14.01.2021 - 15:45 Uhr
BurglengenfeldDeutschland & Welt

Bombenbastler von Burglengenfeld legt Geständnis ab

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Es hätte ein langer Prozess am Amberger Landgericht werden können. Doch nun scheint alles schneller zu gehen. Denn der mutmaßliche Bombenbastler von Burglengenfeld und sein Komplize haben Geständnisse abgelegt.

Sie sitzen drei Meter weit voneinander entfernt im Gerichtssaal und würdigen sich mit keinem Blick: Der 30-jährige Bombenbauer (im Hintergrund) und sein ehemaliger Kumpel (21), der den Sprengsatz vor der Burglengenfelder Polizeiwache ablegen sollte, haben Geständnisse abgelegt.
von Autor HWOProfil

Der Amberger Landgerichtspräsident Harald Riedl hatte offenbar einen langen Prozess erwartet und vorläufig fünf Verhandlungstage für die von ihm geführte Große Jugendstrafkammer angesetzt. Das schien nicht übertrieben angesichts Dutzender Ordner mit 2200 Aktenseiten und den Aussagen von fünf Sachverständigen. Doch nun scheint alles rascher zu gehen: Die Gutachter sind unterdessen abgeladen und auch etliche Zeugen können daheim bleiben.

Der Grund ist rasch geschildert: Die beiden Männer auf der Anklagebank, unterschiedlich beteiligt an einem spektakulären Ereignis, haben über ihre Verteidiger Geständnisse abgelegt. Das Ergebnis passt bis auf Kleinigkeiten zusammen und es macht deutlich, weshalb am 17. Februar 2019 an der Burglengenfelder Polizeiwache ein Sprengsatz hätte detonieren sollen.

Anschlag auf Polizeiwache geplant

Der Urheber war ein damals 28-Jähriger, den die Behörden als Drogenkonsumenten kannten. Im Januar 2019 kontrollierten zwei Burglengenfelder Polizisten den Mann und verhinderten unter Anwendung von Zwang, dass der ihnen über den Weg laufende Rauschgiftsüchtige ein Tütchen mit 0,1 Gramm Methamphetamin verschluckte. Was dann geschah, beschrieb der Regensburger Anwalt Helmut Mörtl so: "Das hat er als narzisstische Kränkung empfunden".

Wie ging es weiter? Mörtl skizzierte, dass sein Mandant aus tiefem Groll heraus damit begann, einen Sprengsatz im hauseigenen Keller zu bauen. Das mit zwei Schrauben an den Enden verdämmte Metallrohr enthielt rund zehn Gramm hochgefährliches Quecksilber. Es sollte an der Burglengenfelder Polizeiwache gezündet werden und detonieren. "Um der Polizei einen Denkzettel zu geben", hieß es in der anwaltlichen Erklärung. Dabei habe der 30-Jährige die Verletzung von Beamten in Kauf genommen. Wörtlich: "Ihnen sollten durch freigesetztes Quecksilber Haare und Zähne ausfallen."

Ab dann kam der Mitangeklagte ins Spiel. Der heute 21-Jährige erhielt Order, die Bombe vor das Polizeirevier zu bringen und dort eine gemeinhin an Christbäumen hängende Wunderkerze, die als Zünder an der Bombe hing, in Brand zu stecken. Das tat er auch nach Überzeugung von Oberstaatsanwältin Judith Henkel, die bei der für Terrorismusdelikte zuständigen Generalstaatsanwaltschaft die Ermittlungen leitete.

"Erhebliche Schäden" möglich

Über seinen Anwalt Gunther Haberl (Schwandorf) ließ der 21-Jährige das bestreiten. Ja, hieß es, er habe das Metallrohr transportiert. Aber nicht zum unmittelbar in der Burglengenfelder Altstadt stehenden Polizeigebäude, sondern gleich hinaus zu einem Neubaugebiet, wo ein Spaziergänger später das hinter einer Umzäunung liegende Rohr fand. Seinen ihm zugesagten Lohn will der 21-Jährige bekommen haben: Ein paar Gramm Rauschgift und 100 Euro. Im amtlichen Sprachgebrauch wird die Rohrbombe als Unkonventionelle Spreng-und Brandvorrichtung (USBV) bezeichnet. In einer Andeutung äußerte der Strafkammervorsitzende Riedl, dass sie bei Detonation durchaus sehr erhebliche Schäden bei in der Nähe befindlichen Personen hätte auslösen können.

Fortsetzung am 18. Januar

Bei einem juristischen Gespräch, das im Vorfeld des Prozesses ablief, hatte die aus München angereiste Oberstaatsanwältin Henkel ihre Vorstellungen zur Ahndung des Verbrechens geäußert. Für den 21-Jährigen wäre ihrer Meinung nach durchaus eine Bewährungsstrafe angebracht. Wesentlich härter könnte es den 30-Jährigen treffen. Da lag Henkels Einschätzung bei sechs Jahren Haft.

Dem Bombenbauer war damals der Boden in Burglengenfeld zu heiß geworden. Er flog zu einer Freundin auf die Ferieninsel Mallorca, bekam in der Ortschaft Peguera Unterschlupf und wurde am 18. März 2019 von Fahndern der spanischen Guardia Civil festgenommen. Momentan sitzt der 30-Jährige in Strafhaft, die aus einer Verurteilung wegen Drogendelikten resultiert. Der Prozess wird am Montag, 18. Januar, fortgesetzt.

Der Prozessauftakt gegen den mutmaßlichen Bombenbauer

Burglengenfeld

Mehr zur Festnahme des mutmaßlichen Bombenbauers

Burglengenfeld

So erging es dem Verdächtigen nach der Rückkehr nach Deutschland

Deutschland und die Welt

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.