13.04.2021 - 18:17 Uhr
HohenburgOberpfalz

Nach Brand in Hohenburg gerettete Kunstwerke brauchen ein neues Domizil

Aus einem der Häuser, die 2020 mitten in Hohenburg abgebrannt sind, haben Kulturfreunde unzählige Kunstwerke gerettet: Der Nachlass des wenig bekannten Künstlers Josef K. Senft. Die Bilder brauchen jetzt ein neues Domizil.

Johann Wolfsteiner und Claudia Nießl haben etliche Werke des verstorbenen Hohenburger Künstlers Josef K. Senft aus einem der abgebrannten Häuser am Marktplatz gerettet. Sie wünschen sich, dass sie in Hohenburg bleiben können und auch öffentlich zugänglich gemacht werden.
von Heike Unger Kontakt Profil

Vielleicht hätte man diesen Schatz ohne den Großbrand Ende Mai 2020 in Hohenburg gar nicht entdeckt: Aus einem der damals drei schwer beschädigten Häuser am Markplatz haben drei geschichtlich interessierte Hohenburger, die sich schon lang für ein Museum im Markt einsetzen, unzählige Gemälde gerettet: Werke des verstorbenen Künstlers Josef K. Senft, der aus Hohenburg stammte. "Er gehörte zu den ersten bedeutenden Künstlergruppen in der Bundesrepublik Deutschland", sagt Johann Wolfsteiner, der zusammen mit Claudia Nießl und Edeltraud Segerer dafür sorgen will, dass diesem bislang wenig bekannten Sohn Hohenburgs mehr Aufmerksamkeit zuteil wird. Und dass sein Werk erhalten und auch öffentlich zugänglich gemacht wird.

Großbrand am Marktplatz in Hohenburg

Hohenburg

Josef Konrad Senft, so hieß er eigentlich, war ein gebürtiger Hohenburger, der in München und Berlin studiert hat. Junge Künstler habe damals "der Ausstieg aus der ,normalen‘ Kunst gereizt", so formuliert es Claudia Nießl. Senft gehörte laut Johann Wolfsteiner zeitweise zur Münchener Künstler-Gruppe SPUR, in deren Zeittafel er 1957 als "Josef Senft (= J.K.S. Hohburg)" aufgeführt ist. Sie gilt als eine der bedeutendsten deutschen Künstlergemeinschaften nach 1945. Später wechselte Senft in die neoexpressionistische Künstlergruppe VISION, 1960 gegründet von Bernd Koberling, einem der Pioniere der frühen expressiven Nachkriegsfiguration. Die Künstler zeigten ihre Werke in gemeinsamen Ausstellungen in Berlin, Fulda und München. Claudia Nießl hat Briefe aus dem Brandhaus gerettet, die vom regen Austausch der Mitglieder zeugen. "Das ging in Eilpost hin und her", erzählt sie – "das war damals wohl sowas wie E-Mail heute".

Keine Dauerlösung

Momentan sind Josef Senfts Bilder in Hohenburg fürs Erste gerettet. Die Lagerung in der luftigen Halle von Claudia Nießl hat sie trocknen lassen, ist aber keine Dauerlösung. Der Großteil der Werke hat das Feuer im Senft-Haus überstanden, doch Feuchtigkeit hat ihnen zugesetzt. Nicht nur das Löschwasser war ein Problem. Schon vor dem Brand war das die meiste Zeit des Jahres unbewohnte alte Haus am Marktplatz ganz offensichtlich nicht der optimale Platz für die Kunstwerke: Das zeigen Stockflecken an den Leinwänden der Senft'schen Werke. Die waren nach dem Tod des Künstlers im Haus in Hohenburg sich selbst überlassen, da seine Tochter in München lebt und nur wenige Tage im Jahr hier weilte. Weil sie mit der Situation und dem Nachlass ihres Vaters überfordert ist, versuchen nun Wolfsteiner, Segerer und Nießl, eine Lösung zu finden.

Die Begeisterung für die Geschichte des Marktes vereint die drei. "Hohenburg hat eine große Vergangenheit", schwärmt Johann Wolfsteiner und verweist auf die Hohenburger Markgrafen, die enge Verbindungen zu Kaiser Friedrich II hatten. Deshalb haben er und seine Mitstreiter sich schon länger für ein Museum im Ort eingesetzt – bislang aber ohne Erfolg. Dabei gab es schon einmal so eine Einrichtung in Hohenburg: Der Lehrer Spörer hatte einst im Rathaus ein Heimatmuseum eingerichtet, das dann aber in der früheren Kreisstadt Parsberg gelandet ist. Einige Exponate sind dort heute noch im Burgmuseum zu sehen. Das Hohenbruger Trio hat Kontakte dorthin: Die Verantwortlichen wären bereit, Hohenburger Stücke einem dortigen neuen Museum als Leihgabe zu überlassen.

