14.05.2019 - 15:42 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Auf den Spuren der Dampflokomotiven

Von Deinshof nach Kastl: Der vierte Teil des Wandertipps von Heimatpfleger Josef Schmaußer.

Eisenbahnromantik pur: Diese Aufnahme zeigt einen Zug vor dem Gasthaus Lauterach auf dem Weg nach Ursensollen.
von Josef SchmaußerProfil

(schß) Wir beendeten die 3. Etappe der Wanderung entlang der ehemaligen Lokalbahn Amberg-Lauterhofen (OWZ vom 2. Mai 2019) bei Deinshof. Der Ort entstand aus einem ehemaligen Lehenshof des Klosters Kastl. Die Rundummauerung und ein Torschutz im Anwesen König sind heute noch erkennbar. Hier geht es auf die vierte Etappe der Tour.

Viele Wanderer, Radfahrer und Skilangläufer bedauern, dass ab dem Kilometerstein 16 der Geh- und Radweg die Originaltrasse verlässt, die bis hierher zum Geh- und Radweg ausgebaut und im Juni 1996 eröffnet wurde. Nach dem Deinshofer Viadukt hat der Wanderer und Radfahrer drei Alternativen, um Kastl zu erreichen. Er kann der offiziellen Streckenführung des "Schweppermannradwegs" (Nr. 7) folgen, die B 299 überqueren und dann über das Haintal nach Kastl gelangen. Eine zweite Möglichkeit, von Deinshof aus Kastl zu erreichen, ist der Weg über Gaishof. Entlang des Waldes südlich von Deinshof erreicht man die Talsohle. Der Bahndamm bleibt links liegen. Man kann den Feldweg hinauf nach Gaishof einschlagen und erreicht über die Serpentinen der B 299 den Markt Kastl.

Auf der Originaltrasse

Die OWZ-Wanderung bleibt auf der Originaltrasse, die in den vergangenen Jahren von Gestrüpp und querliegenden Bäumen befreit wurde, und steuert auf das romantische Gasthaus "Lauterach" im Lauterachtal zu. Für Fahrer von robusten Rädern und Mountainbikes ist diese Route ebenfalls geeignet.

Die rund 2,5 Kilometer bis ins Lauterachtal gehören zum landschaftlich schönsten und ursprünglichsten Streckenabschnitt. Leider wurden in den vergangenen Jahren viele prägende Viadukte abgebaut, damit Landwirte ihre Waldstücke bequemer erreichen können. Dadurch verlor dieser einst wunderbare Streckenabschnitt viel von seinem Reiz. Man muss aber auch wissen, dass die Grundstücksbesitzer die Wanderer und Radfahrer auf ihren Privatwegen dulden.

Langsam fällt die Strecke nun ins Lauterachtal ab. Auf dem Rückweg mussten die Lokomotiven vom Haltepunkt Lauterach (420 Meter) bis zum Haltepunkt Deinshof (zirka 480 Meter) auf die kurze Strecke einen relativ großen Höhenunterschied überwinden. Die herrliche Juralandschaft bezaubert jeden Naturfreund. Die Felsen rücken teilweise sehr nah an die Trasse heran, so waren beim Bau der Strecke einst viele Sprengungen notwendig. An manchen Felsen sieht man noch Spuren der Sprenglöcher.

