18.04.2021 - 09:27 Uhr
AmbergOberpfalz

Funktioniert: Geimpfte Senioren infizieren sich mit Corona und werden nicht krank

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Als alle geimpft waren, dachten Senioren und Mitarbeiter im Amberger Wallmenichhaus, sie hätten Corona hinter sich. Dann plötzlich wurden Geimpfte positiv getestet. Aber sie sind nicht krank geworden.

Die Senioren im Wallmenichhaus gehörten im Dezember zu den ersten, die eine Corona-Impfung bekommen haben. Dass die wirklich schützt, davon kann Heimleiterin Tatjana Richter erzählen.
von Heike Unger Kontakt Profil

Die Geschichte, die Tatjana Richter, die Leiterin des Clementine-von-Wallmenich-Hauses, erzählen kann, ist ein klares Plädoyer für die Corona-Impfung. Denn sie zeigt, dass sich zwar auch Geimpfte noch infizieren können, dass ihnen aber offenbar eine schwere Erkankung erspart bleibt. In dem Seniorenheim der BRK-Schwesternschaft ist genau das passiert.

Fast alle Senioren im Wallmenichhaus und auch ein großer Teil der Mitarbeiter dort haben sich impfen lassen. Nachdem der zweite Impftermin erledigt war, so erzählt Tatjana Richter, sei "ein richtiger Ruck durch die Einrichtung gegangen" – alle hätten gedacht, die Pandemie damit überwunden zu haben. Dann meldete sich Anfang März plötzlich das Gesundheitsamt im Wallmenichhaus: Eine Besucherin war positiv getestet worden. Sie war zuvor bei ihrer Mutter im Seniorenheim. Deshalb wurde die ganze Station, in der die Mutter betreut wird, getestet – und dabei wurden tatsächlich vier Bewohner mit einem positiven Ergebnis entdeckt. Das, sagt Tatjana Richter, sei schon ein wenig überraschend gewesen, weil drei von ihnen geimpft waren.

Infektion gut überstanden

Doch es gab noch eine weitere Überraschung: Diese drei Geimpften hatten sich zwar infiziert, bekamen dann aber keinerlei Krankheits-Symptome. Lediglich die vierte Positive, die aufgrund ihres zuvor schon schlechten Gesundheitszustands nicht geimpft werden konnte, entwickelte starke Covid-19-Symptome. Sie starb dann später auch tatsächlich im Krankenhaus mit Corona. Richter zieht daraus den Schluss, dass die Impfung nicht grundsätzlich vor einer Ansteckung schütze, wohl aber dafür sorge, dass Geimpfte, die sich infizieren, dies gut überstehen.

Und noch etwas ist der Seniorenheim-Leiterin aufgefallen: Die Impfung scheint auch davor zu bewahren, dass man das Virus an andere weitergibt. Alle drei geimpfte Infizierten haben Demenz und den damit verbundenen großen Bewegungsdrang, der sie auf ihrer Station auch oft in die Nähe anderer bringt. Bei einem der drei war sogar klar die als besonders aggressiv und ansteckend eingestufte britische Mutante nachgewiesen worden. Trotzdem hätten diese drei Infizierten "das Virus nicht an andere weitergegeben": Es gab keine weiteren Infektionen mehr unter den Bewohnern oder Mitarbeitern. Tatjana Richter sieht damit bestätigt, was Experten schon seit einiger Zeit betonen: Die Corona-Impfung schützt vor schweren Krankheitsverläufen und auch davor, andere anzustecken.

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Weiden in der Oberpfalz

Verantwortung übernehmen

Richter appelliert aufgrund dieser Erfahrung an Senioren und deren Angehörige, die sich noch unsicher sind, sich impfen zu lassen – "einfach, um den Krankheitsverlauf nicht tödlich enden zu lassen". Und sie hat noch ein Argument: "Wenn man als Geimpfter das Virus nicht weitergibt, schützt man auch andere." Die Heimleiterin findet: "Es liegt schon an uns, Verantwortung zu übernehmen." Auch für die Mitmenschen. Für das Wallmenichhaus könne sie zudem feststellen, dass die Impfung bei den Senioren "so gut wie keine Nebenwirkungen" ausgelöst habe – und bei denen, die sich ein wenig erschöpft gefühlt hätten, könne man nicht sagen, ob das mit der Spritze zu tun hatte oder einfach mit ihrem Alter.

Beim deutlich jüngeren Personal habe sich die Impfung teilweise schon bemerkbar gemacht, mit Symptomen wie Kopfschmerzen oder Schüttelfrost, die einige Betroffene auch kurzzeitig außer Gefecht gesetzt hätten. Richter kennt das aus eigener Erfahrung, spricht aber davon, dass solche Nebenwirkungen innerhalb von 24 Stunden wieder abgeklungen waren: "So wie's kommt, geht's auch wieder." Bei Impfungen des Personals werde diese Möglichkeit inzwischen einkalkuliert, weshalb man so disponiere, dass nicht ein ganzes Team gleichzeitig geimpft wird.

Appell: "Jetzt handeln"

Die Wallmenich-Senioren jedenfalls hätten sich richtig über ihre Impf-Termine gefreut, berichtet Richter und hofft, dass auch außerhalb ihrer Einrichtung möglichst viele Menschen mitmachen: "Wenn sich was ändern soll, müssen wir jetzt handeln", kommt sie noch einmal auf ihren Appell zurück, auch an andere zu denken. Bei der Mutter zweier Teenager kommen da neben den Senioren nun auch die Jungen in den Fokus: "Wir müssen was für unsere Jugend tun", betont sie – denn Corona habe ihnen schon manches wichtige, einmalige Lebens-Ereignis wie die Party zum 18. oder den Abschlussball genommen.

Tatjana Richter hat sich selbst auch impfen lassen. Für sie auch eine Frage von Verantwortung anderen gegenüber, und zwar nicht nur, weil sie in der Pflege arbeitet.

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