18.08.2019 - 17:30 Uhr
AmbergDeutschland & Welt

Lösche-Prozess: Angeklagter zieht über seine Ehefrau her

Was für ein Mensch ist der marokkanische Fernfahrer Boujemaa L., der die Amberger Studentin Sophia Lösche getötet haben soll? Vom Gericht zu einem Messerangriff auf seine Ehefrau befragt, lassen seine Antworten tief blicken.

Boujemaa L., der beschuldigt wird, Sophia Lösche ermordet zu haben, im Schwurgerichtssaal des Bayreuther Justizpalastes. Das Gericht befragt ihn zu einem Messerangriff auf seine Ehefrau.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

Wenn am Montag, 19. August, im Schwurgerichtssaal des Justizpalastes Bayreuth ein psychologischer Sachverständiger zu Wort kommt, hört Boujemaa L., der wegen Mordes an der 28-jährigen Sophia Lösche angeklagt ist, wie der Gutachter seine Persönlichkeit beurteilt. Er selbst charakterisiert sich als jemand, der leicht reizbar ist und schnell in die Luft geht. Daheim in Marokko hat der 42-jährige Fernfahrer einmal seine Ehefrau mit dem Messer verletzt.

Faul, fordernd, zänkisch: Der Angeklagte lässt, als ihn Vorsitzender Richter Bernhard Heim am Freitag zur Messerattacke gegen seine Frau befragt, kein gutes Haar an der Gattin. Wie er seine Ehe sieht, lässt sich auf einen Nenner bringen: er der Gute, sie die Böse. Seine Aussage offenbart ein Frauen- und Familienbild, das nicht ins 21. Jahrhundert passt.

Sie habe ihn verrückt gemacht, sie habe angefangen zu schimpfen, ununterbrochen geredet, begründet er den Stich mit dem Messer. Wann das war? Das fällt dem vierfachen Vater nicht mehr ein. Im Krankenhaus wird der Angriff als Unfall deklariert, die Wunde im Brustbereich mit drei, vier Stichen genäht.

Facebook ist schuld

Boujemaa L. klagt, wie schlecht seine Frau sei: Sie habe nicht sauber gemacht, ihren Freundinnen Familiengeheimnisse ausgeplaudert, die Kinder vernachlässigt und ohne Brotzeit in die Schule geschickt, keinen Respekt vor ihm gehabt. "Sie war keine gute Ehefrau", behauptet der 42-jährige Fernfahrer. Er hingegen will seinen Kindern bei einem Imbiss in Nähe der Schule ein Konto eingerichtet haben, damit sie sich Essen kaufen konnten.

Als seine Frau das erfahren habe, "sagte sie zu mir: 'Bring mir auch was zu essen mit!'" Selbstgefällig sprudelt es aus Boujemaa L. nur so heraus: Dass ein von ihm engagiertes Dienstmädchen nicht gearbeitet, sondern nur mit seiner Frau geratscht habe, dass die Gattin immer Geld gefordert habe - "Geld, Geld, Geld". Wann die Spannungen in der Ehe angefangen hätten, will der Vorsitzende Richter wissen. Auch dafür kennt Boujemaa L. einen Schuldigen: Facebook. "Seit es das gibt, war meine Frau jede Stunde in Facebook." Boujemaa L. kündigt an, nach seiner Freilassung nicht mehr zu seiner Familie zurückzukehren. "Und die Kinder?", hakt der Vorsitzende nach. Die Antwort des vierfachen Vaters, prompt und prägnant: "Die haben eine Mutter." Nein, seine Frau wolle er keinesfalls mehr unterstützen, "aber die Familie vom Opfer" - blanker Hohn für die Hinterbliebenen der von ihm brutal erschlagenen Sophia Lösche.

Brief aus U-Haft an Mutter

Grotesk mutet an, was Boujemaa L. in einem Brief an seine Mutter, der beschlagnahmt wurde, aus der Untersuchungshaft schreibt. Zwar behandelten ihn die JVA-Angestellten mit Respekt, doch von seinem Heimatland Marokko fühle er sich im Stich gelassen. "Kein Mensch hat sich um mich gekümmert, kein Botschafter nach mir gefragt." Der Prozess im Mordfall Sophia Lösche wird am Montag, 19. August, um 9 Uhr im Justizpalast in Bayreuth mit dem psychologischen Gutachten fortgesetzt.

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