27.08.2021 - 16:19 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Weichen für moderne Bahn stellen

Stromtrassen, Elektrifizierung, barrierefreie Bahnhöfe: An den Bahnstrecken im Landkreis Schwandorf ist noch einiges zu tun, soll die Schiene zukunftsfähig werden. Auch für die "neuen" Bundestagsabgeordneten gibt's genug zu tun.

Auf den meisten Bahnstrecken der Region fehlt noch der Strom. Hier auf dem Symbolbild fährt eine Diesellok auf der mit neuen Masten und Leitungen versehenen Bahnstrecke München-Lindau.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Politik bedeutet oft auch, sehr dicke Bretter zu bohren. Seit über drei Jahrzehnten mühen sich Abgeordnete der Region, die Bahnstrecke von Hof über Schwandorf nach München zu elektrifizieren. Spätestens nach der Wiedervereinigung wurde klar, dass die Magistrale nicht nur Ostbayern endlich besser an den Fernverkehr anschließen muss, sondern auch für den Gütertransport dringend gebraucht wird: Als Teil des Ostkorridors. Die Strecke verbindet die Uelzen (bei Hamburg) und damit die Seehäfen mit dem Süden, bis weiter nach Österreich und Tschechien. Der Korridor soll auch die überlasteten Strecken, etwa durch das Rheintal, entlasten.

Vor fünf Jahren wurde der "Bundesverkehrswegeplan 2030" beschlossen - und damit die Elektrifizierung der Strecke Hof-Regensburg endlich in den vordringlichen Bedarf aufgenommen. Rund 170 Jahre, nach dem die ersten Züge zwischen Regensburg und Schwandorf verkehrten. Jetzt laufen die Planungen für die Elektrifizierung, gleichfalls für die Strecke Nürnberg-Schwandorf-Furth im Wald. Bis 2030 soll die Strecke Hof-Regensburg elektrifiziert sein.

Seit der DB-Konzernbevollmächtigte für Bayern, Klaus-Dieter Josel, im Mai 2020 mit dem damaligen Verkehrs-Staatssekretär Klaus Holetschek den Startschuss für die Planungen bekanntgab, hat sich einiges getan. Die Bahn lud zu Beteiligungsformaten, wegen Corona meist Online. Denn: Vor der Elektrifizierung muss der Strom zu den Schienenwegen.

Wo diese Bahnstrom-Trassen verlaufen sollen und ob sie überhaupt nötig sind, wird diskutiert. Bürgerinitiativen und Bahn bestellten gemeinsam einen Gutachter. Professor Arnd Stephan von der Technischen Universität Dresden legte es im Juni vor. Ergebnis: Der Anschluss neuer Trassen ist wirtschaftlich am sinnvollsten.

Zahlreiche Anlieger in der von Stromtrassen und Gaspipelines durchzogenen Region sind davon nicht begeistert. Zumal es Alternativen gibt: Den Anschluss mit eigenen Umrichtern an das bestehende, öffentliche Stromnetz. Technisch machbar, bestätigte auch das Gutachten. Aber: Auf lange Sicht wegen hoher Wartungs- und Betriebskosten bedeutend teurer. Für Schwandorf bedeutet das die Entscheidung darüber, ob die Bahn beispielsweise an das bestehende Bayernwerk-Netz anschließt oder eine neue Stromtrasse von Regensburg kommend nach Weiden gelegt wird. Das wären weitere Masten, entweder entlang der Schienen, oder auch durch das Naabtal im Stadtwesten.

Strom muss zum Gleis

Die Bahn als Wirtschaftsunternehmen wird sich an die Empfehlung des Gutachtens halten, daran kann kaum ein Zweifel bestehen. Zumal die Elektrifizierung laut Bahnverantwortlichen ohnehin schon mit einem "noch einstelligen Milliardenbetrag" zu Buche schlagen wird. Letztlich kann darüber, ob die Mehrkosten für eine dezentrale Versorgung in Kauf genommen werden, nur die Politik entscheiden, und damit der neue Bundestag. Die Bahn will jetzt ins Raumordnungsverfahren für die Trasse zwischen Regensburg-Burgweinting und Wiesau starten. Auf die neuen Bundestagsabgeordneten der Region wartet also schon das nächste dicke Brett in der Verkehrspolitik. Das ist aber nicht das einzige.

