31.03.2021 - 17:23 Uhr
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Grammer: Trotz Umsatzrückgang Grund zur Hoffnung

Der Autozulieferer Grammer aus Ursensollen (Kreis Amberg-Sulzbach) veröffentlichte die ausführlichen Zahlen für das Geschäftsjahr 2020: Obwohl die Coronakrise deutliche Spuren hinterlassen hat, gibt es einen leichten Aufwärtstrend.

Die Grammer AG aus Ursensollen meldete nun die Zahlen für das Geschäftsjahr 2020: Die Coronakrise hat deutliche Spuren hinterlassen.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

Wie der Autoteilezulieferer Grammer aus Ursensollen (Kreis Amberg-Sulzbach) am Mittwoch in einer Pressemitteilung erklärt, habe sich das Unternehmen im Geschäftsjahr 2020 "robust entwickelt". Das Unternehmen schloss das vierte Quartal 2020 mit einem Umsatzplus von fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal. Bereits im Januar hatte Grammer vorläufige Zahlen gemeldet, diese legte das Unternehmen nun ausführlicher vor.

Im Gesamtjahr 2020 erreichte der Umsatz der Grammer Gruppe 1,7 Milliarden Euro und lag damit 16,1 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Beide Produktsegmente waren von Absatzrückgängen betroffen, entwickelten sich jedoch besser als der Gesamtmarkt, heißt es in der Mitteilung weiter. Im Segment Automotive sank der Umsatz um 17,6 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro, das Segment Commercial Vehicles schloss mit einem Minus von 10,4 Prozent bei 544,5 Millionen Euro.

So sahen die Zahlen im vierten Quartal 2020 aus

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Umsatzrückgang durch Corona

Der Umsatzrückgang sei laut Unternehmen maßgeblich durch die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie bedingt, die sich insbesondere in der Geschäftsentwicklung im ersten Halbjahr widerspiegelten. Während der Umsatz in der ersten Jahreshälfte mit 735,8 Millionen Euro noch signifikant unter dem Wert des Vorjahres (1,05 Milliarden Euro) gelegen hatte, bewegte er sich im Zeitraum von Juli bis Dezember 2020 mit 974,9 Millionen Euro nur noch leicht unter dem Vorjahresniveau (987,0 Millionen Euro).

Verbesserung im zweiten Halbjahr

Im Geschäftsjahr 2020 belief sich das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (operatives Ebit) auf minus 11,7 Millionen Euro (Vorjahr: 77,0 Millionen Euro). Es sei geprägt gewesen von deutlichen Volumenrückgängen infolge der weltweiten Pandemie sowie negativen Einzelsachverhalten in Höhe von minus 46,0 Millionen Euro. In der zweiten Jahreshälfte lag das operative Ergebnis mit 34,0 Millionen Euro deutlich über dem Vorjahreswert (26,9 Millionen Euro). Diese positive Entwicklung sei insbesondere auf eine Verbesserung der Märkte sowie das erfolgreiche Krisenmanagement im Unternehmen zurückzuführen, heißt es in der Mitteilung. Neben negativen Wechselkurseffekten wurde das operative Ergebnis um direkt zurechenbare Kosten für Corona-Schutz- und Handlungsmaßnahmen sowie um Aufwendungen für Restrukturierungsmaßnahmen bereinigt. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) betrug - 46,1 Millionen Euro (74,5 Millionen Euro).

"Trotz des weltweiten Ausnahmezustands und eines sehr anspruchsvollen Marktumfeldes konnten wir uns im Geschäftsjahr 2020 behaupten und die vielen Herausforderungen gemeinsam gut bewältigen. Wir haben im letzten Jahr viel erreicht, worauf wir alle sehr stolz sein können", erläutert Thorsten Seehars, Vorstandsvorsitzender von Grammer. "Während die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie unsere Geschäftsentwicklung vor allem im ersten Halbjahr stark beeinträchtigt hatten, zeigte das zweite Halbjahr einen deutlich positiveren Trend."

