22.09.2021 - 17:35 Uhr
AmbergOberpfalz

Susanne Witt (ÖDP) will in den Bundestag: "Ich muss was tun"

Die Redaktion will den Menschen kennenlernen. Susanne Witt, Bundestags-Direktkandidatin der ÖDP aus Amberg, will lieber über Politik reden. Sie verknüpft beides: Das Interview beim Walken führt direkt zu einem Windrad im Wald.

ÖDP-Kandidatin Susanne Witt plaudert bei einer Runde Nordic Walking über sich und ihre politischen Themen. Nicht ganz zufällig führt die Strecke , die sie ausgesucht hat, direkt zu einem großen Windrad - eines ihrer Herzensanliegen im Zusammenhang mit der Energiewende.
von Heike Unger Kontakt Profil

Eine Tochter ist schon aus dem Haus, die zweite wird es auch bald sein, sie hat gerade ihr Abitur gemacht. Susanne Witt lacht: Dass sie jetzt als Mutter etwas weniger gebraucht wird, ist nicht der Grund dafür, dass sie für die ÖDP als Direktkandidatin in den Bundestag will. "Ich kann mich nicht nur hinstellen und schimpfen – ich muss auch was tun", sagt die Ambergerin über ihre Motivation für diese Kandidatur. Dass das nicht nur so dahin gesagt ist, wird deutlich, wenn es um die Themen geht, die sie besonders umtreiben: Klimawandel und Energiewende. Hier müsse dringend etwas getan werden, fordert sie.

Die Redaktion wollte sie über ein Hobby näher kennenlernen – Susanne Witt hat daraufhin zu einer Runde Nordic Walking eingeladen. In Wolfsfeld (Kastl). Eigentlich ist sie sonst in Amberg mit den Stöcken unterwegs. Nicht exzessiv, aber doch in gewisser Regelmäßigkeit. Natürlich gibt es einen Grund, warum sie heute den Weg durch den Wald bei Wolfsfeld ausgesucht hat. Obwohl es sie nervt, dass die Medien sich alle für die Person hinter der Kandidatin interessieren: "Es geht schließlich um was", sie will lieber über Inhalte sprechen. Tut sie auch, beim Nordic-Walking-Interview. Es führt ein Stück durch den Wald. Der, betont Witt, "ist ein ganz wichtiges Thema", denn "große Waldstücke wirken wie eine große Klimaanlage" – und zwar nicht nur am Amazonas, "auch in der Oberpfalz". Doch der Klimawandel gefährde den Wald: Höchste Zeit, "jetzt endlich" etwas dagegen zu tun.

Energiewende ist lösbar

Was, das zeigt sich hinter der nächsten Weg-Biegung, wo zwischen den Baumwipfeln plötzlich die großen Rotorblätter eines Windrades sichtbar werden. Jetzt wird klar, warum Witt diesen Weg gewählt hat – er führt direkt zu einem Hauptthema ihrer politischen Agenda, der Windenergie. "Wir brauchen bis zum Jahr 2030 Klimaneutralität", sagt Susanne Witt, als sie auf das Windrad zumarschiert: "Das bedeutet, dass wir unseren Strombedarf komplett aus erneuerbaren Energien bestreiten. Und das ist möglich. Wir brauchen dazu nur zwei Prozent der Grundfläche von Deutschland für Windräder und zwei Prozent für Photovoltaik." Das, fügt sie gleich mit Nachdruck hinzu, "ist nicht unlösbar. Und wir sind die einzige Öko-Partei, die das jetzt noch so klar sagt. Die Grünen sind eingeknickt."

