13.02.2020 - 14:45 Uhr
AmbergOberpfalz

Zwischenzeugnis: Bei schlechten Noten erstmal Ruhe bewahren

Eine Fünf in Mathe, eine Vier in Chemie und in Englisch war die letzte Schulaufgabe auch nicht so prickelnd. Die Schulnoten und auch die Stimmung der Eltern sehen dann nicht mehr rosig aus. Doch wie geht man mit schlechten Noten richtig um?

Oh je! Dieses Zwischenzeugnis scheint wohl nicht so gut ausgefallen zu sein. Für Eltern ist es in derartigen Fallen wichtig, ruhig zu bleiben.
von Michelle BalzerProfil

Die Hälfte des Schuljahres ist geschafft, das Zwischenzeugnis liegt auf dem Tisch. Dabei kommt es oft vor, dass die eine oder andere Note nicht den Vorstellungen der Schüler entspricht - und auch nicht denen der Eltern.

Doch ein schlechtes Zwischenzeugnis ist laut Tanja Fahrnholz, der Kreisvorsitzenden des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), kein Grund, in Panik zu geraten. Sie sagt: "Schlechte Noten haben meist plausible Ursachen. Im Unterricht wird oft nicht aufgepasst und nicht mitgearbeitet. Zu Hause wird wenig bis gar nichts gelernt. Da lässt sich leicht erklären, von wo die Noten kommen." Auch Unwohlsein, Prüfungsangst oder angespannte Situationen in Familie oder Freundeskreis können schlechte Noten zur Folge haben.

"Auf keinen Fall schimpfen"

Peter Danninger, Rektor der Krötensee-Mittelschule in Sulzbach-Rosenberg, spricht außerdem von strukturellen Probleme: "Der Ablauf, sich hinzusetzen, zu lernen und sich mit dem Thema zu befassen, gehört für viele Kinder einfach nicht zum Lernprozess." Stehen die schlechten Noten auch im Zwischenzeugnis, ist es laut Fahrnholz wichtig, "auf keinen Fall zu schimpfen, denn niemand hat mit Absicht schlechte Noten." Sonst kann es laut Danninger passieren, dass sich die Kinder abgrenzen und auf stumm schalten. Ulrich Lommer, Beratungslehrer am Herzog-Christian-August-Gymnasium in Sulzbach-Rosenberg, fügt hinzu: "Die Wut der Eltern verstärkt die Ängste der Schüler nur noch mehr. Und genau das gilt es zu vermeiden. Vielleicht hilft es, eine Nacht drüber zu schlafen und sich alles in Ruhe durch den Kopf gehen zu lassen." Die Noten, die auf dem Zeugnis zu sehen sind, sollten dabei aber nie über der Persönlichkeit des Schülers stehen, rät Danninger. Es sollten sich Gedanken über die Stärken des Kindes gemacht. Und die sollten dann entsprechend gefördert werden. Nur so könnten Eltern ihr Kind in dem unterstützen, was es gut kann. Daraus schöpften Kinder neues Selbstbewusstsein, das sie möglicherweise durch die schlechten Noten in der Vergangenheit verloren haben.

"Wenn Kinder nur Negatives hören und ständig an ihnen rumgenörgelt wird, dann haben die natürlich auch irgendwann keine Lust und keine Motivation", ist sich Danninger sicher. Lommer vergleicht die Bedeutung des Zwischenzeugnisses mit der Pause im Fußball: "Steht es beim Fußball in der Halbzeit 1:3, ist noch alles offen. Es ist vorerst nur ein Zwischenstand. Auch das Zwischenzeugnis sollte so gesehen werden. In der zweiten Hälfte des Schuljahres strengt man sich wieder mehr an und dann kann das Blatt auf jeden Fall noch gewendet werden." Schlechten Noten seien aber ein Warnsignal, auf das reagiert werden müsse. Dafür haben die Schüler bis Sommer Zeit.

In Abschlussklassen anders

Etwas anders sieht es jedoch bei den Zwischenzeugnissen der 9. und 10. Klassen an Real- und Mittelschulen aus: "Da geht es langsam um die berufliche Orientierung und um die Zukunftslaufbahn. Häufig wird für die Bewerbung das letzte Zeugnis verlangt, was auch mal das Zwischenzeugnis sein kann. Und dann ist das ganz plötzlich die Eintrittskarte in das Berufsleben", weiß Peter Danninger. Laut Matthias Schall, dem Leiter der Amberger Schönwerth-Realschule, sollten Eltern in jeder Klassenstufe, aber in der 9. und 10. Klasse besonders gut, über die Noten informiert sein. Böse Überraschungen dürften in den Zeugnissen gar nicht auftauchen.

