, dass Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier, Staffordshire Bullterrier sowie Bullterrier nicht vom Ausland in das Inland eingeführt werden dürfen. Dies gilt ebenso für Mischlinge, die mit diesen Hunderassen gekreuzt wurden. Zusätzlich zu dem Gesetz haben die einzelnen Bundesländer Rasselisten erstellt. Auf diesen Listen stehen Hunderassen, die nach Meinung der Politik gefährlich sein könnten.

Wesenstest für Hunde

„Es wird dabei nach Hunden der Kategorie 1 und der Kategorie 2 unterschieden“, erklärt Peter Kick, der nicht nur als Hundetrainer arbeitet, sondern auch regelmäßig als Gutachter bei der Beurteilung von Listenhunden im Einsatz ist. „Die sogenannten Kategorie-1-Hunde dürfen in Bayern gar nicht gezüchtet und gehalten werden. Bei den Rassen der zweiten Kategorie gilt: Diese darf man zwar grundsätzlich halten, jedoch muss das im Vorfeld bei der betreffenden Gemeinde oder Stadt angemeldet werden. Es kann sogar eine höhere Hundesteuer fällig werden. Dies ist aber von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich. Wenn der Hund 18 Monate alt ist, muss ein Wesenstest gemacht werden, ob er potenziell gefährlich ist oder nicht.“ Bei einem solchen Test geht es darum, die Aggressivität des Hundes zu prüfen. „Letztendlich werden Alltagssituationen nachgestellt, zum Beispiel mit Joggern, Radfahrern oder spielenden Kindern“, so der Hundeprofi. „Natürlich wird auch geschaut, wie sich der Hund zu Hause verhält und wie das Verhältnis des Hundehalters gegenüber seinem Hund ist.“

Maulkorbpflicht als Auflage

Bei Bedarf kann der Gutachter dann Auflagen wie den Besuch einer Hundeschule oder eine Maulkorbpflicht empfehlen, die dann von der Behörde festgelegt werden. „Wir haben hier in der Hundeschule sehr viel mit sogenannten Listenhunden zu tun“, sagt Johannes Stilp. „Da sich viele Menschen oft sehr bewusst für so einen Vierbeiner entscheiden und auch sehr darauf bedacht sind, dass nichts passiert, sind das oftmals mit die besterzogensten Hunde hier bei uns am Platz.“ Dass Listenhunde grundsätzlich gefährlicher sind als andere Rassen, das können die „Dog Brothers“ nicht wirklich bestätigen. „Das müsste auch jedem schnell klar werden, der einen Blick auf die Beißstatistiken wirft“, so die Hundeprofis. „Die meisten Bisse gingen letztes Jahr auf das Konto von Mischlingen und Hunderassen, die nicht auf der Liste zu finden sind.“

Bedürfnisse des Hundes kennen

Für die „Dog Brothers“ ist klar: Statt einer solchen Liste sollte besser ein Sachkundenachweis für alle Hundehalter eingeführt werden. „Jeder Hund braucht Erziehung und kann gefährlich werden, wenn sein Halter die genetischen Dispositionen oder die Bedürfnisse der jeweiligen Rasse nicht kennt“, erklärt Johannes Stilp. „Es gibt Hunde, aus denen schnell eine Waffe werden kann, wenn sie sich in den falschen Händen befinden. Diese Rassen werden aber nicht generell als potenziell gefährlich angesehen und sind auch auf keiner Liste zu finden. Ein Mensch, der sich bewusst für einen Listenhund entscheidet, weiß in der Regel, welcher Verantwortung er sich annimmt. Wir haben viele Listenhunde bei uns im Hundetraining und wir können nur aus Erfahrung sprechen. Bei guter Erziehung und dem nötigen Sachverstand und Verantwortungsbewusstsein des Halters sind das großartige Hunde. Deshalb ist aus unserer Sicht diese Rasseliste mehr als fragwürdig.“ Deswegen sollte laut „Dog-Brothers“ für jeden Hundehalter gelten: sich immer seiner eigenen Verantwortung bewusst sein, sich über rassespezifische Eigenheiten schlau machen, auf die richtige Hundeerziehung achten und sich frühzeitig professionelle Hilfe holen, falls nötig.

Teil 1: Welcher Hund passt zu mir?

Floss

Teil 2: Ein guter Start ins Hundeleben

Floss

Teil 3: Was ein Hund können muss

Floss

Teil 4: Was man zu Hunden aus dem Tierschutz wissen muss

Floss

Teil 6: Mythen der Hundeerziehung

Floss

Teil 7: Wann Kastration sinnvoll ist

Floss
Hintergrund:

Listenhunde Bayern 2021

Seit April 2001 gilt die bundesweite Hundeverordnung. Nach dieser gesetzlichen Regelung gelten Hunde bestimmter Rassen als gefährlich oder potenziell gefährlich. Die einzelnen Bundesländer entscheiden jedoch selbst, wie sie mit den sogenannten Kampfhunden umgehen. In Bayern unterliegt das Halten dieser Rassen einigen Restriktionen.

Kategorie 1:

Diese gelten als grundsätzlich gefährlich, ein Negativzeugnis ist nicht möglich. Die Zucht und Haltung dieser Hunde ist in Bayern grundsätzlich nicht erlaubt.

American Pit Bull Terrier

American Staffordshire Terrier und Staffordshire Bullterrier

Tosa Inu

Bandogs, Kreuzungen mit diesen Rassen

Kategorie 2:

Diese Hunde gelten als potenziell gefährlich. Es lässt sich jedoch durch einen Wesenstest nachweisen, dass sie ungefährlich sind. Mit einem solchen Negativzeugnis ist die Haltung erlaubt.

American Bulldog, Bullmastiff und Bullterrier

Cane Corso, Dogo Argentino und Mastiff

Mastino Espanol und Dogo Canario

Ca de Bou und Rottweiler

Alano und Fila Brasiliero

Miniature Bullterrier werden oft mit Standard Bullterriern verwechselt. Hier in Bayern zählt der Standard Bullterrier zu den Listenhunden der Kategorie 2, der Miniature Bullterrier allerdings nicht.

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.