Maßnahmen gegen die Pandemie

Um die negativen wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie für das Unternehmen einzudämmen, habe Grammer im Geschäftsjahr 2020 vielfältige Maßnahmen umgesetzt. So seien unter anderem die Personalkosten und die variablen Ausgaben reduziert worden. Diese temporären Maßnahmen setzten auf das bereits im vierten Quartal 2019 initiierte Effizienzsicherungsprogramm auf, dessen Umsetzung im Laufe des Geschäftsjahres 2020 in einigen Bereichen noch beschleunigt werden konnte.

Krise in der Automobilindustrie: Auch Stellenabbau bei Grammer

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Zudem habe Grammer im zweiten Halbjahr 2020 verschiedene Restrukturierungsmaßnahmen beschlossen, die unter anderem eine Konsolidierung von Standorten in Europa und Nordamerika sowie eine Reduktion von rund 300 Stellen im indirekten Bereich in Deutschland bis Mitte des Jahres 2021 vorsehen. Dazu wurde gemeinsam mit den Sozialpartnern ein umfangreiches Freiwilligenprogramm verabschiedet. Mit Hilfe dieses Freiwilligenprogrammes sei es Grammer gelungen, das für 2021 angestrebte Ziel einer nachhaltigen Strukturkostenreduktion sozialverträglich zu erreichen.

Hybriddarlehen mit Eigenkapitalcharakter

Um die Folgen der durch Covid-19 ausgelösten weltweiten Absatzkrise abzufedern, hat der Vorstand der Grammer AG frühzeitig umfangreiche Maßnahmen zur Sicherung des Liquiditätsspielraums umgesetzt. Neben einer vorzeitigen Refinanzierung und Aufstockung des Konsortialkreditvertrags mit 150 Millionen Euro und der Ablösung der Brückenfinanzierung mit 80 Millionen US-Dollar nahm das Unternehmen im März 2020 ein Hybriddarlehen mit Eigenkapitalcharakter im Volumen von 19,1 Millionen Euro auf und erweiterte den im ersten Quartal abgeschlossenen Konsortialkreditvertrag im August um eine dritte Tranche C in Höhe von 235 Millionen Euro. Darüber hinaus hat Grammer im November eine Kapitalerhöhung im Volumen von 40 Millionen Euro zur Stärkung des Eigenkapitals erfolgreich durchgeführt.

Ausblick 2021

Für das Geschäftsjahr 2021 erwartet der Vorstand eine Erholung des Umsatzes auf rund 1,8 Milliarden Euro (2020: 1,7 Milliarden Euro) und ein operatives Ebit in Höhe von rund 65 Millionen Euro (2020: -11,7 Millionen Euro). Diese Prognose setzt voraus, dass sich die Weltwirtschaft und das politische Umfeld stabil entwickeln und es im Jahr 2021 keine erneuten Werksschließungen aufgrund der Pandemie geben wird. Die Grammer Gruppe setzt ihre positive Entwicklung auch im ersten Quartal 2021 weiter fort. Auf Basis der vorläufigen Zahlen erwartet die Grammer AG für das erste Quartal 2021 einen Konzernumsatz von rund 490 Millionen Euro und damit rund 8 Prozent mehr als im Vorjahr (454,9 Millionen Euro).

Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sowie das um Sondereffekte bereinigte operative Ebit für das erste Quartal 2021 belaufen sich voraussichtlich jeweils auf rund 22 Millionen Euro (Ebit Q1 2020: -2,1 Millionen Euro, operatives Ebit Q1 2020: 0,4 Millionen Euro) und werden damit deutlich über dem jeweiligen Vorjahreswert liegen.

Grammer in Ursensollen: Sie sieht die neue Konzernzentrale aus

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Hintergrund:

Grammer AG

  • Sitz in Ursensollen (Kreis Amberg-Sulzbach)
  • Rund 14.000 Mitarbeiter, in 20 Ländern weltweit tätig
  • Spezialisiert auf die Entwicklung und Herstellung von Komponenten und Systemen für die Pkw-Innenausstattung sowie von gefederten Fahrer- und Passagiersitzen
  • Segment Automotive: Kopfstützen, Armlehnen, Mittelkonsolen, Interieur-Komponenten und Bediensysteme, thermoplastische Komponenten für die Automobil-Industrie
  • Segment Commercial Vehicles: Lkw- und Offroad-Sitze (Traktoren, Baumaschinen, Stapler) sowie Bahn- und Bussitze

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