Denn im Zuge der Elektrifizierung wird es auch teilweise neue Straßenbrücken über die Gleise brauchen, wo diese zu niedrig oder zu schmal sind. Die Oberleitungen müssen schließlich Platz finden. Wenn nun Kommunen Baulastträger entsprechender Brücken über die Gleise sind, könnten erhebliche Kosten auf sie zukommen. Andernorts hat sich damit der Kreistag schon auseinandergesetzt, etwa in Tirschenreuth. Die Kostenaufteilung regelt ein Bundesgesetz. In Wernberg-Köblitz etwa müsste ein Fußgängersteg über die Gleise erneuert werden. Die Kommune kann sich ihren Anteil kaum leisten.

Lärmschutz nötig

Mit der Elektrifizierung soll der Lärmschutz einhergehen. Wie und wo genau hier Wände oder ähnliches entstehen werden, ist ebenfalls noch offen. Nötig wird er werden: Denn laut ersten Einschätzungen wird nach der Elektrifizierung der Verkehr auf der Trasse zunehmen, mindestens dreimal mehr Güterzüge fahren als heute.

Und es warten noch einige weitere Bahn-Baustellen auf die Politik: Etwa die Barrierefreiheit der Bahnhöfe. Lediglich in Maxhütte-Haidhof sorgen Aufzüge dafür, dass auch Menschen mit Handicap über Aufzüge relativ problemlos zu den Gleisen kommen. Im wesentlich stärker frequentierten Bahnhof Schwandorf wurde sogar Personal gestrichen, das lange Jahre dafür sorgte, behinderte Menschen gefahrlos über die Schienen zu bringen. Durch den Tunnel mit vielen Treppen ist das aussichtslos. Nunmehr müssen sich Menschen mit Behinderung über eine Telefonnummer anmelden, um Hilfe zu erhalten. In Irrenlohe und Schwarzenfeld sind die jeweiligen Gegen-Bahnsteige über die Schienen zugänglich. Der bestehende Steg in Wernberg-Köblitz ist für Gehbehinderte nicht zu überwinden. Barrierefreiheit sieht anders aus. Das Drängen der Kommunalpolitik, etwa aus Schwandorf, führte bislang lediglich zu Vorschlägen wie dem, dass die Stadt ja den Ausbau erst einmal vorfinanzieren könne.

Der Kreistag treibt ein weiteres Projekt voran: Die Strecke zwischen Burglengenfeld und Maxhütte-Haidhof soll wieder reaktiviert werden. Entsprechende Prüfungen laufen derzeit. Und dann ist da noch der Bahnübergang in Nabburg. Der Umbau schien, mit einem Planfeststellungsverfahren auf den Weg gebracht. Nun hat der Stadtrat aber eine neue Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Wie es weitergeht? Völlig offen.

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Klaus-Dieter Josel, DB-Konzernbevollmächtigter für den Freistaat Bayern, stellte im Mai 2020 die Pläne für den Bahnausbau in Nordostbayern vor.
Hintergrund:

Bahn-Elektrifizierung

  • Nordostbayern ist eine "Dieselinsel": Bahnstrecken sind nicht elektrifiziert.
  • Wichtigste Strecken: Hof-Schwandorf-Regensburg (179 km) und Nürnberg-Schwandorf-Furth im Wald (126 km).
  • Im Mai 2020 stellt die Bahn in Schwandorf Planungen für Hof-Regensburg vor.
  • Es folgt Protest gegen vorgeschlagene Bahnstromtrassen.
  • Juni 2021: TU Dresden legt Gutachten vor. Im Netz unter https://tud.link/upfd
  • Bis Ende 2021: DB will Raumordnungsverfahren für Bahnstromtrasse Wiesau-Burgweinting starten.
  • 2030: Geplanter Abschluss Elektrifizierung Hof-Regensburg.

 

 

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