29.04.2019 - 17:16 Uhr
UrsensollenOberpfalz

Auf den Spuren der Dampflokomotiven

Von Hohenkemnath nach Deinshof: Der dritte Teil des Wandertipps von Heimatpfleger Josef Schmaußer.

Der frühere Bahnhofsvorsteher und Bürgermeister von Ursensollen, Franz Xaver Feigl (links), stellt sich mit seiner Familie und einem Streckengeher stolz dem Fotografen.
von Josef SchmaußerProfil

(schß) Die zweite Etappe der Wanderung entlang der ehemaligen Lokalbahn Amberg-Lauterhofen (OWZ von Mittwoch, 17. April) endete in Hohenkemnath. Wir finden hier wieder ein Stück Originaltrasse vor, das zum Geh- und Radweg ausgebaut und im Juni 1996 eröffnet wurde. Nach wenigen Metern steigt die Strecke leicht an. Für den Wanderer, Radfahrer oder Skilangläufer eine leichte Übung, doch für die Dampfloks stellte der Streckenabschnitt "Wirtsleite" besonders im Winter ein großes Problem dar.

Zwischen der Haltestelle Hohenkemnath (480 Meter) und dem Bahnhof Ursensollen (527 Meter ) stieg die Strecke auf 1,140 Kilometer nochmals um 47 Höhenmeter an. Die Lokomotiven "quälten sich", besonders bei Eis und Schnee, oft die Steigung hinauf. So "unterstützten" die Einheimischen mit lautmalerischen Sprüchen die Loks. So reimten zum Beispiel die Hohenkemnather, wenn sich die Dampfloks die Steigung bei der "Wirtsleite" hinaufquälten: "Ochsnsullna Lumpnbande, mirkts denn niert wej schwaar des gehjt!" Hatte der Zug dann das flachere Stück kurz vor dem Bahnhof in Ursensollen erreicht, klang es so: "Wird schou besser, wird schou besser..!"

Schöner Fernblick

Kurz vor dem noch erhaltenen Kilometerstein 11 schaut der Wanderer zurück und ist begeistert von dem Rundblick: im Norden der Annaberg, in der Ferne das Fichtelgebirge, im Nordosten der schöne Blick auf Amberg, dahinter der Buchberg mit dem Rotbühlsender und im Osten kann man den Oberpfälzer Wald und bei klarem Wetter sogar den Cerchov (dt: Schwarzkopf) in Tschechien sehen. Rechter Hand fällt der Blick auf das von Nordwesten noch sehr dörflich wirkende Hohenkemnath mit seinem markanten Zwiebelturm. Leider muss man kurz vor dem Bahnhof Ursensollen einen Umweg über das Gewerbegebiet der Gemeinde machen. So kommt man nicht direkt am ehemaligen Bahnhof Ursensollen vorbei. Ein Ziel bleibt, dass der Radweg einmal auf der alten Trasse weitergeführt wird.

Der Bahnhof Ursensollen lag bei Kilometer 11,470 und stellte mit 527 Metern über dem Meeresspiegel den höchsten Punkt der gesamten Strecke dar. Im Dezember 1904 wurde der Plan genehmigt und bald mit seinem Bau begonnen. Im Jahre 1905 war der für die damalige Eisenbahnzeit typische Backsteinbau schon fertiggestellt. Bereits 1962, nach der Einstellung des Personenverkehrs, wurden Teile der Gebäude von der Kolpingsfamilie Ursen-sollen genutzt. Mit viel Idealismus und unzähligen Arbeitsstunden wurden bis 1992 weitere Teile der im Besitz der Gemeinde Ursensollen befindlichen Gebäude renoviert. Die historische Außenfassade des 1905 in Dienst genommenen Bahnhofs blieb dabei erhalten.

Nach den alten Lagerhausgebäuden von 1920 fällt kurz vor der Überquerung der Kreisstraße AS 4 eine schöne Stele auf. Am 9. Mai 2015 wurde das von der Künstlerin Lucia Torge aus Schrobenhausen gestaltete Erinnerungsstück an die nur 69 Jahre währende Geschichte der Lokalbahn Amberg-Lauterhofen zusammen mit dem neu gestalteten Bahnhofsumfeld eingeweiht. Ab hier fällt die Strecke in Richtung "Kellerhäusl" ab. Bis vor wenigen Jahren bildete die mit viel Grün eingesäumte Bahntrasse eine harmonische, südliche Ortsbegrenzung von Ursensollen. Der starke Zuzug bedingte eine Erweiterung der Bauflächen bis in die Senke "Auf der Lüß".

Ehemaliger Bierkeller

Kurz vor der Kläranlage fällt ein markanter Geländeeinschnitt auf. In der Nähe befindet sich das "Kellerhäusl", ein ehemaliger Bierkeller. Nur noch wenige wissen, dass es von 1856 bis 1920 in Ursensollen eine Brauerei gab. Im Sommer 2018 wurde bei einem Workcamp mit 15 Jugendlichen aus acht Nationen unter Federführung des Amtes für ländliche Entwicklung der ehemalige Bräukeller in ein artgerechtes Zuhause für Fledermäuse umgestaltet.