Schrecklicher Unfall

Kurz vor dem Lauterachtal findet sich rechter Hand in einer Schonung ein gusseisernes Kreuz. Es erinnert an einen tragischen Unfall beim Bau der Strecke. Die "Amberger Volkszeitung" berichtete in ihrer Ausgabe vom 11. März 1903: "Gestern ereignete sich beim Sprengen eines Felsens ein großes Unglück. Der Aufseher Wolfgang Bachfischer aus Diestelwies (Burglengenfeld) wurde von einem losgehenden Sprengschuss getötet. Es waren Löcher in die Felsen gebohrt worden, die Sprengung war angebracht und mit der Zündschnur versehen. Alle Arbeiter gingen in Deckung. Schon krachte die 1. Ladung, dann die 2. Ladung. Aber nun blieb es still. Was war mit der 3. Ladung? In dem Augenblicke, wo der Unglückliche nachsehen wollte, ging der Schuss los, schleuderte ihn hoch in die Luft, aus welcher er als Leiche niederfiel. Der Verunglückte hinterlässt eine Witwe mit fünf Kindern, deren jüngstes vor 14 Tagen getauft wurde. Der Unglückliche wird als braver Mann geschildert und mitsamt seiner Familie allgemein bedauert." Am 13. April 1903 war in der Zeitung zu lesen: "Der Prinzregent Luitpold hat der Witwe Bachfischer, deren Mann am 10. März 1903 bei der Sprengung eines Felsens getötet wurde, eine Liebesgabe von 50 RM als Unterstützung zukommen lassen."

Die Wanderer sehen nun schon das im Jahr 1904 in romantischer Lage erbaute Gasthaus "Lauterach". Das Wirtshaus mit dem besonderen Flair wurde bis vor zehn Jahren von den Schwestern Monika und Rosa Weiß bewirtschaftet.

In einem Sonderband der heimatkundlichen Schriftenreihe "Der Eisengau - Geschichte und Geschichten aus dem Naturpark Hirschwald" (Band 45/2016) widmet sich ein emotionaler Beitrag der letzten Wirtin und des Gasthauses. Am 2. März 2017 verstarb auch Monika Weiß. Ein Besuch in diesem gastfreundlichen Haus war immer ein Erlebnis.

Oberhalb des Gasthauses sehen die Wanderer die im Jahre 1910 erbaute, ehemalige Dr.-Köberlein-Villa, die 1957 zum "Cafe Jagdhaus" umgebaut wurde. 1963 kaufte die Familie Weiß das Anwesen, baute es zu Ferienwohnungen um. Nun wird es von Verwandten genutzt. Nach einer Einkehr in Lauterach sind es nur noch zwei Kilometer bis zum Markt Kastl. Der Bahnhof Kastl lag bei Kilometer 21,4. Stolz grüßt die fast 1000-jährige Klosterburg ins Tal. Der Kastler Bahnhof, lange Zeit in sehr marodem Zustand, wurde restauriert. Mit einem Café ist neues Leben eingekehrt.

Herrliche Landschaft

Das Teilstück von der Ortschaft Deinshof bis Kastl ist nur rund 5,5 Kilometer lang. Man sollte sich aber Zeit zum Entdecken der Schönheiten des herrlichen Oberpfälzer Juras und Zeit für eine Einkehr in Kastl nehmen. Mit dem Bus kann man nach Deinshof zurückfahren. Radfahrern ist für die Rückfahrt die Strecke durch das Haintal zu empfehlen. Einkehrmöglichkeiten gibt es in Kastl (zum Beispiel im "Forsthof", Ruder-Reindl; Ruhetag am Dienstag).

Blick in die Vergangenheit: Das schöne Viadukt beim einstigen Kilometer 17 musste einem schnöden Durchlass weichen.
Ansichtskarten sind heute schon wichtige Geschichtsquellen. Wer erinnert sich noch daran, als am Kastler Bahnhof Lokomotiven dampften?
Wanderer, Radfahrer und Skilangläufer verbrachten unvergessliche Stunden im schönen Café „Lauterach“.
Der Kilometer-Stein 18 erinnert noch an die schöne Lokalbahnzeit.
Auch diese Unterführung kurz vor Lauterach gibt es nicht mehr. Immer mehr Relikte, die an die Lokalbahnzeit erinnern, müssen weichen.

Teil 1 des Wandertipps:

Amberg

Teil 2 des Wandertipps:

Amberg

Teil 3 des Wandertipps:

Ursensollen

Teil 5 des Wandertipps:

Kastl im Landkreis Amberg-Sulzbach

Aktuell und Wissenswert

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