21.02.2021 - 14:40 Uhr
SchnaittenbachOberpfalz

100 Jahre Theatertradition in Schnaittenbach

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Die Wintermonate und das Frühjahr sind traditionell die Zeit für Theaterproben und Aufführungen, zumindest in Schnaittenbach. Schon vor 100 Jahren wurde hier Theater gespielt. Seit März 2020 bleibt der Vorhang jedoch zu, die Bühnen leer.

Schnaittenbach, das eng mit dem Namen und der Geschichte der Kastner verbunden ist, führte im Jahre 1933 zur 600-Jahrfeier der Markterhebung das Festspiel "Friedrich der Kastner" als Freilichttheater am Buchberg auf. Das Bild zeigt die "Bürger von Schnaittenbach".
von Autor SHProfil

In Schnaittenbach gibt es mit der Kolpingsfamilie, dem Kulturverein Almrausch Holzhammer und der Freilichtbühne am Buchberg gleich drei Gruppen, die sich dem Laienspiel verschrieben haben. Leider existieren über die Ursprünge des Theaterspielens in der Stadt kaum schriftliche Aufzeichnungen. Man konnte sich bislang nur auf die Aussagen älterer Bürger stützen, die sich daran erinnerten, dass in den 1930er-Jahren Theater gespielt wurde.

Durch Zufall stieß der Schützenverein bei einer Durchsicht alter Kassenbücher nun auf Buchungen, die belegen, dass die Schützen bereits 1921 und 1922 mit Theaterstücken an die Öffentlichkeit gegangen waren. Die Geburtsstunde des Amateurtheaters schlug in Schnaittenbach also schon vor 100 Jahren.

1933 Hunderte Zuschauer

Aus dem Protokollbuch des ehemaligen Vereins Buchberger geht hervor, dass die „Studentengruppe aus Schnaittenbach“ in der Zeit nach dem ersten Buchbergfest 1922 ein Theaterstück auf dem Buchberg aufführen wollte. Ob dieses Theater, gewissermaßen ein Vorgänger der heutigen Freilichtbühne am Buchberg, tatsächlich gezeigt wurde, ist aber nicht dokumentiert.

Niedergeschrieben hingegen ist, dass in Schnaittenbach im Jahre 1933 zur 600-Jahr-Feier des Marktes das Festspiel „Friedrich, der Kastner“ vor Hunderten Zuschauern am Buchberg aufgeführt wurde. Schnaittenbach ist eng mit dem Namen und dem Geschlecht der Kastner verbunden, die sowohl in Unterschnaittenbach als auch in Holzhammer in frühester Zeit Hammerwerke betrieben hatten. Das Stück aus der Husitenzeit wurde von Hans Hackl nach einer Erzählung des früheren Heimatforschers und Studienrates Georg Landgraf verfasst und geht zurück „auf fünf Jahrhunderte, in eine Zeit, in der die Husitenkriege unsere Heimat zur Öde machten und die Heimat aus tausend Wunden blutete“. Angespornt vom Erfolg dieses Festspiels gab es in den 30er-Jahren weitere Aufführungen im kleinen Weiß-Saal des Gasthauses „Zum Goldenen Kreuz“.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Theaterspielen eingestellt. Nach dem Krieg lebte die Tradition wieder auf, und zwar 1947/48 mit dem „Rattenfänger von Hameln“. Eine 40-köpfige Spielschar des Kirchenchores mit dem Fabrikbesitzer Alfons Rasel an der Spitze führte dieses Singspiel nicht nur in Schnaittenbach, sondern in allen größeren Orten der Oberpfalz auf. Der Erlös diente zur Finanzierung der rund 15 000 Mark teuren neuen Orgel der Pfarrkirche St. Vitus, die 1950 eingeweiht wurde.

Im Frühjahr 1948 betrat erstmals der Ehenbachtaler Trachtenverein die Bühne im Weiß-Saal mit der Aufführung des Stückes „Der Schuß im Erlengrund“. Es folgten vier weitere Darbietungen.