Mit Lehrern reden

Auch Danninger ist die Transparenz der Leistungen ein Anliegen: "Es ist nicht nur die Sache der Kinder, sondern auch die der Eltern. Durch Gespräche mit Lehrern erfahren sie mehr über die Angebote an der Schule und auch über die erbrachten Leistungen. Dadurch können sie ihren Kindern deutlich vermitteln, dass sie ihnen helfen wollen und für sie da sind." Aus gymnasialer Sicht betrachtet ist laut Ulrich Lommer an einem Tief der Noten in der 5. Klasse nichts besonders: "Die Schüler müssen sich an die neue Schulform gewöhnen. Die Klassenräume werden gewechselt, es gibt immer wieder neue Lehrer, die Kinder müssen selbstständig und kontinuierlich lernen. Hat man sich daran gewöhnt, kommen sicher auch die besseren Noten wieder zurück." Vor einem ersten Tief sollten sich Eltern und Kinder zunächst nicht abschrecken lassen. Sobald sich jedoch über längere Zeit klare Problemfächer erkennen ließen, sei es wichtig, mit dem zuständigen Lehrer Rücksprache zu halten.

Laut Tanja Fahrnholz vom BLLV lassen sich viele Probleme durch aufmerksame Mitarbeit im Unterricht lösen: "Zusätzlich werden an jeder Schule verschiedene Hilfsangebote bereitgestellt. Beratungslehrer, Förderlehrer, der Klassenleiter oder sonderpädagogische Dienste stehen den Schülern und Eltern immer mit Rat und Tat zur Seite."

Viele Schulen bieten auch Tutorensysteme an, bei denen sich die Kinder und Jugendlichen gegenseitig helfen können. "Sehr gute Schüler dürfen dabei anderen Schülern Nachhilfe geben. Der Raum und die Unterrichtsmaterialien werden zur Verfügung gestellt. Häufig ist es ja dann doch so, dass sich Gleichaltrige ein wenig besser verstehen und dann auch Dinge durch die Schülersprache besser erklären können", weiß Peter Danninger zu berichten.

Schulinterne Hilfen können laut Tanja Fahrnholz, die an der Luitpold-Mittelschule in Amberg unterrichtet, oft mehr bewirken als Nachhilfeunternehmen: "Prinzipiell wäre es besser, wenn zunächst in der Schule gefragt wird, welche Fördermöglichkeiten es gibt, und wenn man diese dann auch wahrnimmt."

Matthias Schall ist der Ansicht, dass bei alternativen Nachhilfeunternehmen nicht pauschal gesagt werden kann, inwieweit oder ob sie den Schülern weiterhelfen können: "Da kommt es auf ganz verschiedene Faktoren an. Wer gibt die Nachhilfe? Wo findet das statt? Wird der Fokus auf die Schüler gelegt oder geht es da nur ums Geld? Wie passen sich die Lerninhalte auf den Lehrplan der Schule an?"

Alternativen zur Nachhilfe

Ulrich Lommer betont, dass dauerhafte Nachhilfe über Jahre hinweg keine sinnvolle Lösung sei. In diesem Fall müsste man sich auch über einen Schulwechsel Gedanken machen. "Wenn die Noten auf Dauer schlecht sind und man nur mit viel Nachhilfe immer knapp in die nächste Stufe kommt, sollte auf jeden Fall die Schullaufbahn geprüft werden", empfiehlt Lommer. Bevor das passiert, sollten aber zunächst alle anderen Optionen in Erwägung gezogen werden, wie eine Veränderung des Lernverhaltens oder das Füllen von bestehenden Lücken.

Hilfe auch annehmen

Letztlich betont Matthias Schall "dass die Schulen ihr Bestmöglichstes tun, um den Schülern und Eltern bei Problemen unter die Arme zu greifen." Niemand werde mit Problemen oder schlechten Noten im Stich gelassen. Man müsse sich melden und bereit sein, die Hilfe auch anzunehmen. Aber: "Gezwungen werden, kann dabei keiner."

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