Neuer Antrieb für ein Museum

Die Kunstwerke von Josef K. Senft geben der Idee eines Hohenburger Museums jetzt wieder neuen Antrieb. Zumindest im Kreis der drei Geschichtsfreunde. Bei Claudia Nießl kommt dazu auch noch eine familiäre Verbindung: Ihre Großmutter väterlicherseits war in zweiter Ehe mit Senfts Vater verheiratet – dem Altbürgermeister des Marktes. Im luftigen Dachboden einer großen Halle hat Nießl die Senft-Gemälde erst einmal zum Trocknen aufgestellt. Oder aufgehängt: Einige der ungespannten Leinwände baumeln von Wäscheleinen. Wie viele Kunstwerke es sind, weiß Nießl gar nicht. Ihre Schätzung von "vielleicht 30 bis 40" scheint aber untertrieben.

Unterschiedliche Formate, wobei die größeren überwiegen, viel Öl auf Leinwand, aber auch andere Techniken wie Kreidezeichnungen, viel Farbstarkes, aber auch Schwarz-Weißes oder gedeckte Farben, viel Modernes, Abstraktes, aber auch Figuratives ist hier zu sehen. Manches gerahmt, auf gespannter oder zum Trocknen entrollter Leinwand. "Das hier, das Porträt, das ist seine Tochter", sagt Nießl und zeigt auf ein großes Bild, das eine junge Frau in einem blauen Auto zeigt. Nießl selbst liegt ein viel kleineres, ganz unscheinbares Gemälde mit einer alten Hohenburger Ansicht in gedeckten Tönen besonders am Herzen: Ihr Vater hatte ein kleines Foto von diesem Bild. Wolfsteiner hebt eine weitere, etwas buntere Hohenburg-Darstellung hoch. Er deutet auf ein kleines, gelbes Häuschen, das man glatt übersehen könnte – das Kupferschmiedhaus: "In dem Haus hat der Michl Ehbauer gewohnt", sagt er – der später in München die "Baierische Weltgschicht" geschrieben hat. Das Haus vom Senft-Gemälde steht heute noch in Hohenburg, allerdings dem Verfall preisgegeben, seit der letzte Bewohner vor Jahren gestorben ist, wie Wolfsteiner berichtet.

Bemerkenswerte Kunstwerke

"Senft war kein Picasso – aber seine Werke sind trotzdem bemerkenswert": So fasst Johann Wolfsteiner zusammen, was Dr. Pia Dornacher, die Leiterin des Museums Lothar Fischer in Neumarkt, gesagt hat, als sie sich die bunte Mischung angesehen hat. Die Hohenburger Gruppe hatte sie um eine Einschätzung der entdeckten Kunstwerke gebeten. Dornacher kannte Senft persönlich und habe betont, dass man die Bilder unbedingt fachmännisch renovieren und erhalten sollte. Und habe dabei auch Unterstützung angeboten. Die wird aber bei Weitem nicht reichen.

Sonderausstellung im Lothar-Fischer-Museum

Neumarkt i. d. Opf.

Der Markt habe derzeit wohl keinen finanziellen Spielraum, meint Wolfsteiner, da sich Hohenburg mit der Sanierung des denkmalgeschützten Ackerbürgerhauses am Marktplatz um den neuen Sitz des Naturpark Hirschwald bemühe. Er und seine Mitstreiter erhoffen sich deshalb Hilfe von höherer Stelle – finanziell, aber auch durch Expertise und Kontakte von Fachleuten. Von ihnen wünscht sich Wolfsteiner Antworten: Was kann mit den Kunstwerken passieren? Wie kann man sie für Hohenburg erhalten? Mit einem "überörtlichen Träger" könne man hier sicherlich etwas bewegen. Weitere geschichts- und kunstinteressierte Mitstreiter ("egal, woher") sind laut Wolfsteiner aber ebenso willkommen. Und natürlich Räume in Hohenburg, die sich fürs Erste wenigstens als Lager oder vielleicht gar als Domizil für ein Museum eignen würden.

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