12.12.2019 - 10:27 Uhr
AmbergOberpfalz

Mike Fiedler hatte wohl nie eine Chance auf Heilung

Mike Fiedler selbst hatte diesen Prozess noch begonnen. Doch vor dem Urteil starb er an den Folgen seines Tumors im Rücken. Seine Witwe Tina führt ihn jetzt in seinem Willen fort. Sie wird vor Gericht mit traurigen Tatsachen konfrontiert.

Mike Fiedler (Mitte) beim Auftritt mit der kurz zuvor wiedervereinigten Band Striker beim Benefizkonzert für Haiti am 31. Januar 2010 im Musikomm.
von Andreas Ascherl Kontakt Profil

Es war im Verhandlungssaal I des Landgerichts beinahe wie eine Wiederholung des Zivilprozesses vom Februar. Wieder setzte sich das Gericht aus dem Vorsitzenden Markus Fillinger sowie seinen Besitzern Claudia Arlt und Jan Prokoph zusammen. Wieder kamen die beiden Gutachter vom Uniklinikum München, ein Neurochirurg und ein Neurologe, die schon im ersten Prozess ausgesagt hatten. Doch diesmal fehlte die Hauptperson. Mike Fiedler ist vier Tage vor der Urteilsverkündung des Prozesses gestorben, der klären sollte, ob der Neurologe, der ihn behandelt hat, einen Fehler machte.

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Mike Fiedler, vielen Ambergern als Sänger der Heavy-Rock-Band Striker noch ein Begriff, hatte schon 2012 erhebliche Probleme mit dem Rücken - in der Rückschau wohl wegen des Tumors, an dessen indirekten Folgen er im März gestorben ist. Es wurde ein MRT gemacht, das angeblich ohne Befund war. Wie die Gutachter, die Münchener Professoren Christian Tonn und Hans-Walter Pfister, am Mittwoch erneut aussagten, war auf dieser MRT-Aufnahme - zwar nur teilweise - der Tumor bereits zu sehen. Der Radiologe habe aber einen gegenteiligen Befund geliefert.

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Dem beklagten Neurologen stand aber nur dieser schriftliche Befund zur Verfügung, als er 2015 die Behandlung von Mike Fiedler übernahm. Er verließ sich auf ihn. Die Frage war nun, ob er aufgrund der Beschwerden von Mike Fiedler eine erneute MRT-Aufnahme veranlassen hätte müssen. Erst ein Jahr später kam ein anderer Arzt auf die Ursache der Rückenschmerzen. Mike Fiedler hat vermutet, dass er hätte länger leben können, wäre die Wahrheit bereits ein Jahr früher ans Tageslicht gekommen.

Christian Tann und Hans-Walter Pfister waren sich einig: Das hätte wohl nichts geändert. "Das Rückenmark war von Beginn an durchsetzt", erläuterte Christian Tann. Man habe also nur die Chance gehabt, den Tumor massiv zu entfernen - mit der Folge einer Querschnittslähmung. Letztendlich wurde dieser Eingriff dann 2016 vorgenommen, kurze Zeit später war Mike Fiedler querschnittsgelähmt, wie Tina Fiedler auf Nachfrage der Gutachter bestätigte.

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Der einzige Unterschied, den eine Operation im Jahr 2015 gehabt hätte, so sagten die Gutachter vor Gericht aus, wäre gewesen, dass die Folgen der Operation ein Jahr früher eingetreten wären. Denn gestorben ist Mike Fiedler letztendlich an der Querschnittslähmung. Er erlitt unter anderem eine Lungenembolie, hatte Lungenentzündungen, einen bösartigen Darmkeim, einen künstlichen Ausgang und weitere Beschwerden. "Das ist leider ein sehr typischer Verlauf für so eine Krankheit an ihrem Ende", sagte Professor Tann.

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Aber auch ein Verzicht auf die Operation, eine Bestrahlung oder Chemotherapie, hätte den Tumor nicht aufgehalten. Letztendlich sei es also ziemlich unerheblich gewesen, ob die Krankheit 2015 oder erst 2016 entdeckt worden sei, so die Gutachter. Für das Gericht ein sehr atypischer Fall, wie Richter Markus Fillinger zugab. "Die Folgen sind die gleichen wie ein Jahr später", wies er auf das Problem hin, dass in diesem Fall zwar theoretisch eine Umkehrung der Beweislast zuungunsten des beklagten Neurologen denkbar wäre - diese aber auch nichts verändern würde.

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Sein Vorschlag daher: Die Parteien einigen sich auf ein Schmerzensgeld wegen der jahrelangen Ungewissheit für Mike Fiedler, er hätte vielleicht doch gerettet werden können, wäre der Tumor früher entdeckt worden. Ihr Mann Mike habe sich gewünscht, dass durch den Prozess wenigstens die Schulden getilgt werden, die sich durch die Krankheit angehäuft haben, so sagte Tina Fiedler. "Als Neustart für die Familie nach seinem Tod." Sie verlangte 40 000 Euro, doch die Anwältin des Beklagten sah da keine Chance, diese Summe gegenüber den Versicherungen durchzubringen.

Letztendlich schlossen die beiden Parteien einen widerruflichen Vergleich. Tina Fiedler bekommt 12500 Euro, damit sind alle Ansprüche abgegolten. Bis zum 10. Januar haben die Parteien jetzt Zeit, sich das zu überlegen. Verkündungstermin ist am Mittwoch, 29. Januar, um 9 Uhr am Landgericht.

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