01.10.2021 - 11:26 Uhr
FreudenbergOberpfalz

Auf der Baustelle zur Wasserversorgung von Freudenberg und warum eine Vollsperrung nötig ist

Eine elf Kilometer lange, blaue Ringleitung wird derzeit um Freudenberg verlegt. Mit ihr soll die Wasserversorgung der Zukunft in der Gemeinde gesichert sein. Das erfordert zum Teil komplette Straßensperrungen - die gefallen nicht jedem.

Mit dem Meterstab auf der Baustelle zwischen Paulsdorf und Amberg: Bauingenieur Reinhard Standecker zeigt an, wie wenig Platz bleibt, wenn ein Bagger auf der Staatsstraße 2040 im Graben arbeitet. Deshalb sei die Vollsperrung einer Straße manchmal unumgänglich.
von Andrea Mußemann Kontakt Profil

Beziehungsstatus von Verkehrsteilnehmern und Baustellen? Es ist kompliziert. In der Gemeinde Freudenberg (Landkreis Amberg-Sulzbach) ist derzeit ein insgesamt 5,5 Millionen Euro teueres Großprojekt mitten in der Umsetzung: Die Wasserversorgung der Bürger in der Gemeinde wird komplett überarbeitet. Es werden neue Leitungen verlegt und ein neuer Brunnen gemeinsam mit den Stadtwerken Amberg gebaut. Fünf verschiedene Pumpwerke sorgen künftig für den richtigen Druck aus der heimischen Wasserleitung. Ein Teil der neuen blauen Rohre warten schon im Graben auf ihren Einsatz. Zwischen Paulsdorf und Lintach beispielsweise liegen die langen Hohlkörper schon im Boden. Doch die Bauarbeiten zwischen Paulsdorf und Amberg haben so manchen Beteiligten aber richtig viele Nerven gekostet.

Die Straße war seit 23. August komplett für den Verkehr gesperrt. Bei der Gemeinde gingen deshalb viele Beschwerden ein, es wurden Schilder selbst gemalt, aufgestellt und sogar Absperrungen ignoriert. Was passiert eigentlich genau auf dieser Baustelle? Warum muss der Bereich voll gesperrt werden und bei einem anderen Teilabschnitt war zumindest eine Spur befahrbar geblieben? Oberpfalz-Medien war mit Freudenbergs Bürgermeister Alwin Märkl, Hauptamtsleiter Christian Kätzlmeier, Bauingenieur Reinhard Standecker vom Planungsbüro Renner + Hartmann Consult, Bauleitenden Polier Christian Wallner von der ausführenden Firma Sommer Tiefbau vor Ort.

Leute wurden "ekelhaft"

"Die Leute sind richtig ekelhaft geworden", sagt Bauleitender Polier Wallner. Er deutet auf die Absperrung, die normalerweise fünf rote Lichter haben müsste. Zwei sind weg. Es seien Absperrungen zur Seite geschoben und Schilder für andere Umleitungen aufgestellt worden. Christian Wallner betont, dass die Umleitung, so wie sie ausgeschildert worden ist, genehmigt worden sei. "Aber das Problem ist: Alle Wege führen nach Rom. Wenn einer einen kürzeren Weg weiß, bitte, dann soll er so fahren. Aber Schilder aufstellen?" Wallner ist empört über die Verhaltensweisen der Verkehrsteilnehmer. Nur eines habe fälschlicherweise ausgesagt, dass die Ortsdurchfahrt Paulsdorf gesperrt sei, was nicht der Wahrheit entsprochen habe. Hier habe die Gemeinde nachgebessert, erklärte Bürgermeister Märkl.

Reinhard Standecker vom Planungsbüro Renner + Hartmann erklärt, dass sich die ausführende Baufirma an Regeln halten müsse. In Deutschland heißen diese "Richtlinien für die Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen", kurz RSA. Im Falle der Strecke auf der Staatsstraße 2040 sei keine halbseitige Sperre aufgrund der Einhaltung dieser Richtlinien möglich gewesen. Er nimmt den Meterstab, stellt sich hinter die baggernde Maschine. Normalerweise müssten dort 4,10 Meter Platz sein, um dort den Verkehr durchlassen zu können. Es ist nicht mal die Hälfte. Bei einer Ampel-Regelung werden immer noch 2,70 Meter benötigt. "Diese Richtlinie sichert Bauarbeiter, sie brauchen einen Schutzstreifen und können nicht direkt am fließenden Verkehr vorbeigehen." Oft komme die Frage: Warum fahren dann Traktoren oder Busse durch? Wenn die durchpassen, müsste das doch auch mit Autos klappen? Hierauf hat Polier Wallner eine klare Antwort: "Wenn der Landwirt zwei mal am Tag kommt, ist das kalkulierbar. Und ein Schulbus muss zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein. Das ermöglichen wir." Und ebenso sei bei der Leitstelle hinterlegt: "Feuerwehr und Sanka können durchdonnern."

