24.07.2019 - 09:29 Uhr
NittenauDeutschland & Welt

Was nach dem Jagdunfall in Nittenau passierte

Im August 2018 ereignete sich in Nittenau nahe der Bundesstraße 16 ein Jagdunfall: Ein 47-jähriger Verkehrsteilnehmer war von einer Kugel aus einem Jagdgewehr getroffen und getötet worden. Ein Rückblick auf das, was danach passierte.

Ein 46-Jähriger Jäger soll bei einer Gruppenjagd in dem Feld nahe der B16 im August 2018 einen Schuss abgegeben haben, der einen Mann durch die Seitenscheibe eines vorbeifahrenden Autos an der Straße tödlich traf. Knapp ein Jahr nach einem mutmaßlichen Jagdunfall muss sich der Jäger vor dem Landgericht Amberg verantworten.
von Autor HWOProfil

Was mag dieser Einsatz gekostet haben? Die Öffentlichkeit wird es wahrscheinlich nie erfahren. Fest steht: Als am 12. August vergangenen Jahres unweit des Nittenauer Stadtteils Goppeltshof der Beifahrer eines Autos von einem Jagdgewehrschuss getroffen und tödlich verletzt wurde, lief eine der größten Ermittlungsaktionen an, die es jemals im Landkreis Schwandorf gab.

Das Lagebild für die Polizei war über viele Tage hinweg schwierig. Sie hatte zunächst ein nicht abgeerntetes Maisfeld mit 300 Metern Länge im Visier: Das Feld war wegen des Besatzes von Wildschweinen zum Ziel einer Drückjagd von elf Jägern geworden. Nach diesem unheilvollen 12. August musste dringend angenommen werden: Das Projektil, das einen 47-Jährigen traf, der als Beifahrer in einem auf der Bundesstraße 16 des Weges kommenden Auto saß, stammte aus der Waffe von einem dieser Waidleute. Aber - aus welcher?

Sicherstellung der Waffen

Die Kripo Amberg mobilisierte an diesem heißen Sommersonntag alle verfügbaren Leute. Gleichzeitig fuhr der vom Landeskriminalamt angeforderte Waffensachverständige Axel Manthei an den Ermittlungsort. In einem ersten Schritt kam es zur Sicherstellung aller bei der Drückjagd mitgeführten Gewehre samt Patronen. Doch das genügte den Fahndern nicht.

Suche nach Patronenhülsen

Einige der Jäger waren schon zu Hause. Sie wurden telefonisch zur Rückkehr aufgefordert - und sie kamen auch. Die Frage aber war: Hatten die Leute wirklich jene Gewehre mitgebracht, die sie am Morgen bei sich trugen? Um für Klarheit zu sorgen, stellten die Ermittler die Inhalte aller Waffenschränke dieser elf Männer und Frauen vorläufig sicher und übergaben sie dem LKA-Experten zur näheren Begutachtung. Die Aktion ging weiter. Spurensicherungsbeamte suchten das 25 000 Quadratmeter-Feld nach Patronenhülsen ab. Sie fanden welche. Und kamen dennoch zurück. Als der Mais abgeerntet worden war, erschienen die Polizisten in Begleitung zahlreicher junger Kollegen von der Bereitschaftspolizei. Auch diese Aktion sollte nicht die letzte sein: Eine Spezialfirma aus Köln rückte an und hielt Ausschau nach Geschosshülsen. Rund 20 solcher Metallstücke befanden sich schließlich in den Sicherstellungsverzeichnissen.

Flugbahn verändert

Prozessbericht

Nittenau

Auch der Waffensachverständige Manthei rückte mehrfach an die B 16 aus. Als sich der Verdacht verschärfte, dass das im Körper eines Menschen eingeschlagene Geschoss vom Kaliber 30-06 aus der Selbstladebüchse des 46 Jahre alten Jagdausrichters stammen könnte und man dessen Position bei der Drückjagd kannte, suchte Axel Manthei zunächst den an die Bundesstraße 16 grenzenden Wildschutzzaun und dann auch den hoch aufragenden Böschungsbewuchs nach Spuren ab. Denn das analysierte Projektil war nach seinen Feststellungen vor dem Einschlagen in die Scheibe der Beifahrertür irgendwo in seiner Flugbahn leicht verändert worden. "Um zwei Grad", wie Manthei nun dem Amberger Landgericht berichtete. Spuren am Zaun und am Bewuchs fand Manthei nicht. Daraus folgerte die Vermutung, dass das Projektil womöglich doch vor dem unheilvollen Zwischenfall die Weichteile eines Wildschweins durchschlagen hatte. Gewiss ist, dass der 46-Jährige - nun wegen fahrlässiger Tötung angeklagt - auf eine aus dem Feld flüchtende Wildsau zwei Mal gefeuert hatte. Das geschah wohl in Richtung Bundesstraße. Das Tier wurde allerdings später trotz einer Nachsuche nicht gefunden.

Zu den Ermittlungen gibt es einen Berg von Aktenordern. In ihnen befinden sich neben schriftlich fixierten Fakten mehrere hundert Fotos. Auch diese Sammlung legt Zeugnis davon ab, welcher Aufwand betrieben wurde, um letztlich ein zur Anklage ausreichendes Ergebnis zu haben. Eher sparsam aber wurde damals mit Informationen an die Öffentlichkeit umgegangen. Medien erfuhren erst Stunden nach dem Ereignis von dem Fall. Ihnen war damit die Möglichkeit genommen, sich zeitnah ein Bild von den Geschehnissen zu verschaffen.

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