31.10.2018 - 17:19 Uhr
KönigsteinOberpfalz

Haarige Geschichten aus Königstein

Ganze Hochzeitsgesellschaften haben sich in früheren Zeiten im Salon Merkl hübsch machen lassen. Den Bräuten ließ der Besitzer Baptist Merkl einen besonderen Service angedeihen.

Der Friseursalon Merkl in den 1950er-Jahren: Damals fuhren wohl viele Kunden im VW-Käfer vor.
von Autor WKUProfil

Das Friseurgeschäft Merkl feiert heuer sein 70-jähriges Bestehen. Der Gründer Baptist Merkl war ein Gastwirtssohn und stammte aus der Hüftgasse. In Sulzbach bei Josef Hennevogl erlernte er das Friseurhandwerk. Diesen Salon gibt es übrigens immer noch. Es ist das älteste Herrenfriseurgeschäft der Herzogstadt.

Nach seiner Lehre arbeitete Baptist in Fürth und in Lindau am Bodensee. Wohl noch während seiner Militärzeit reifte in ihm der Plan, sich selbstständig zu machen. Gerade zu dieser Zeit stand am Königsteiner Marktplatz ein Anwesen zum Verkauf. Der Standort erschien ihm wie geschaffen für seine Idee.

Er riss das alte Haus ab, baute ein neues und eröffnete 1948 einen Friseursalon für Damen und Herren. Und das Geschäft lief gut. Baptist kümmerte sich um die Herren, eine Friseurin um die Damen. Daneben gab es immer ein oder zwei Lehrlingsmädchen. Auch seine Frau Anna unterstützte Baptist sehr und half oft im Laden mit.

Durch Vorhang getrennt

Um die Damen vor den neugierigen Blicken der Männer zu schützen, war ein Vorhang angebracht, der bei Bedarf zugeschoben wurde. Käthe Koch, die dort ihre Lehrzeit verbracht hat, erinnert sich: "In den 1960er-Jahren war es gang und gäbe, dass der Friseursalon samstags bis abends geöffnet hatte. Sogar sonntags ab 10 Uhr kamen nach dem Kirchgang die Kunden." Geschlossen wurde um 12 Uhr.

Damals kümmerte sich der Friseur nicht nur um die Haare, sondern auch um den Bartwuchs. Viele ältere Männer kamen regelmäßig einmal in der Woche und wollten nass rasiert werden. Ebenfalls zur Ausbildung gehörte das Ondulieren. In einem Ofen wurden die Brennscheren heiß gemacht, um Locken und Wellen zu formen. "Da mussten wir sehr aufpassen, dass die Haare nicht verbrannten", erzählt Käthe Koch.

Hausbesuche nicht selten

Zur damaligen Zeit waren Dauerwellen groß in Mode bei den Damen. Vor Trauungen ließ sich nicht selten die komplette Hochzeitsgesellschaft im Friseursalon Merkl hübsch machen. Eine Selbstverständlichkeit war es für Baptist Merkl, an ihrem Hochzeitstag zu den Bräuten zu den Bräuten am Hochzeitstag nach Hause zu kommen. Er entwarf die Frisur für den schönsten Tag ihres Lebens und steckte ihnen den Schleier ins Haar. Überhaupt waren Hausbesuche keine Seltenheit. Wenn älteren, gehbehinderten Kunden der Weg zum Salon zu beschwerlich geworden war, packte Baptist Merkl Schere und Kamm ein und besuchte sie eben daheim.

1984 starb der Friseur, nachdem er bis zum Schluss in seinem Geschäft gearbeitet hatte. Lange vorher war schon Sohn Michael ins Geschäft mit eingestiegen. Er brachte eine glänzende Visitenkarte mit: 1970 hatte er den Goldenen Trichter von Nürnberg gewonnen. Weitere Erfolge wie der Grand Prix Austria oder die bayerische Meisterschaft im Friseurhandwerk kamen später hinzu. Auch nach seinem Ruhestand wird der Friseursalon weiter von der Familie betrieben.

Auf diesem Stuhl, der noch aus der Anfangszeit des Salons stammt, bekamen viele ältere Königsteiner in ihrer Kindheit die Haare geschnitten.
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