Die von Kastl kommenden Lokomotiven hatten oft große Schwierigkeiten, die Steigung zum Bahnhof hinauf zu bewältigen. Die herrliche Juralandschaft, die sich nun öffnet, erfreut jeden Naturfreund. Kurz vor dem Wald erinnert ein Kreuz an die Opfer des Tieffliegerangriffs am 20. Februar 1945. Der Zug fuhr auf freier Strecke in Richtung "Hoibrücke", als der Lokführer die Tiefflieger bemerkte. Mit Volldampf und schon unter Beschuss erreichte der Zug noch den Waldrand. Viele Passagiere versuchten in den Wald zu flüchten, das war für die meisten das Todesurteil. Nach offiziellen Angaben kamen mindestens 14 Personen ums Leben.

Imposante Brücke

Das imposanteste Bauwerk der gesamten ehemaligen Eisenbahnstrecke ist sicher die fünfbögige "Hoibrücke", ein Meisterwerk der damaligen Eisenbahnbaukunst. Sie wurde vorwiegend von italienischen und kroatischen Bauarbeitern errichtet. Die Brücke ist 82 Meter lang, 3,70 Meter breit, 18 Meter hoch und hat vier Pfeiler aus heimischem Gestein. Die renovierte Brücke ist sicher die Perle des "Schweppermann-Radweges". Nur noch wenige Heimatinteressierte wissen, dass einst der Hausner Bach zwischen Wirsfeld und Wolfsfeld entsprang und im Allmannsfelder Tal eine Mühle, die Hitzelmühle, antrieb, die im 30-Jährigen Krieg von den Schweden zerstört wurde. Wie bei vielen anderen Bächen im Karstgebiet veränderte das Sinken des Karstwasserspiegels den Quellaustritt. Der Hausner Bach entspringt nun kurz vor Hausen. Nur nach starken Regenfällen und bei der Schneeschmelze kehrt der Bach in sein altes Bett zurück.

Nach der imponierenden "Hoibrücke" führt die ehemalige Trasse durch ein ruhiges Waldgebiet leicht bergauf. Nach 1,5 Kilometern ist die ehemalige Haltestelle Deinshof, die vor dem Kilometerstein 16 lag, erreicht. Auch die Bewohner der Orte Richt, Guttenberg und Giggelsberg stiegen hier zu. Eine Bank lädt nun wieder zu einer kurzen Rast ein. Leider kann man nun nicht mehr auf der Originaltrasse weiterwandern oder -fahren. Der Weg wurde ins Tal geführt und man erreicht über Schotterwege die Ortschaft Deinshof, kurz vor der B 299 nach Kastl. Ein großes Ziel sollte es bleiben, dass durch Verhandlungen erreicht wird, dass wenigstens die Teilstrecke über das Deinshofer Viadukt weitergeführt wird.

Die Trassenreste wurden von der Marktgemeinde Kastl an Bauern veräußert. Zudem schrecken momentan die Kosten einer Renovierung des Viadukts die Verantwortlichen. Ein Wunsch ist es, den Geh- und Radweg auf der Originaltrasse bis Lauterach weiterzuführen. Gerade dieser Teil ist landschaftlich überaus reizvoll und würde das Radwegenetz des Landkreises Amberg-Sulzbach auch überregional aufwerten. In den vergangenen Jahren wurden viele prägende Viadukte abgebaut, damit Landwirte ihre Waldstücke bequemer erreichen können.

Für das rund 7,5 Kilometer lange Teilstück von Hohenkemnath bis zur Ortschaft Deinshof benötigt der Wanderer rund eineinhalb Stunden. Dabei ist Rucksackverpflegung angesagt oder man kehrt auf der Rückfahrt in Ursensollen (Gasthof Reif, kein Ruhetag, Montag und Donnerstag am Nachmittag geschlossen) oder in Kastl (Forsthof, Ruder-Reindl, Ruhetag am Dienstag) ein.

Ein Meisterwerk der damaligen Eisenbahn-Ingenieurskunst bildet die 18 Meter hohe „Hoibrücke“.
Die „Wirtsleite“ zwischen Hohenkemnath und Ursensollen stellte einst die Dampfloks vor große Herausforderungen.
Viele kleine, von der Bildhauerin Lucia Torge gestaltete Figuren, erinnern an das frühere Leben rund um die Eisenbahn.
An die Lokalbahnzeit erinnern nicht nur positive Erlebnisse. Bedrückend das Bild von Christl Fruth, der auf den Zug wartet, der ihn zur Front bringen wird.

Der erste Teil des Wandertipps:

Amberg

Der zweite Teil des Wandertipps:

Amberg

Der vierte Teil des Wandertipps:

Ursensollen

Der fünfte Teil des Wandertipps:

Kastl im Landkreis Amberg-Sulzbach

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