27.08.2021 - 11:53 Uhr
KönigsteinOberpfalz

Als Königstein noch am Wasser lag: Geschichte(n) vom Suttenweiher

Er war Wasserreservoir für eine Mühle, Fischteich, Eishockey-Arena und half einmal, mehrere Häuser vor einem Feuer zu retten: Viele Erinnerungen verbinden sich in Königstein mit dem Suttenweiher.

Die Häuser der Suttengasse und der Kirchturm spiegeln sich im Wasser des Suttenweihers - eine Ansicht Königsteins, die es so seit 1955 nicht mehr gibt.
von Autor WKUProfil

Vor mehr als 60 Jahre ist der Suttenweiher aus dem Ortsbild in Königstein verschwunden. Nur noch der Straßenname Suttengasse erinnert heute an das große Gewässer, dessen Name sich aus dem Mittelhochdeutschen herleitete. "Sutte" bedeutet so viel wie "Lache", meint also stehendes Wasser.

Das starke Gefälle des Gaißbachs bei der Unteren Mühle ermöglichte es, einen Damm zu bauen und einen größeren Weiher aufzustauen - den Suttenweiher. Er gehörte der Müllerfamilie Kohler. In trockenen Jahren bezog der Müller zusätzliches Wasser aus dem Weiher als Triebkraft für seine Mühle.

Nächtliche Froschkonzerte

Im Suttenweiher schwammen große Karpfen. Wenn der Pächter ihn abließ und abfischte, kamen auch kleine Fische zum Vorschein. Jean Ölmann berichtet, dass es für die Kinder eine große Freude war, die kleinen Fische in einem Wasserglas mit nach Hause zu nehmen. "Nachts war immer ein herrliches Froschkonzert zu hören", erinnert sich der inzwischen 90-Jährige. Zum Schwimmen im Sommer sei der Weiher zwar zu schlammig gewesen, aber die Kinder fuhren darauf mit Booten oder anderen Dingen, die sich als Wasserfahrzeug eigneten. Georg Pesold beispielsweise brachte von daheim einen Brühtrog und ein paar Bretter zum Paddeln mit.

Jean Ölmann und seine Tat für das Breitensteiner Männle

Breitenstein bei Königstein

Im Winter fror der Suttenweiher zu, und die Kinder kamen zum Schlittschuhlaufen. Ludwig Leidl hatte von seinem Vater Schlittschuhe geschenkt bekommen. Sein Freund musste darauf verzichten und behalf sich einfach mit gestrickten Socken, auf denen er den Weiher entlang rutschte. Auch Eishockey spielten die Buben. Die Schläger dazu holten sie sich aus dem Garten vom Haberer, dem Wirt des Gasthauses Pirner. Der hatte dort Bohnenstangen stehen, mit denen die Kinder - natürlich verbotenerweise - auf die Jagd nach allem gingen, was als Puck zu gebrauchen war.

Zwei Männer kämpfen gegen das Feuer

Der Suttenweiher diente aber nicht nur als Fischgewässer und Freizeittreff, er gewann auch in dramatischen Zeiten eine besondere Bedeutung. Als in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs die Amerikaner Königstein mit Phosphorgranaten beschossen, gerieten viele Häuser am Marktplatz in Brand. Johann Schmidt (Gouglbauer) aus Loch, dessen vier Töchter in Königstein verheiratet waren, eilte nachts besorgt zum Marktplatz. Als er die großen Brände sah, legte er zusammen mit Hans Regen sen. Schläuche zum Suttenweiher und pumpte Wasser zum Marktplatz, dass die Motorspritze vor Überlastung schier glühte. Die beiden alten Männer benetzten die noch unversehrten Häuser, um ein Übergreifen der Flammen zu verhindern. So blieben das Stricker-Anwesen (Kohl), das Sporer-Anwesen, der Deinzer-Boder und der Haberer (Gasthaus Pirner) vor dem Feuer verschont.

Für ein Backkretzl das Leben riskiert

Königstein

1955 endet die Geschichte des Suttenweihers. Er wurde zugeschüttet, und am Rande des Geländes errichtete Hubert Seidel ein Wohnhaus mit Metzgerei und anschließendem Schlachthaus. Um einen festen Untergrund zu schaffen, wurden beim Bau teilweise Holzpfähle in die Erde getrieben.

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