15.03.2020 - 22:59 Uhr
AmbergOberpfalz

Landrat Richard Reisinger: Wahlsieg in Zeiten von Corona

Kurz nachdem die Wahllokale geschlossen haben, ist Richard Reisinger am Sonntag etwas angespannt. Nicht wegen der Wahl. Die Corona-Epidemie macht ihm große Sorgen."Die Leute wissen noch nicht, dass unser Leben jetzt ein anderes wird."

Als die größte Anspannung vorbei ist, lässt sich der wiedergewählte Landrat Richard Reisinger sogar auf ein Scherzchen mit den Fotografen und Kameraleuten im Landratsamt ein: Mit dem Victory-Zeichen kommentiert er das Ergebnis, das er per Handy angerufen hat.
von Heike Unger Kontakt Profil

Auf das Händeschütteln verzichten die Gäste, die im Lauf des Sonntagabends in der kleinen "Wahlzentrale" im Besprechungszimmer im Landratsamt auftauchen: Das Coronavirus ist auch hier Thema. Eine offizielle Wahlparty gibt es nicht, um die Computer und Bildschirme, die die EDV-Experten des Landratsamts aufgebaut haben, scharen sich Medienvertreter und Politiker: Reisingers Gegenkandidaten Michael Rischke (SPD) und Peter Eckert (Grüne) sind gekommen, man plaudert freundlich am Stehtisch bei Cola und Wasser. "Schnittchen gibt's keine - wegen Corona", scherzt Reisinger, wird dann aber gleich wieder ernst und verschwindet in sein Büro, er muss noch telefonieren: Das Virus beschäftigt ihn sogar am Wahlabend.

Die Technik macht Probleme

Jürgen Priehäußer, der IT-Leiter des Landratsamts, hat andere Probleme. Er hatte es schon befürchtet: Es gibt Probleme mit einem der beiden neuen Anbieter, über die die Ergebnisse per Internet einlaufen sollen: Die Technik ist dem Ansturm der Internet-Zugriffe nicht gewachsen. Priehäußer und sein Team hatten schon damit gerechnet und vorsichtshalber das hauseigene Intranet mit eingespielt: So können wenigstens in der kleinen Wahl-Zentrale die eintrudelnden Landrats-Ergebnisse mitverfolgt werden. Nach draußen, über die offizielle Homepage, klappt das nicht.

Die externe Technik, über die eigentlich die Ergebnisse aus den Wahlbezirken auf der Internetseite des Landratsamts eingespielt werden sollen, streikt. Gut, dass die EDV-Experten des Landratsamts übers hauseigene Intranet vorgesorgt haben. Allerdings sind die Zahlen nur hier zu sehen.

Sulzbach-Rosenberg ist am schnellsten, hier muss schließlich keine Bürgermeister-Wahl ausgezählt werden: Gegen 18.30 Uhr meldet das dortige Wahlamt Reisingers Sieg in der Nachbarstadt. 83,34 Prozent hat der Amtsinhaber in seiner Heimatstadt bekommen. "Das freut mich natürlich besonders", sagt er, als er das Ergebnis vorliest: Jemand hat es ihm per Whatsapp zugeschickt. Das Handy wird an diesem Abend noch öfter zur Zahlenabfrage benutzt. Gegen 18.50 Uhr verfestigt sich der früh erkennbare Trend, als etliche weitere Ergebnisse vorliegen. Reisinger wirkt jetzt etwas gelöster. "Dann räum' ich meinen Schreibtisch mal nicht aus", scherzt er. "Davor hätt's mich schon gegraust", gibt er zu. Dann wird er gleich wieder etwas ernster: "Hoffentlich bewältigen wir Corona besser als unsere digitalen Probleme."

Auch nach dem Wahlkampf können sie gut miteinander: Zwei von Landrat Richard Reisingers (rechts) Gegenkandidaten, Michael Rischke und Peter Eckert (von links), sind in der kleinen Wahlzentrale im Landratsamt vorbei gekommen.

Die Gegner gratulieren

Gratulation von den beiden anwesenden Gegenkandidaten, auch wenn noch nicht alle Bezirke ausgezählt sind. Michael Rischke nimmt seine Niederlage gelassen, freut sich, dass er für die SPD ins Rennen gehen durfte - und über "viele schöne Begegnungen. Das war für mich persönlich eine Bereicherung." Die vielen Termine haben trotzdem Spuren hinterlassen. Rischke verrät, dass er in den vergangenen Wochen "ein paar Kilo abgenommen" hat: "Mein Anzug ist ein bisschen größer geworden."

Michael Rischke (SPD) unterliegt

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Gegen 19.45 Uhr schaut Bundestagsabgeordneter Alois Karl vorbei, gratuliert seinem Parteifreund - "auf weitere gute Zusammenarbeit". Er hat eine Liste dabei, ganz analog: In die trägt er die Ergebnisse ein, die im Intranet zu sehen sind. Reisinger erreichen derweil immer mehr Glückwünsche über sein Handy. "Wann soll ich die alle beantworten?", fragt er. Es wird einige Tage dauern.

Peter Eckert (Grüne) ist nicht enttäuscht

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Der Landrat schaut bei seinem Wahlleiter Johann Siegert und seinem Team vorbei. Wie war die Wahlbeteiligung? Siegert ist recht zufrieden, sie lag zwischen 58 Prozent in Kümmersbruck und 80 Prozent in Ammerthal. In Corona-Zeiten sei das ordentlich, meint Reisinger. Es fehlt noch das Landrats-Ergebnis aus Illschwang. An Reisingers Sieg wird das aber nichts mehr ändern. Der Amtsinhaber lächelt - und lässt sich von den Fotografen sogar zu einer für ihn eher untypischen Geste überreden: Daumen hoch. "Gefällt mir" heißt das in der digitalen Welt, die heute ein wenig holpert.

Martin Grötsch (FW): Trotz Niederlage doppelt glücklich

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Deshalb telefoniert das Wahlamts-Team jetzt auch lieber mit den sechs Gemeinden, aus denen es noch keine Bürgermeister-Ergebnisse gibt. Johann Siegert bringt das nicht aus der Ruhe. Kein Wunder: Es ist seine sechste Kommunalwahl. Und es wird auch seine letzte sein, sagt er. Die Ergebnisse, die bei ihm heute noch eintreffen, werden ans Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung in Fürth weitergeleitet. Wie lang das dauern wird, kann Siegert nicht sagen. Fest steht nur: Er und sein Team müssen danach noch eine Stunde da bleiben. Erst dann haben sie Feierabend.

Kommentar zur Landratswahl in Amberg-Sulzbach

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Ein Bier auf die Wiederwahl

Kurz nach 20 Uhr sind Hahnbachs Bürgermeister Bernhard Lindner und stellvertretender Landrat Hans Kummert eingetroffen. Hahnbachs Ergebnisse fehlen noch. Lindner hat sie vorsichtshalber ausgedruckt mitgebracht.

Coronavirus bleibt Thema, auch nach der Landrats-Wahl

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Wenig später liegt auch das letzte Ergebnis der Landratswahl aus Illschwang vor. Reisinger bleibt Landrat. Und freut sich jetzt doch ein bisschen. Auch wenn er sofort wieder an Corona denkt: Das wird morgen dienstlich wieder sein erstes Thema sein. Feiern will er heute nicht mehr groß. "Ich ruf mal meinen Stammtisch an, ob die noch da sind", sagt er. Ansonsten endet dieser Wahlsieg unspektakulär: "Dann trink ich daheim noch ein Bier."

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Weiden in der Oberpfalz
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