26.08.2021 - 17:34 Uhr
AmbergOberpfalz

Neue 3G-Regeln machen in Amberg keine Branche so richtig glücklich

3G – das steht für getestet, genesen und geimpft und ist in Amberg seit Montag dieser Woche die Eintrittskarte für viele Aktivitäten in Innenräumen. Die betroffenen Branchen sind darüber aber gar nicht so glücklich. Es gibt viel Kritik.

Wenn Ferdinand Winter (links) als Gast ins Café Kult in Amberg möchte, muss er seine 3G-Tauglichkeit beweisen. Inhaber Norbert Stöckl (rechts) und sein Team kontrollieren das.
von Thomas Kosarew Kontakt Profil

Die Lockdown-Zeiten sind vorbei, stattdessen gilt seit Montag die 3G-Corona-Verordnung. Wer nicht geimpft, genesen oder getestet ist, kann zum Beispiel nicht mehr zum Friseur gehen. Doch die Beschäftigten im Salon dürfen ohne 3G-Nachweis arbeiten – obwohl sie der Kundschaft dabei genauso nahekommen wie diese ihnen.

Männer meiden Friseurtermin

Claudia Rubenbauer, die in Kümmersbruck ansässige und auch für Amberg zuständige Obermeisterin der Friseur-Innung, ist skeptisch: „Ich denke, es wird noch einen kleinen Aufruhr geben, weil noch nicht alle registriert haben, dass wir als Personal die 3G-Pflicht so nicht haben.“ Noch seien ihr aber keine Fälle bekannt, wo das zu Problemen geführt habe. Rubenbauer berichtet aber von Kollegen aus Amberg, die unter den neuen Vorgaben leiden. Weil es Menschen gibt, die ihren Friseurbesuch nun absagen. Wohl in der Hoffnung, so um einen Test herumzukommen. Ein Salon habe bereits seine Öffnungszeiten reduziert.

Es seien vor allem Männer, die jetzt auf das Haareschneiden verzichteten. Zwar sei in der Region ein Großteil der Kollegen und des Personals geimpft, aber eben nicht alle: „Man kann seinen Mitarbeitern die Impfung empfehlen, aber nicht befehlen.“ Eine Kollegin habe eine Angestellte, die sich partout nicht impfen lassen möchte. Die Innungsobermeisterin: „Das ist ein ganz, ganz schwieriges Thema. Das muss man dann so akzeptieren.“

Handel denkt an Weihnachten

Von der 3G-Regelung ausgenommen ist der Einzelhandel. Verbindlich vorgeschrieben bleibt aber für alle, beim Einkaufen eine Maske zu tragen und Abstand zu halten. Andreas Raab, Chef der Park- und Werbegemeinschaft, findet das gut. „Das ist in Ordnung, denn viele Einzelhändler kämpfen jeden Tag ums Überleben. Dann hat die Politik mitgedacht. Ob das gesundheitspolitisch sinnvoll ist, da könnte man jetzt natürlich diskutieren.“

Raabs Blick geht schon jetzt eher in Richtung Weihnachtsmarkt. Flächendeckende, regelmäßige Tests für Fieranten und Angestellte sieht er kritisch. „Das Problem ist dann natürlich, dass wir das zahlen müssen“, weil es ab 11. Oktober bundesweit keine kostenlosen Tests mehr gibt. „Das wird für einen kleinen Fieranten, der an einem schlechten Mittwoch nicht mal 20 Euro in der Kasse hat, schon schwierig.“ Über ein Rundschreiben will Raab bereits jetzt die Impfquote der Anbieter und Angestellten erfassen und die Ungeimpften motivieren, ihren Status zu ändern: „Wir versuchen alles, um unsere Betreiber bereits im Vorfeld durchzuimpfen, um den Problemen zu entgehen.“ In der Summe gehe es um rund 100 Leute.

Kein Test für einen Cappuccino

Norbert Stöckl, Kreisvorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes und Café-Kult-Inhaber, kontrolliert mit seinen Mitarbeitern seit Montag jeden Gast, der drinnen sitzen möchte: „Das ist für uns sehr, sehr schwierig und dauert seine Zeit.“ Mittlerweile ist Stöckl dazu übergegangen, die Kunden erst am Tisch zu befragen, und nicht schon am Eingang: „Die Leute dürfen sich erst hinsetzen.“ Er muss dann die Daten kontrollieren. Wurde er aber seit dem Inkrafttreten der 3G-Regelung selbst schon daraufhin überprüft? „Nein. Das ist aber auch schwierig, das zu kontrollieren. Die müssten ja an jeden Tisch. Ich kenne noch keine Fälle, in denen kontrolliert wurde“, sagt er auch in seiner Funktion als Verbandsvertreter. Die Zahl der Gäste, bei denen es zumindest Redebedarf gibt, liege bei rund 40 Prozent.

