20.11.2020 - 15:50 Uhr
AmbergOberpfalz

E-Carsharing in Amberg schon bald wieder Vergangenheit

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E-Carsharing in Amberg. Das klang nach einer Erfolgsgeschichte. Doch die ist bald selbst Geschichte. Es ist aber schon jetzt unmöglich, eines der Fahrzeuge zu buchen, die dem Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit gehören.

Im Parkdeck Kräuterwiese gab es an einer der Säulen immer wieder Probleme beim Laden. Die anfällige Station soll nun ausgetauscht werden.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Anfang 2019 startete der Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz mit der Stadt Amberg und dem Anbieter E-Wald GmbH aus Niederbayern das E-Carsharing-Pilotprojekt - mit vier rein elektrisch angetriebenen Fahrzeugen. Was zunächst als Erfolgsmodell gefeiert wurde, endet nun schon vor Ablauf der Testphase.

Ausgelegt war das Pilotprojekt laut Zweckverbandssprecherin Julia Rösch "auf eine maximale Dauer von zwei Jahren, die sich nun langsam dem Ende zuneigt". Der Zweckverband stellt seine Dienstfahrzeuge allen Interessenten zur Verfügung. Immer dann, wenn er sie selbst nicht benötigt. Das kam bei vielen Ambergern gut an. Geschäftsführerin Sandra Schmidt: "Wir haben das Pilotprojekt mit der Intention gestartet, die Mobilitätswende voranzutreiben sowie Berührungsängste und Hemmschwellen hinsichtlich E-Mobilität abzubauen. Das ist uns auch gelungen."

Ein Draufzahlgeschäft

Von April 2019 bis Ende Oktober 2020 seien mehr als 1400 Buchungen registriert und gut 140.000 Kilometer zurückgelegt worden. Trotz dieser guten Entwicklung hat sich der Zweckverband laut Schmidt dazu entschlossen, das Projekt auslaufen zu lassen: "Uns sind Bürgerfreundlichkeit und Nutzerzufriedenheit sehr wichtig. Um das weiterhin gewährleisten zu können, müssten wir das Angebot jedoch weiter ausbauen und ein Vielfaches an Zeit investieren. Dafür haben wir derzeit keinerlei Kapazitäten zur Verfügung - zumal unser Fokus auf Verkehrssicherheit, Sauberkeit und Ordnung liegt." Die Geschäftsführerin ergänzt, dass zudem die Einnahmen die Ausgaben nicht decken. Soll heißen: Das E-Carsharing ist ein Draufzahlgeschäft. Die Hoffnung auf ein neues Geschäftsfeld des Zweckverbands habe sich nicht erfüllt. Das bedeutet: Die Sharing-Fahrzeuge seien nur noch bis maximal Mitte Februar buchbar.

Die Hoffnung auf ein neues Geschäftsfeld des Zweckverbands hat sich nicht erfüllt.

Sandra Schmidt, Geschäftsführerin Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit

Sandra Schmidt, Geschäftsführerin Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit

Betrieb derzeit eingestellt

Rein theoretisch, denn es gibt ein Aber: Aktuell unterliege das Carsharing-Modell Corona-bedingten Einschränkungen: "Um eine weitere Ausbreitung des Virus einzudämmen und unsere Nutzer zu schützen, mussten wir leider vorübergehend den Betrieb einstellen", sagt Schmidt und bittet um Verständnis. Wann und ob die Autos wieder buchbar sind, sei noch unklar. Genau dieses Verständnis fehlt Silke Zoesch: Die Ambergerin verzichtet eigenen Aussagen zufolge "nun schon seit geraumer Zeit freiwillig" auf ein eigenes Auto: "Ich wollte mit gutem Beispiel vorangehen und meinen Beitrag zum Klimaschutz und zum Schutz unseres Lebensraumes leisten." Daher habe sie sich mit dem Rad, zu Fuß oder im Bus fortbewegt - und das E-Carsharing genutzt. Dass das nun unabhängig von Corona bald nicht mehr möglich sein wird, kann Zoesch nicht verstehen: "Ich persönlich würde es extrem bedauern, wenn in der heutigen Zeit, in der wir definitiv Alternativen zum Individualverkehr finden müssen, die Stadt ein innovatives Modellprojekt wie das E-Carsharing oder Carsharing im Allgemeinen auch wieder einstampft. Ohne kreative und innovative Überlegung, wie dies wirtschaftlich weitergeführt werden kann."

Nicht wie bei Müll oder Abwasser

Ambergs Verkehrsreferent Bernhard Mitko vertritt diese Meinung: "Vom Aufgabenzuschnitt her ist es für den Zweckverband schwierig, ein Modell wie das E-Carsharing überhaupt anzubieten." Handle es sich dabei doch nicht um ein klassisches Umlagesystem, wie es bei Zweckverbänden (zum Beispiel Müll oder Abwasser) üblich sei. Kosten, die in Amberg durch das Carsharing entstehen, könnten nicht einfach so auf alle rund 90 Kommunen umgelegt werden, die dem Zweckverband oberpfalzweit angehören. Schließlich handle es sich um Einzelleistungen, die gebucht und abgerechnet werden.

