06.05.2020 - 11:26 Uhr
Luhe-WildenauOberpfalz

Nach vier Amtsperioden wartet Karl-Heinz Preißer auf fünf Bücher

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"Wir haben die Schulden gewaltig abgebaut und jetzt sogar über 2 Millionen Euro Rücklagen." Bürgermeister Karl-Heinz Preißer spricht von einem "bestellten Feld", das er nach 24 Jahren als Bürgermeister in Luhe-Wildenau hinterlässt.

Mit der Dorferneuerung in Luhe begann der Weg von Karl-Heinz Preißer zum langjährigen Bürgermeister. Nach 24 Jahren verlässt er das Rathaus.
von Uwe Ibl Kontakt Profil

Die nächsten wichtigen Aufgaben seien vorbereitet, blickt der 64-Jährige kurz nach Ende seiner vierten Amtszeit auf die anstehende Sanierung der Kläranlage, den Ausbau der Wasserversorgung und die weitere Entwicklung des Gewerbegebiets an der A 93. "Die 2,6 Millionen Euro Rücklagen werden in den nächsten zwei Jahren aufgebraucht werden", ist er sich sicher.

Ein Projekt konnte Preißer wegen der Coronakrise noch nicht fertigstellen: Fünf Bücherhäuschen, je zwei für Luhe und Oberwildenau sowie eines für Neudorf, hat er in seiner Wahlzweitheimat Polen bestellt. "Wir haben eine Wohnung in einer Mühle Zillertal-Erdmannsdorf (Mysłakowice) im Siebengebirge." Von dort wollte Preißer zusammen mit Ehefrau Gabi die Häuschen mit einem aufgeschlagenen Buch als Dach holen. Wegen der Pandemie ist das derzeit nicht möglich. Bücherwürmer, die diese Gelegenheit zum Tausch ihrere Lektüre nutzen wollen, müssen also noch etwas warten.

Enthüllung muss warten

Preißer freut sich jetzt auf mehr Zeit im Siebengebirge und im eigenen Wald sowie mit dem historischen Traktor, der bei ihm zu Hause steht. "Mal schauen, was ich mache", verweist er auch auf sein Engagement beim Freizeit- und Erholungsverein, bei LuhKultour und dem Oberpfalzverein, dem er seit mehr als 25 Jahre vorsteht. Mit dem wollte er zum 50-jährigen Vereinsjubiläum zu Ostern einen Gedenkstein in Luhe enthüllen. Auch hier: Wegen Corona ist das vorerst in den Herbst verschoben.

"Ich war ein Verlegenheitskandidat. Die hatten damals keinen anderen", erinnert sich Preißer an den Weg 1996 auf den Bürgermeisterposten. Bereits seit 1990 engagierte er sich für die SPD im Marktrat und übernahm den Vorsitz des Arbeitskreises Dorferneuerung in Luhe.

Ein schwieriges Amt, Anfangs gab es intensiven Widerstand. Bei einem Bürger, dem ein großes Anwesen am Marktplatz gehörte, habe er früh gegen halb neun Uhr geklingelt, weiß Preißer heute noch. "Ich habe noch nicht gefrühstückt", habe der Mann gebäfft und die Tür wieder zugeschlagen. "Das Amt für Ländliche Entwicklung (ALE) war knapp vor der Auflösung der Dorferneuerung." Preißer veröffentlichte einen Artikel über das Projekt, erweckte Eindruck in Regensburg und brachte die Dorferneuerung doch noch ins Laufen.

Freundschaft ins Nachbarland

Das beeindruckte dessen damaligen ALE-Leiter Peter Czommer anscheinend so sehr, dass er eine hochgradige Delegation aus dem Nachbarland für einen Tag nach Luhe schickte. Daraus entstanden die Beziehungen zwischen Luhe-Wildenau mit Bratronice und Lhota.

Zusammengewachsen seien die Orte der Marktgemeinde in den vergangenen Jahren in Bezug auf die Infrastruktur, urteilt Preißer. "Wir haben eine Kläranlage und ein Rathaus, obwohl ich das in Luhe mit der Kanzlei etwas aufleben habe lassen." Radwege verbinden die Ortschaften. Dennoch habe weiterhin jedes der großen Dörfer Angst, dass es zu kurz komme, weil der jeweilige Bürgermeister zuerst auf seinen Ort achte. Das sei auch bei ihm zunächst mit Oberwildenau so gewesen, übt Preißer Selbstkritik. In Luhe habe er zwar gewohnt, sei aber nicht so integriert gewesen. "In den vergangenen Jahren habe ich mehr auf Luhe geschaut." Um Neudorf hätten sich alle immer mit gekümmert. "Dort sind die besten Straßen", meint er wie zum Beweis.

Preißer freut sich, dass im Marktrat noch ein SPD-Antrag positiv entschieden wurde. Der sieht vor, dass sich die Marktgemeinde mit einer Million Euro beteiligen wolle, wenn ein Altenheim gebaut würde. "Daraufhin hat sich ein auswärtiger Interessent gemeldet, mit dem wir schon wegen diverser Projekte in Kontakt waren." Bei einem weit größeren Vorhaben für Senioren in Luhe, wisse er nichts, dass sich aktuell etwas bewege.

Das scheidende Marktoberhaupt hofft, dass es mit dem Gewerbegebiet weitergeht und die Arbeitsplätze nicht wegfallen, auch wenn manche Betriebe momentan Problem hätten. In 20 Jahren habe sich die Zahl der Arbeitsplätze verdoppelt. "Und ich hoffe, dass unserer Gaststätten erhalten bleiben." Da gab es Einbussen in den vergangenen Jahren, aber mit dem "Jägerstüberl" und dem Imbiss "A 93" auch Zuwachs. "Ich halte es mittlerweile für ein Stück Daseinsvorsorge der Kommunen, dass sie sich um Gaststätten kümmern."

Karl-Heinz Preißer kam mit 908 Stimmen, dem zweitbesten Ergebnis dieser Kommunalwahl, erneut in den Marktrat. Mit seinem Nachfolger Sebastian Hartl habe er abgesprochen, dass er sich dort zurückhalten wolle. "Hoffentlich werde ich mich auch zurückhalten können", schmunzelt er. "Es geht mir nicht darum, großen Einfluss zu nehmen und klug daherzureden."

Karl-Heinz Preißer
Gerne hielt Karl-Heinz Preißer auch in der Kanzlei im Alten Rathaus in Luhe seine Sprechstunden ab.
Dünnes Goldenes Buch:

Die Frage nach Begegnungen mit Promis während seiner Amtszeit bringt Karl-Heinz Preißer zum Nachdenken. "Unser Goldenes Buch ist recht dünn und hat nur wenige Einträge", grübelt der scheidende Rathauschef. "Wir sind damit nicht hausieren gegangen in Bierzelten oder so." Unterschriften gab es nur in Gebäuden der Gemeinde. Der bislang letzte Eintrag stammt von Andreas Insinger, der mit seiner Kupferflechtfirma in Luhe neu baute.

Wichtig waren Preißer Kontakte zur Wirtschaft. Die hätten sich bei den Ansiedlungen im Gewerbegebiet "Obere Tratt" ausgezahlt. Preißer engagiert sich seit Jahren für den örtlichen Gewerbekreis und den Zusammenschluss "Plus der Oberpfalz", der die wirtschaftliche Entwicklung im Bereich des Autobahnkreuzes fördert. Auch zur IHK hat der Luher gute Verbindungen. (ui)

Karl-Heinz Preißer.

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