Stöckl erzählt, dass Kult-Besucher, die keinen 3G-Nachweis dabei hatten, das Angebot, sich in einer der benachbarten Apotheken testen zu lassen, ausschlugen. Die Begründung: „Wegen einem Cappuccino lassen wir uns nicht testen.“ Wenn dann auch noch die kostenlosen Tests wegfallen, komme keiner der Ungeimpften mehr, vermutet der Gastronom. Sorgenvoll blickt Stöckl dennoch nicht in die Zukunft: „Die meisten sind schon geimpft oder genesen.“ Einen großen Kritikpunkt hat Norbert Stöckl dennoch entdeckt: „Wenn nur Geimpfte da sind, was soll dann passieren? Dann muss die Maske weg. Oder die Datenerfassung.“ Das aktuelle Prozedere sei noch ein Widerspruch in sich: „Wer 3G erfüllt, ist eigentlich frei und muss sich auch frei bewegen können.“

Dass das Personal anders als die Kundschaft keinen 3G-Nachweis benötigt, findet der Gastronom nicht schlimm. Im Gegenteil: „Da wollen wir nicht hin, dafür gibt es ja die Hygienemaßnahmen.“ Schließlich funktioniere die Gastronomie kontaktlos. Anders als bei Friseuren komme es zwischen Kunden und Personal nicht zu Berührungen. Und: „Wir kennen Hygiene und wir können Hygiene.“

Kino: 3G freiwillig für Personal

Stephan Götz, Theaterleiter im Cineplex-Kino, ist ebenfalls von der 3G-Regel betroffen. Auch er sieht in ihr einen Widerspruch. Wenn alle Kriterien erfüllt sind, warum müssen dann zwischen den Besuchern eineinhalb Meter Abstand gehalten werden? „Es würde reichen, wenn man einen Sitz freilassen müsste, aber keine 1,50 Meter. Die Reihe davor und dahinter dürfen wir ja auch nicht besetzen. Das sind schon massive Einschnitte.“ Derzeit dürfe das Kino wegen 3G nur rund 27 Prozent der Plätze vergeben: „Damit können wir leben, aber zufriedenstellend ist das nicht.“ Langfristig sei das finanziell nicht machbar. Was aber machbar ist: Wenn sich schon die Gäste an 3G halten müssen, dann muss das laut Stephan Götz auch für das 39-köpfige Team gelten. Sämtliche Mitarbeiter seien geimpft oder getestet: „Sie haben dafür Verständnis. Wir wollen ja alle einen sicheren Betrieb und nicht wieder in einen Lockdown.“

„Schnellschüsse“ im Fitnessclub

Gunnar Knittel leitet den Life-Fitnessclub an der Hansestraße. Seit die 3G-Regelung gilt, haben seinen Worten zufolge bereits einige Mitglieder angekündigt, kündigen zu wollen, weil sie Kontrollen strikt ablehnen. Wer ohne Test ins Studio will, kann das vor Ort unter Aufsicht nachholen: „Nach einer Viertelstunde darf er oder sie für diesen Tag und nur in dieses Studio rein.“ Das klinge gut, sei es aber aus unternehmerischer Sicht nicht. Pro Test 15 Minuten – da kämen nach den Erfahrungen der ersten 3G-Tage im Monat gut und gern schnell 40 Stunden zusammen: „Die bezahlt mir keiner.“ Wichtig ist Knittel, dass nun keine Zweiklassengesellschaft entsteht. Der ohnehin schon gebeutelten Branche tue die neue Regel nicht gut: „Wir haben wirklich alles getan, um wieder aufmachen zu dürfen. Jetzt bekommen wir wieder Repressalien und schauen weiter in eine ungewisse Zukunft. Für mich sind das wieder nur unkalkulierte Schnellschüsse.“

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„Wenn nur Geimpfte da sind, was soll dann passieren? Dann muss die Maske weg. Oder die Datenerfassung.“

Norbert Stöckl, Kreisvorsitzender Hotel- und Gaststättenverband Amberg-Sulzbach

 

 

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