Mitko muss dem Wunsch von Silke Zoesch deswegen eine Absage erteilen: "Es ist nicht denkbar, dass man als Kommune einen eigenen Zweckverband gründet, um eine reine Autovermietung bereitzustellen." Das sei eher die Aufgabe von Unternehmen oder anderen privaten Anbietern. Bei den Stichwörtern Buchungen und Abrechnungen wird Silke Zoesch erneut hellhörig. Sie sagt: "Mir wurden jüngst alle meine Buchungen storniert." Der Zweckverband begründet das wie beschrieben mit den aktuellen Corona-Vorgaben. Zoesch gab sich damit nicht zufrieden und kontaktierte die E-Wald GmbH, die laut Angaben des Zweckverbandes als "Mobilitätsdienstleister und E-Carsharing-Betreiber" auftritt.

Es ist nicht denkbar, dass man als Kommune einen eigenen Zweckverband gründet, um eine reine Autovermietung bereitzustellen.

Verkehrsreferent Bernhard Mitko

Verkehrsreferent Bernhard Mitko

Alle Fahrzeuge gesperrt

Die Gesellschaft aus Niederbayern stelle unter anderem die Buchungsplattform und -software zur Verfügung. Zudem kümmere sie sich um die Abrechnungen, den Zahlungsverkehr und betreibe die Hotline, bei der Silke Zoesch vorstellig wurde. Die Antwort, die sie erhielt, liegt der Redaktion vor. Darin heißt es wörtlich: "Alle Fahrzeuge in Amberg sind bis auf Weiteres gesperrt. Das Problem liegt an den Ladestationen, welche regelmäßig ausfallen. Am schlimmsten war es an der Kräuterwiese, allerdings hat das ACC nachgelegt. Nachdem wir die letzten Wochen/Monate diverse Beschwerden bekommen haben, haben wir vorerst einen Schlussstrich gezogen." Der zuständige E-Wald-Mitarbeiter ergänzt in dem Schreiben: "Der Zweckverband Amberg, welcher die Fahrzeuge für alle Kunden bereitstellt, ist leider selber machtlos." Ihn treffe keine Schuld. Mehrere Rücksprachen mit dem Betreiber der Ladestationen (Infrastruktur Amberg-Sulzbach GmbH, kurz InAS) und dem Inhaber der Ladestationen (Stadt Amberg) seien erfolglos geblieben.

Keine vertragliche Beziehung

Die Stadt fühlt sich laut einer Auskunft aus dem Rathaus tatsächlich nicht zuständig und verweist auf die InAS GmbH mit ihren Geschäftsführern Erwin Geitner (Bürgermeister von Rieden) und Stephan Prechtl (Geschäftsführer der Stadtwerke Amberg). Beide teilen in einer gemeinsamen Presseerklärung auf Nachfrage mit: "Die InAS GmbH hat das ursprüngliche Landkreiskonzept zur E-Mobilität/Lade-Infrastruktur umgesetzt und die kaufmännische und technische Betriebsführung der entsprechenden Ladesäulen übernommen." Zum Pilotprojekt E-Carsharing habe aber "zu keinem Zeitpunkt eine vertragliche Beziehung" bestanden, weshalb die InAS GmbH "auch nicht Ansprechpartner zum E-Carsharing des Zweckverbandes war und ist". Das Gleiche treffe auf den vom Zweckverband beauftragten Dienstleister E-Wald GmbH zu.

Defekte Säule austauschen

Geitner und Prechtl schreiben auch, dass Probleme mit den Ladesäulen nicht der Grund seien, das Projekt auslaufen zu lassen: "Ein Bezug beziehungsweise eine Ursache zu möglichen Schwierigkeiten mit den Ladesäulen findet sich (...) nicht und könnte aufgrund der fehlenden vertraglichen Beziehungen zwischen Zweckverband und InAS GmbH auch gar nicht gegeben sein." Dass das Laden an der Kräuterwiese nicht reibungslos läuft, stellen Geitner und Prechtl nicht in Abrede: "Im Rahmen der Umsetzung des Landkreiskonzeptes und dessen weiteren Ausbaus, beispielsweise auch durch die Einbindung der Ladesäulen/Wallbox der Stadt Amberg, sind Anfangsschwierigkeiten aufgetreten, die jedoch behoben wurden." Die bestehende Wallbox an der Kräuterwiese habe bereits existiert und sei erst nachträglich in die InAS-Struktur eingebunden worden, "wodurch ein erhöhter Abstimmungsbedarf entstanden ist". Die anfällige Station werde jetzt aber vom Hersteller ausgetauscht.

Ein Bezug zur Einstellung des E-Carsharings sei nicht gegeben, was auch Verkehrsreferent Mitko bestätigt: "Das sind zwei verschiedene Themen." Das Pilotprojekt würde auch dann enden, wenn alle Ladestationen reibungslos liefen.

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