Kolping gründet Theatergruppe

Bald nach der Gründung der Kolpingsfamilie 1945 durch Sepp Müller Anderl wurde 1950 eine Kolping-Theatergruppe ins Leben gerufen. Nach vielen Jahren erfolgreicher Theaterspielerei stellte man das Laienschauspiel wieder ein. An ihrer Stelle sprang die Feuerwehr ein, die 1952 „Die Komödiantendirn“ im kleinen Saal des „Goldenen Kreuz“ aufführte. Die Räumlichkeiten erwiesen sich aufgrund des großen Zuspruches jedoch als zu klein. Mangels eines geeigneten Saales wurde es in den 50er-Jahren einige Zeit still ums Theaterspielen in Schnaittenbach. Erst 1963, als im neu erbauten Vitusheim „auf der Loh“ ein großer Saal mit Bühne zur Verfügung stand, ging mit der katholischen Jugend und der von Hermann Blüml gegründeten Pfadfinderschaft St. Georg ein weiterer Stern am Theaterhimmel auf. Von da an gelangte jedes Jahr ein anderes Theaterstück zur Aufführung.

Etwa zehn Jahre lang waren die Pfadfinder unterstützt von der Jugend auf der Bühne, bis sie theatermüde wurden und 1975 und 1976 von der Ehenbachtaler Trachtenjugend abgelöst wurden. Auch die Ortsgruppe des Bayerischen-Roten-Kreuzes traute sich mit zwei Stücken vor Publikum.

1987 wurde die Theatertradition der Kolpingsfamilie mit der von Reinhard Weiß neu gegründeten Gruppe wieder aufgegriffen. Jedes Jahr eroberte man die Herzen der Theaterfreunde. 1995 übernahm Georg Meier, der „Friedlweber-Schorsch“, für mehr als 30 Jahre die Leitung, bevor er vor einigen Jahren das Zepter an seinem Sohn Jürgen übergab.

Wegen Abbruch und Neubau des Vitusheimes wurden die Theateraufführungen 1997 und 1998 auf die Bühne der Trachtler-Buchberghütte verlegt und somit das Freilichttheater am Buchberg wieder neu geboren. Nach der Fertigstellung des neuen Pfarrheimes 1999 ist die Kolpings-Theatergruppe um Regisseur Georg Meier mit der „Jungen Theatergruppe“ wieder ins Vitusheim gezogen und führt seitdem bayerische Komödien auf, wobei alljährlich ein Teil der Einnahmen für kirchliche und soziale Organisationen gespendet wird.

Schauspieler von 2 bis 80 Jahre

Stammend aus der Kolpingsfamilie agiert die Buchbergbühne seit 2005 als eigener Verein unter Vorstand Thomas Reiß und Spielleiter Stefan Reindl. Das Miteinander von Jung und Alt (die Spieler sind zwischen 2 und 80 Jahre alt) ist ein Markenzeichen dieses Vereins, der von sich selbst sagt: „Unser Ensemble ist eine große Familie“. In der Idylle des Bergwaldes begeistern Kinderstücke und Dramen die Gäste.

Neben Kolpingsfamilie und Freilichtbühne am Buchberg hat sich seit einigen Jahren die Gruppe „Almrausch“ aus Holzhammer dem Laienspiel verschrieben. Sie hat alljährlich im März ihre Theatersaison.

Bleibe zu hoffen, dass die Theater, die seit 100 Jahren das kulturelle Leben in Schnaittenbach bereichern, bald wieder öffnen dürfen.

Ehenfelder Theaterverein auch in Corona-Zeiten aktiv

Ehenfeld bei Hirschau
Die Theaterdarsteller beim Festspiel "Friedrich der Kastner" 1933 am Freilichttheater am Buchberg.
Spielzene beim Festspiel "Friedrich der Kastner" 1933 am Buchberg.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.