14.03.2021 - 15:04 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Corona-Helden der Diakonie: "Ängste und Depressionen wachsen"

Das Haus der Diakonie in Sulzbach-Rosenberg ist ein Zentrum für Beratung, Betreuung und Hilfe. Gerade in der Pandemie sind ihre Mitarbeiter extrem gefordert. Teil 4 der Serie „Corona-Helden“.

Angelika Brandt (links) und Mirjam Wohlfahrt in ihrem Büro im Haus der Diakonie in Sulzbach-Rosenberg.
von Helga KammProfil

Drei Beratungsangebote gibt es im Haus am Pfarrplatz 5 in Sulzbach-Rosenberg, die Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit (KASA), die Arbeitslosenberatung und die Migrations- bzw. Flüchtlingsberatung. In letzterem Bereich sind Angelika Brandt und Mirjam Wohlfahrt tätig. Was früher normal war, eine stets offene Tür und ganztägige Sprechstunden, ist in Pandemiezeiten undenkbar. Deswegen müssen Klienten telefonisch oder per E-Mail Termine vereinbaren, wird bei entsprechenden Temperaturen auch mal im Garten oder auf der Kirchentreppe beraten.

Das Einzugsgebiet ist groß und umfasst neben der Stadt Sulzbach-Rosenberg den westlichen Landkreis. Die coronabedingten Schließungen, insbesondere der Behörden, haben die Arbeitsbelastung enorm erhöht. Sozialpädagogin Angelika Brandt stellt fest: „Seit einem Jahr sind wir die einzige Stelle für Flüchtlinge und Ausländer überhaupt und für sämtliche Belange zuständig“.

Vielfältige Anliegen

Eine „organisatorische Drehscheibe“ nennt Diplom-Pädagogin Mirjam Wohlfahrt das Haus am Pfarrplatz 5. Die Anliegen der Hilfesuchenden sind vielfältig: Briefe und Formulare müssen erklärt, Anträge ausgefüllt und Termine vereinbart werden. Angelika Brandt und Mirjam Wohlfahrt verhandeln mit Behörden, leiten Unterlagen weiter, kümmern sich um die Beantragung von Dokumenten. Groß wird die Not, wenn Hilfeleistungen aufgrund nicht fristgerecht eingereichter Unterlagen zurückgehalten oder eingestellt werden. „Die Leute wissen das nicht und lassen ihre Briefe ungeöffnet liegen; leider sind die Behörden in solchen Fällen nicht besonders großzügig“, beklagt Brandt. Kleine Geldbeträge, finanziert aus Spenden, können zumindest kurzfristig akute Notsituationen lindern.

Große Verlierer der Pandemie sind für Wohlfahrt die Familien: „Viele sind aufgrund sprachlicher Probleme und der überbordenden Bürokratie völlig überfordert, schulpflichtigen Kindern fehlt oft die elektronische Ausstattung fürs Homeschooling, die Wohnverhältnisse sind teilweise sehr beengt“. Die Mitarbeiterinnen der Diakonie helfen wo sie können, füllen Anträge auf Bildung und Teilhabe, Kindergeld und Elterngeld aus und sind behilflich bei der Suche nach einen Kindergartenplatz. Sie erläutern „Beamtendeutsch“, organisieren Dolmetscher, leiten weiter.

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Netzwerk reaktivieren

„Wir müssen acht Stunden am Tag flexibel und belastbar sein, um unseren Klienten bestmöglich helfen zu können“, fasst Angelika Brandt zusammen. Die Pandemie stellt die Mitarbeiter vor zusätzliche Herausforderungen. Es müssen Besucherlisten geführt, außerdem Regeln stets auf ihre Aktualität überprüft und den Klienten erklärt werden. „Das alles“, so Mirjam Wohlfahrt, „macht unseren Arbeitsalltag komplizierter und erfordert auch mal unkonventionelle Lösungen“. Die ausgebildete Traumafachberaterin und -pädagogin beklagt, dass sich Ängste und Depressionen verstärkten, aber leider oft die Zeit fehle dies zu berücksichtigen.

Der Mangel an Zeit ist auch der Grund dafür, dass die Öffentlichkeitsarbeit zu kurz kommt. „Wir würden gern unser Netzwerk reaktivieren“, erklärt die Neukirchnerin Angelika Brandt, die seit zehn Jahren in der Diakonie arbeitet. Ehrenamtliche Mitarbeiter seien gefragt, Menschen, die behilflich bei der Wohnungssuche oder bei kleineren Problemen sind. „Sie werden natürlich begleitet, keiner wird allein gelassen“, versichert sie. Bis vor einem Jahr trug das wöchentlich stattfindende Montags-Café im Katholischen Pfarrheim dazu bei, musste aber coronabedingt geschlossen werden: „die ehrenamtlichen Helferinnen gehören aufgrund ihres höheren Alters ausnahmslos zur Risikogruppe“. Trotz des nicht leichten Arbeitens – weder Angelika Brandt noch ihre Kollegin würden sich einen anderen Beruf wünschen. Mirjam Wohlfahrt ist nach elf Berufsjahren beim Kolping-Bildungswerk im Sommer vorigen Jahres zur Diakonie gewechselt, um auch hier Ansprechpartnerin für Menschen zu sein und zu helfen. Beiden Frauen ist die Wertschätzung ihrer Klienten sehr wichtig, wenn auch die persönliche Anteilnahme aus Zeitgründen oft zu kurz kommen muss.

Helfer gesucht

Ehrenamtliche Helfer dringend gesucht: Die Diakonie in Sulzbach-Rosenberg freut sich stets über neue ehrenamtliche Mitarbeiter. Nähere Informationen geben die Hauptamtlichen gerne telefonisch unter der Nummer 09661/87 770-0.

Unterstützt werden kann die Arbeit der Diakonie vor Ort durch eine Spende auf das Konto der Sparkasse Amberg-Sulzbach, IBAN-Nr.: DE44 7525 0000 0380 1038 04.

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„Wir müssen acht Stunden am Tag flexibel und belastbar sein, um unseren Klienten bestmöglich helfen zu können“.

Angelika Brandt von der Diakonie

Die Serie:

Corona-Helden

  • Die Serie beschäftigt sich mit Menschen in sozialen Berufen, die sich tagtäglich für ihre Mitbürger einsetzen und in der Pandemie dabei teils auch ihre eigene körperliche oder seelische Gesundheit gefährden.
  • Oberpfalz-Medien und der Lions-Club wollen sie aus der Anonymität holen, ihnen ein Gesicht geben und ihnen öffentliche Aufmerksamkeit für ihre Sorgen und Nöte bringen, aber auch Respekt zollen für den Dienst an Menschen und Gesellschaft.

 

 

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