23.11.2021 - 16:04 Uhr
AmbergOberpfalz

Der Amberger Weg zur Klimaneutralität wird kein leichter sein

Es geht zäh und es geht langsam voran auf dem Weg zur Klimaneutralität der Stadt Amberg. Das zeigt sich einmal mehr am Montagabend im Stadtrat. Dort zieht die städtische Klimaschutzkoordinatorin eine zunächst sehr ernüchternde Bilanz.

Die Freiflächen-Photovoltaikanlage auf dem ehemaligen Schlackenberg der Luitpoldhütte ist fast fertig. Auf diese Art der Energieerzeugung setzen die Klimaschützer.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Schon im Jahr 2040 soll der Freistaat Bayern – und damit auch die Stadt Amberg – klimaneutral sein. "Das sind 19 Jahre, das ist ratzfatz vorbei", so der Kommentar von Klaus Mrasek, ÖDP-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat dazu. Anlass für diese Äußerung war die Vorstellung des Klimaschutzberichts 2020 für die Stadt Amberg durch Klimaschutzkoordinatorin Corinna Loewert im Gremium. Der eindringlich zeigte, dass es nur sehr langsam vorangeht mit der Umsetzung der selbst gesteckten Klimaziele. Dass noch sehr viel in sehr kurzer Zeit zu tun ist.

Im integrierten Klimaschutzkonzept für die Stadt Amberg wurde 2012 eine Analyse vorgenommen, wieviel Einsparpotenzial bei den Energieverbräuchen in den Bereichen Strom, Wärme, Verkehr und Kommunale Liegenschaften bis 2020 vorhanden ist. Wie Corinna Loewert am Montag im Stadtrat sagte, wurden die Ziele in drei von vier Bereichen zum Teil deutlich verfehlt. Nur bei den kommunalen Liegenschaften wurden sie sogar übertroffen – was vor allem an der Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED vor einigen Jahren liegt. Hier sieht das Klimaschutzkonzept ein Potenzial von 26 Prozent, erreicht wurden bis 2020 tatsächlich aber 31 Prozent. Aber selbst dieser Vorsprung sei in früheren Jahren schon einmal größer gewesen, merkte Loewert an.

Leichte Einsparung beim Stromverbrauch

Einsparungen gab es seit 2012 laut Loewert auch beim Stromverbrauch: 3 Prozent. Das liegt aber nach Einschätzung der Klimaschutzkoordinatorin vor allem an den Corona-bedingten Beschränkungen des Jahres 2020. Und der Rückgang rangiert immer noch weit hinter der 2012er-Einspar-Prognose von 13 Prozent. Eine Steigerung des Verbrauchs stellt der aktuelle Klimaschutzbericht hingegen bei der Wärme fest. Da steht ein Plus von 4 Prozent einer Prognose von minus 15 Prozent gegenüber. Noch krasser ist diese Abweichung beim Verkehr. In diesem Bereich sollte der Energieverbrauch laut Prognose um 16 Prozent sinken. Tatsächlich ist er noch einmal um geschätzte 14 Prozent nach oben gegangen. Was laut Loewert unter anderem daran liegt, dass die Zulassungszahlen in der Stadt Amberg munter ansteigen. So waren Ende 2020 rund 32.000 Fahrzeuge – davon 25.100 Pkw – in Amberg zugelassen. Davon waren 3,5 Prozent oder 870 der Pkw elektrisch oder hybrid angetrieben. Rein elektrisch fuhren lediglich 0,9 Prozent der Autos (225).

Entscheidender Faktor für das Erreichen der Klimaziele ist am Ende die Treibhausgasbilanz (THG). Eine Zahl, die laut Corinna Loewert allerdings mit einer gewissen Unsicherheit behaftet ist, weil sie insbesondere im Verkehrssektor auf Schätzungen beruht. Gleiches gilt auf einem niedrigeren Niveau übrigens auch für die Einzelfeuerstätten. Unter Berücksichtigung dieser Unsicherheit sanken nach Angaben der Klimaschutzkoordinatorin die energiebedingten Emissionen durch Strom, Wärme und Verkehr pro Amberger seit 2010 rein rechnerisch von 11,36 auf 9,75 Tonnen Treibhausgas. Um klimaneutral werden zu können, muss dieser Wert bis zum Jahr 2040 auf 0,5 Tonnen pro Person reduziert werden. Die restliche halbe Tonne kann über die städtischen Wälder kompensiert werden. Derzeit liegt der Anteil der erneuerbaren Energien nach Aussage von Corinna Loewert übrigens bei rund zwölf Prozent, sie setzt von daher auf den verstärkten Ausbau von Freiflächen-Photovoltaik, um diese Quote zu verbessern.

Langer Atem nötig

"Sie sehen, man braucht einen langen Atem", gab Corinna Loewert dem Stadtrat mit auf den Weg. Das sahen auch die Stadträte so, die je nach Partei und Neigung unterschiedliche Vorschläge in die Diskussion warfen. So erneuerte Birgit Fruth den Antrag ihrer SPD-Fraktion, mehr Photovoltaik auf die städtischen Dächer zu bringen. Claudia Ried (Grüne) setzte beim Verkehr an, bei einem besseren Angebot an öffentlichem Nahverkehr, an Car-Sharing oder dem Fahrrad. Woher soll der Strom kommen, wenn immer mehr Autos und Heizungen elektrisch laufen?, wollte Dieter Mußemann (CSU) wissen. "Einsparen ist ziemlich anstrengend und schwer", befand Martin Frey (Die Liste Amberg), der die Stadt bei den Erneuerbaren auf einem guten Weg sah. Der steigende Stromverbrauch könne wenigstens zum Teil durch einen besseren Wirkungsgrad der Anlagen aufgefangen werden, so seine Antwort auf Dieter Mußemann.

Klaus Mrasek (ÖDP) rechnete vor: Rund 280 Gigawattstunden Strom verbraucht die Stadt Amberg pro Jahr. Ein Hektar Photovoltaik erzeuge pro Jahr rund eine Gigawattstunde. Ein deutliches Plädoyer für noch mehr Freiflächen-Anlagen. "Denn entscheidend ist, was hinten raus kommt – Schmutzstrom nützt uns nämlich nichts", sagte er. Letztendlich schaffen die Kommunen diese schwere Aufgabe nicht ohne Hilfe des Freistaats und des Bundes, so die Meinung von Oberbürgermeister Michael Cerny. "Wir brauchen kurze Genehmigungsprozesse, wir brauchen das Geld und wir benötigen die Handwerker", sagte er. "Wir als Städte wollen ja, wenn wir aber nicht das dafür notwendige Geld bekommen, werden wir scheitern." Was als deutlicher Wink mit dem Zaunpfahl nach München und Berlin zu verstehen war.

Es war auch schon 2018 sehr ernüchternd

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2019 wurde es nicht viel besser

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Hier steht der Klimaschutzbericht 2020 zum Nachlesen

Die Grafik zeigt deutlich, wie sehr beim Klimaschutz in Amberg Anspruch und Wirklichkeit auseinanderklaffen.

"Wir als Städte wollen ja, wenn wir aber nicht das dafür notwendige Geld bekommen, werden wir scheitern."

Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny zu Klimaschutzmaßnahmen

Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny zu Klimaschutzmaßnahmen

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