16.04.2019 - 19:01 Uhr
AmbergOberpfalz

Auf den Spuren der Dampflokomotiven

Vom Haager Tal nach Hohenkemnath: Der zweite Teil des Wandertipps von Heimatpfleger Josef Schmaußer.

Ein seltenes Bild der Eisenbahn nördlich von Oberleinsiedl (zirka 1960): Nach örtlicher Überlieferung war hier die Bahntrasse sehr oft Wetterscheide. Ab hier in Richtung Hohenkemnath lag zum Beispiel Schnee, während in Richtung Amberg, das etwa 150 Höhenmeter tiefer liegt, der Schnee in Regen überging.
von Josef SchmaußerProfil

(schß) Die erste Etappe der Wanderung entlang der ehemaligen Lokalbahn Amberg-Lauterhofen endete an der schönen ehemaligen Eisenbahnbrücke in der Nähe des "Kuhfelsens" im Haager Tal (OWZ von Mittwoch, 13. März 2019). Schilder entlang der Bahntrasse, eine Initiative des Heimatpflegers im Jahre 2000, welche die Gemeinde Ursensollen verwirklichte, erinnern an Höhepunkte entlang des jetzigen Schweppermann-Radweges. Nur wenige wissen noch, dass es hier am Ende des 2. Weltkriegs zum Beschuss einer Lokomotive kam.

Rudolf Stöcklmeier aus Haag (Jahrgang 1928) hat den Angriff als Augenzeuge miterlebt. "Nach dem Fliegerangriff vom 20. Februar 1945 auf den Personenzug zwischen Ursensollen und der ,Hoibruck' wurde vom Amberger Bahnhof aus eine Lokomotive in Richtung des Unglückszuges geschickt. Als sich diese auf dem Haager Viadukt befand, wurde sie ebenfalls von Tieffliegern angegriffen. Der Lokomotivführer rettete sich unter die Strebepfeiler, die sogenannten ,Ohrwascheln', der Brücke."

Religiöse Volkskunst

Durch die Flurbereinigungsmaßnahme Haag und den Bau der A 6 wurden 1978/79 ab der Kreisstraße AS 27 knapp vier Kilometer der ehemaligen Trasse entfernt. Als Ersatz können Radler und Wanderer den "Totenweg" nach Rückertshof benützen. Wir wenden uns deshalb nach links und folgen dem Geh- und Radweg entlang der AS 27 in Richtung Köfering. Nach rund 300 Metern stößt man auf den Wanderweg Amberg-Habsberg (Rotpunkt). Wanderer, die sich für religiöse Volkskunst interessieren, finden, wenn sie einige Meter den aus Richtung Amberg kommenden Schotterweg zurückgehen, rechter Hand ein interessantes Baum-Bild. Das Ehepaar Hanna und Alois Weiß aus Gailoh sorgten im Sommer 1995 mit dem "Heimatkundlichen Kreis Amberg-Sulzbach" für die Erneuerung des auf ihrem Grund stehenden Baum-Bildes.

Den Anlass für seine Errichtung gab die Gewehrfabrikarbeitersgattin Violanda Lang aus Amberg. Sie fand am 2. Mai 1881 im Haager Tal unerwartet den Tod. Das auf eine Blechtafel gemalte Bild zeigt im oberen Teil die Gottesmutter als Fürsprecherin der armen Seelen, im Text darunter kann man lesen: "O Maria! Bitte für mich an Gottes Thron! Stehe still Wanderer und bete für Frau Violanda Lang ...!" Solche Gebetsaufforderungen findet man häufig auf Marterln für plötzlich und ohne Empfang der Sterbesakramente Verstorbene.

Auf dem "Totenweg"

Die Wanderer gehen nun wieder zurück und überqueren die Kreisstraße von Haag nach Köfering. Nach dem steilen Anstieg sieht man im Osten die Dächer von Köfering. Dieser Ort gehörte bis zum 16. September 1855 zur Pfarrei Hohenkemnath, erst dann wurde er nach Amberg eingepfarrt. Der Waldweg, dem man nun bis Rückertshof folgt, wird von der Bevölkerung "Totenweg" genannt. Der Name erinnert noch an die Zeit, als die Verstorbenen auf diesem Weg zum Friedhof nach Hohenkemnath gebracht wurden. Schulisch gehörte Köfering damals zu Erlheim. Erst 1855 wurden die Kinder in Kümmersbruck eingeschult.

