09.02.2021 - 10:02 Uhr
HirschauOberpfalz

Seit 50 Jahren ist das Wandern der Hirschauer Lust

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Vor 50 Jahren, am 11. Januar 1971, schlug in der Schloss-Gaststätte die Geburtsstunde des Hirschauer Wandervereins. Das Coronavirus ist schuld daran, dass die Hirschauer Wanderfreunde ihr Jubiläum (noch) nicht gebührend feiern können.

Ein Foto mit Seltenheitswert, aufgenommen bei der Feier des zehnjährigen Bestehens des Wandervereins im Monte-Café. Unter anderem darauf zu sehen sind die drei Vorsitzenden, die seit der Gründung bis 2019 an der Spitze des Wandervereins gestanden haben oder stehen: Hans Gres (1971 bis 1977, kniend, Zweiter von rechts), Hans Niebler (1977 bis 1985, kniend, Dritter von links) und Felix Fischer (1986 bis 2019, stehend links). Nicht im Bild der aktuelle Vorsitzende Christian Renner.
von Werner SchulzProfil

In der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre entstand in Deutschland eine wahre Volksbewegung. Sogenannte Volkswanderungen wurden immer öfter in immer mehr Orten abgehalten. Daran nahmen auch einige Hirschauer teil. Diese Enthusiasten fassten schließlich den Entschluss, in Hirschau einen Wanderverein zu gründen.

Am 11. Januar 1971 machten 27 Gründungsmitglieder mit dem Vorhaben Ernst. Sie nahmen sich vor, „den Volkssport Wandern zu fördern und zu pflegen“. Als Geburtshelfer fungierte Alfons Lehmeier, der Vorsitzende der Wandersparte des SV Freudenberg. Unter seiner Regie wurden Hans Gres zum Vorsitzenden und Hans Niebler zu seinem Stellvertreter gewählt. Von welchem Elan die Gründer beseelt waren, ist daran zu erkennen, dass sie sich schon im Gründungsjahr das Abhalten der ersten Großveranstaltung zutrauten.

Erster „Internationalen Volksmarsch“

Man lud zum ersten „Internationalen Volksmarsch“ ein und bot den Wanderlustigen Strecken über 12 und 24 Kilometer an. Das Interesse übertraf die kühnsten Erwartungen. Über 2000 Teilnehmer machten sich vom Startplatz am Fuße des Kalvarienbergs auf die Strecken durch Wald und Flur. In den Folgejahren erfreuten sich die Hirschauer Volkswandertage immer größerer Beliebtheit. Die Teilnehmerzahl wuchs auf bis zu 4000 an. In den vergangenen Jahren pendelte sich die Teilnehmerzahl bei etwa 800 ein. Seit der Gründung wurden 49 Internationale Sommerwanderungen durchgeführt, außerdem am 21. Januar 1973 ein Internationaler Winterwandertag über zehn Kilometer.

Wechsle bei Start- und Zielgelände

Gewechselt wurde immer wieder das Start- und Zielgelände. Als solches dienten der Schlossgarten, das Mühlweiher-Areal, der Monte Kaolino, der WE-Fußballplatz, der WE-Trainingsplatz am Lindenranken, das Sportgelände der DJK Ehenfeld/Massenricht, das ehemalige Gebrüder-Dorfner-Stadion und der TuS-Sportpark. Seit 2007 erfüllt diese Funktion das städtische Bauhofgelände samt seiner Fahrzeughalle an der Wolfgang-Droßbach-Straße. Der Pflege des Volkssports Wandern wurde man all die Jahre durch die Teilnahme an auswärtigen Wandertagen gerecht. Zudem betreut der Verein die von ihm aufgestellten Wandertafeln mit den von Hirschau ausgehenden Wanderwegen. Seit Jahren kümmert sich der Streckenwart des Vereins, Manfred Kindzorra, in seiner Funktion als Wanderbeauftragter der Stadt um die Beschilderung der Routen und arbeitet neue Tourenvorschläge aus.

Stromaggregate, Öfen, Kühlschränke benötigt

Für die Volkswandertage wird eine Unmenge an Utensilien benötigt. Man braucht Material zum Markieren der Strecken, Stromaggregate, Öfen, Kühlschränke, ein Zelt usw., was sukzessive angeschafft wurde. Dem Verein war es ein Anliegen, alles in einem Gerätehaus unterzubringen. Zu diesem Zweck pachtete man ein Grundstück bei der Hummelmühle an. Das Landratsamt genehmigte den Bauantrag am 30. Mai 1980. Guten Mutes begannen die Wanderfreunde im September mit dem Bau. Dies änderte sich schlagartig, als man Ende Oktober vom Landratsamt aufgefordert wurde, den Bau wegen der Gefährdung der Ehenfelder Wasserversorgung einzustellen. Da er mit den Ehenfeldern in guter Nachbarschaft leben wollte, entsprach der Verein der Aufforderung ohne Gang vor das Verwaltungsgericht.

Das Problem der Geräteunterbringung blieb den Wanderfreunden erhalten, bis die Stadt 1992 ein Grundstück an der Sudetenstraße anbot und ein Erbpachtvertrag geschlossen wurde. Der Spatenstich erfolgte am 15. Mai 1992. Unter Führung von Felix Fischer und Hans Niebler leistete eine große Helferschar 4630 Arbeitsstunden, bis das Gebäude samt Aufenthaltsraum am 5. November 1994 eingeweiht werden konnte. 2019 erhielt das Heim einen neuen Anstrich.

Kontinuität an der Vereinsspitze

An der Vereinsspitze war während der 50 Jahre Kontinuität angesagt. Der Gründungsvorsitzende Hans Gres übergab sein Amt 1977 an seinen Stellvertreter Hans Niebler. Nach ihm stand von 1986 bis Anfang 2019 Felix Fischer an der Spitze. Der Verein würdigte dessen herausragende Verdienste 2019 mit der Ernennung zum Ehrenvorsitzenden. Seit Januar 2019 steht Christian Renner dem Verein vor.

Kameradschaftsgeist zeichnet die Hirschauer Wanderfreunde bis heute aus. Die Nagelprobe darauf wird alle Jahre beim Hirschauer Volkswandertag gemacht. Dann sind etwa 50 Mitglieder im Einsatz. Die Zahl der Wanderer aber ist seit geraumer Zeit rückläufig, die Blütezeit der Volkswandertage vorbei. Immer öfter müssen die Hirschauer feststellen, dass so mancher Wandertag, den man regelmäßig besucht hat, nicht mehr stattfindet, weil sich der veranstaltende Verein aufgelöst hat.

Stolz auf pulsierendes Vereinsleben

Umso stolzer sind die Wanderfreunde auf das eigene, pulsierende Vereinsleben sein. Zum harmonischen Klima tragen gesellige Veranstaltungen wie Schlachtschüsselessen, Ausbuttern, Faschings- und Adventfeier, der Karfreitags-Frühschoppen sowie die Monatsversammlungen bei.

Ob, wann und wie das 50-jährige Bestehen gefeiert werden kann, steht nach Aussage des Vorsitzenden Christian Renner noch in den Sternen. Geplant wäre, dass die Route des Jubiläums-Wandertags wie schon 2006, 2011 und 2017 über das Plateau des Monte Kaolino führt. Offen bleibt auch der Termin für das Jubiläums-Gartenfest, das auf dem Areal beim Gerätehaus in der Sudetenstraße begangen werden soll.

Auf den 49. soll bald der 50 Hirschauer Wandertag folgen

Hirschau

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