Erneuerbare Energien seien "so eine einfache Lösung", meint die Ambergerin, um dann in der restlichen Walking-Runde noch eine ganze Reihe weiterer Themen anzuschneiden, die ihr wichtig sind: Photovoltaik auf möglichst vielen Dächern und (geeigneten) Feriflächen, zukunftsfähiges Bauen und Wohnen, die Verkehrswende, Ausbau von günstigem öffentlichem Personennahverkehr und Bahn mit Elektrifizierung. Und Frauen. "Es müssen einfach mehr Frauen Ämter übernehmen", betont sie – nicht nur in der Politik. "Deshalb geht es nicht ohne Quote." Witt ärgert sich, wenn sie an Frauen denkt wie jene, der sie neulich am Infostand einen ÖDP-Flyer angeboten hat. "Ihr Mann reagierte brüsk, dann hat die Frau den Flyer nicht genommen." Was sie richtig auf die Palme bringt? "Inkompetenz im Amt." Dabei nennt sie die Namen zweier Minister, Andreas Scheuer und Julia Klöckner. Und ihre eigene Stärke? "Ich kann gut organisieren." Und Witt kämpft auch gern. Politisch. Am Vorabend war sie beim Bauernverband. "Das war eine Herausforderung", sagt sie und lacht dabei kämpferisch: Solche Herausforderungen liebt sie und stellt sich gern der Diskussion. Gestern auch – bis ihr Gegenüber lieber das Thema gewechselt hat.

Übers Volksbegehren zur Politik

Susanne Witt ist Wahl-Ambergerin. "Ich bin ein Soldatenkind." Sie stammt aus Bad Kötzting, die Familie zog nach Amberg, als sie 13 Jahre alt war, weil der Vater in der Kaiser-Wilhelm-Kaserne stationiert wurde. Die Stadt habe ihr gleich gefallen, erinnert sich Susanne Witt – auch wenn die anfangs große Begeisterung darüber, dass es hier sogar einen Kaufhof gab, schnell der Ernüchterung darüber wich, dass der gar kein zweites Stockwerk hatte. In die Kommunalpolitik kam die heute verheiratete Mutter zweier Töchter und studierte Diplom-Volkswirtin über das Volksbegehren zum Nichtraucherschutz. Das war vor elf Jahren. Sie hat Unterschriften gesammelt, bei Infoständen mitgeholfen. "Da hab ich gemerkt, wie viel Spaß mir Wahlkampf macht." Die Themen der ÖDP waren es, die sie zu dieser Partei brachten. Andere wären nicht in Frage gekommen.

Kurz landet das Walking-Gespräch im Wald noch einmal bei der 13-jährigen Susanne. "Damals war ja die Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf ein großes Thema." Ein Erlebnis hat sich ihr eingeprägt: Als ihr Vater und ihre Mutter die Kinder ins Auto packten, um die Oma in Furth im Wald zu besuchen. Unterwegs wurde "meine harmlose Familie dann angehalten und gefilzt", berichtet Witt, immer noch fassungslos, auch nach der langen Zeit. "Mein Soldaten-Papa. Gefilzt", sagt sie kopfschüttelnd. "Das finde ich heute noch befremdlich, was da passiert ist. All die Lügen, die uns erzählt wurden..." Klar hat sie auch gegen die WAA demonstriert. Und vielleicht hat ja diese Geschichte auch ein bisschen dazu beigetragen, dass sie in die Politik gegangen ist.

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Amberg
Hintergrund:

Zur Person: Susanne Witt (ÖDP)

  • Susanne Witt stammt aus Bad Kötzting, lebt schon lang in Amberg, ist verheiratet und hat zwei Töchter.
  • Sie ist Diplom-Volkswirtin, hat viele Jahre als Personalreferentin in großen Firmen in München und Nürnberg gearbeitet.
  • In den vergangenen Jahren war sie viel ehrenamtlich aktiv: vier Jahre ehrenamtliche Richterin am Sozialgericht in Regensburg, neun Jahre Elternbeiratsvorsitzende in Kindergarten und Schule. „In meinem Viertel leben so viele sozial benachteiligte Kinder, daher wollte ich die Ausstattung von Kindergarten und Grundschule wenigstens in Ansätzen verbessern.“
  • Seit ungefähr zehn Jahren arbeitet sie bei den CVJM-Märkten mit.

 

 

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