Durch den Kiefernwald, der magere Sandböden (Kreide) anzeigt, geht es nun sanft bergauf. Nach rund 800 Metern kreuzt der alte Weg von Haag nach Erlheim den "Totenweg". Die Rotpunktmarkierung folgt dem Weg hinunter ins Erlheimer Trockental und man hört den Verkehr auf der Autobahn A 6. Aufmerksame Wanderer bemerken, dass auf dem Weg ins Tal der Schotter des entfernten Teilstückes der Eisenbahntrasse aufgetragen wurde.

Nach rund 1,5 Kilometer verlässt man den Wald und man siegt die Häuser von Rückertshof. Am Ortsrand begrüßt die Wanderer unter einem markanten Wildkirschbaum ein schmiedeeisernes Kreuz. Der Bauer Johann Rubenbauer ließ um das Jahr 1948 das ehemalige Friedhofskreuz auf einem Steinsockel an der Wegkreuzung errichten. Der Name Rückertshof lässt sich nach dem Ortsnamenbuch von Hans Frank als "bei den Höfen eines Richger" deuten. Schon 1215 wird der Ort als Richarshofen erwähnt. Das Kloster Ensdorf besaß hier ein Gut. Man geht geradewegs auf dem Feldweg weiter, durchquert das in den vergangenen Jahren schnell gewachsene Dorf und ist nach wenigen Hundert Metern an der Kreisstraße AS 15 in Oberleinsiedl.

Südlich von Haag kann man in der Flur noch zwei kurze Stücke der ehemaligen Trasse auffinden. Die ehemalige Haltestelle Unterleinsiedl lag bei Kilometer 8,5. Ein Nebengleis für Holztransporte und eine Viehrampe ergänzten die Haltestelle. Am Freitag, 30. September 1955, gegen 8 Uhr fand in Unterleinsiedl der Landmaschinenmechaniker Ludwig Bernreuter den Tod. Beim Bahnübergang in Unterleinsiedl wurde sein VW-Käfer bei dichtem Nebel von einem Triebwagen erfasst und etwa 50 Meter weit mitgeschleift. Ludwig Bernreuter wurde so schwer verletzt, dass er kurze Zeit darauf verstarb.

Typisches Trockental

In Oberleinsiedl überquert der Wanderer die AS 15 und folgt - vorbei an der Kapelle und dem Feuerwehrhaus - dem geteerten Flurbereinigungsweg nach Westen in Richtung Autobahnbrücke. Die Spuren der ehemaligen Eisenbahntrasse, die bis 1978 links des Weges verlief, sind im Gelände nicht mehr sichtbar. Nach der Unterführung der Autobahn A 6 befindet man sich im "Laut'n Tal". Dieses für die Alb typische Trockental zieht sich nach Osten bis zum Vilstal bei Theuern. Beim "Predigtstuhl" biegt der Wander- und Radweg nach Süden in Richtung Hohenkemnath ab. Der Felsturm aus Dolomit weist darauf hin, dass sich der Besucher in der Juraformation befindet. Der Name könnte auf eine ehemalige Kultstätte hindeuten.

Im "Mühlgrund", der Flur 200 Meter südlich von Hohenkemnath, soll nach örtlicher Überlieferung in früheren Zeiten eine Mühle gestanden haben. Nachdem der Bach, der sie angetrieben hatte, versiegt war, verlegten sie die Hofmarksherren von Hohenkemnath an den Ammerbach. Die Kemnather Mühle bei Ammerthal soll danach die Mahlarbeiten übernommen haben. In Hohenkemnath stößt der Wanderer, nachdem er am nördlichen Ortsrand das historische Transformatorhäuschen von 1922/23 passiert hat, wieder auf die Trasse der ehemaligen Lokalbahn.

Das Transformatorenhaus wurde im Sommer 2015 zu einem Artenschutzturm umgebaut. Für die rund sieben Kilometer lange Strecke sind rund eineinhalb Stunden einzuplanen. Einkehrmöglichkeiten gibt es in Leinsiedl (Gasthaus B. Michl, Ruhetage Montag/Dienstag ) und in Hohenkemnath ("Pizzeria Willi", Ruhetag Dienstag).

Das im Sommer 1995 neu erstellte Baumbild im Haager Tal erinnert an einen plötzlichen Sterbefall.
Der „Predigtstuhl“ im „Laut’n- tal“, ein prägnanter Felsturm aus Dolomit.
Der Artenschutzturm nördlich von Hohenkemnath: 16 Jugendliche aus neun Ländern halfen im August 2015 drei Wochen lang im Rahmen eines Workcamps das Projekt umzusetzen.

Der erste Teil des Wandertipps:

Amberg

Der dritte Teil des Wandertipps:

Ursensollen

Der vierte Teil des Wandertipps:

Ursensollen

Der fünfte Teil des Wandertipps:

Kastl im Landkreis Amberg-Sulzbach
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.