Wie auf Knopfdruck ertönt das Martinshorn. Der Baustellenchef gibt kurze Anweisungen und der Bagger macht Platz. Der Rettungswagen passiert die Strecke ohne große Probleme. "Aber mein Lkw-Fahrer kann nicht dauernd schauen, ob jemand kommt." Ebenso sei es nicht möglich, während laufender Arbeiten alles abzuriegeln. "Auch wenn die Türe offen ist, die Leute sollen nicht schauen, ob sie durchfahren können, sondern einfach nur die Schilder beachten." Es sei genau für solche Fälle geöffnet wie Feuerwehr- oder Rettungseinsätze. Und warum wird auch am Wochenende die Straße abgeriegelt, obwohl man hindurchfahren könnte? Diese Frage sei auch immer an die Gemeinde herangetragen worden. Wallner beantwortet sie bereitwillig: "Wenn ich am Wochenende aufmache, weiß ich, dass ich am Montag wieder Verkehrschaos habe."

Die viel diskutierte Strecke wird voraussichtlich am 11. Oktober wieder für den Verkehr freigegeben. Dann geht es für die Bauarbeiter weiter in Richtung Veitenhof. Im kommenden Jahr steht die Neuversorgung des Ortsteils Geiselhof auf dem Programm, eine andere Teilstrecke wird von Rannahof zu Oberpennading sein, anschließend geht's zum Rathaus über die Hammermühle in Richtung Skilift. Der letzte Abschnitt hat nur eine Länge von einem Kilometer, doch "das wird spannend", sagt Bürgermeister Märkl schon jetzt. Die Leitung soll unter dem Feldweg im Wald verlegt werden. "Da liegt schon alles drin, was man sich vorstellen kann", so Standecker, inklusive Stromleitung. Hinzu kommen die äußeren Umstände: Es ist eng, felsig und steil - also besonders widrige Bedingungen, um die Rohre zu verlegen.

Rohre mit 30 Zentimeter Durchmesser

Der Rohrdurchmesser, der aktuell zwischen Paulsdorf und dem Wasserwerk der Stadtwerke Amberg bei Engelsdorf im Erdreich versenkt wird, beträgt übrigens 30 Zentimeter. "Das sind schon Oschis", sagt Standecker. Es ist eben die Hauptversorgung zwischen Hochbehälter und Pumpwerke. Zum Vergleich: In Neubaugebieten beträgt der Durchmesser einer Wasserleitung etwa zehn Zentimeter. Die Firma Sommer Tiefbau aus Wegscheid in Niederbayern verlegt etwa 70 Meter am Tag.

Fünf verschiedene Pumpen werden künftig im Pumpwerk unterschiedlichen Druck erzeugen. "Nachts, wenn einer auf das Klo geht, ist weniger Durchlauf als tagsüber. Wenn beispielsweise ein Feuerwehreinsatz ist, wird viel Druck benötigt", erklärt Märkl. Die Steuerungstechnik werde ebenfalls im Zuge der Maßnahme digitalisiert. Die Wasserwarte erhalten in dem Neubau in Lintach auch gleich einen modernen Aufenthaltsraum. Und in den Gräben rund um Freudenberg werden auch gleich so genannte Speedpipes mitverlegt - für Glasfaser.

Verkehrsschild selbst gebastelt

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Gemeinderat entscheidet sich für Amberger Wasser

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Im April begannen die Bauarbeiten

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Info:

Wasserversorgung Freudenberg

  • Drei Brunnen gibt es in Lintach, zwei davon sind so genannte Oberflächenbrunnen. Bei diesen machte der Schadstoffeintrag Probleme. Brunnen drei liefert zwar qualitativ hochwertiges Trinkwasser, ist aber von der Schüttung her nicht geeignet für die Wasserversorgung der gesamten Gemeinde.
  • Nach intensiven Diskussionen und nach Überprüfung weiterer möglicher Versorgungsvarianten traf die Gemeinde Freudenberg im Jahr 2018 eine Entscheidung über die weitere Vorgehensweise, die in einem Wasserpakt mit den Stadtwerken Amberg mündete.
  • Bei diesem Abkommen wurde beschlossen, dass die Gemeinde Freudenberg und die Stadtwerke Amberg gemeinsam einen Brunnen sowohl im Wasserschutzgebiet der Stadtwerke als auch auf dem Hoheitsgebiet der Gemeinde Freudenberg bauen und betreiben.
  • In den Verträgen wurde berücksichtigt, dass die Gemeinde Freudenberg in einer Sonderbeziehung zur Stadt Amberg und den Stadtwerken steht. Das Wasserschutzgebiet aus dem die Stadtwerke den Großteil ihres Trinkwassers für die Stadt Amberg beziehen, liegt auf dem Gemeindegebiet Freudenberg im Bereich Hiltersdorf.
  • Die Bauarbeiten für den ersten Abschnitt begannen im April 2021.

"Das wird spannend."

Bürgermeister Alwin Märkl über die Problematik der letzten Teilstrecke

Bürgermeister Alwin Märkl über die Problematik der letzten Teilstrecke

 

 

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