30.12.2020 - 16:03 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Erster Weltkrieg: "Kameraden auf vier Beinen" im Fronteinsatz

Eine Fundgrube ohnegleichen ist das Archiv, das Werner Luber in Bernricht zusammengestellt hat. Fotos, Feldpostkarten, ein Kriegstagebuch - einmalige Zeitdokumente über das, was sein Vater Georg im Ersten Weltkrieg erlebt und erlitten hat.

von Externer BeitragProfil

Von Rolf Wypior

Der hier zusammengetragene Schatz an Erinnerungen ist so groß, dass immer wieder auch Überraschungen zutage treten. Das gilt auch für die auf dieser Seite abgedruckten Fotos: Sie zeigen in schonungsloser Klarheit, in welchem Ausmaß nicht nur zahllose junge Männer den Schrecken eines fürchterlichen Gemetzels ausgesetzt waren, sondern auch vierbeinige Helfer - vor allem Pferde, aber auch Hunde und Mulis. Treu und ergeben versahen sie ihren Dienst - bis zum bitteren, blutigen Ende.

Mulis im Gebirge

Völlig frei von ethischen Bedenken hatte die Heeresleitung den Nutzen der ,,Kameraden auf vier Beinen" früh erkannt. Bei den Mulis war es der sichere Tritt im Gebirge, der Vorteile für die Truppe versprach. Im Tal wurden die Kanonen zerlegt und auf den Rücken der Tiere bis in die hohen Regionen getragen - auf ausgesetzten Wegen und meist rücksichtslos angetrieben. Auch wenn sich die Zeiten geändert hatten: Mulis waren auch im Zweiten Weltkrieg und darüber hinaus bei den Gebirgsjägern immer wieder eingesetzte Helfer.

Pferde mit Spezialauftrag

Einen Spezialauftrag hatten viele Pferde: Sie jagten mit Gulaschkanonen im Galopp bis an die Front, um den Soldaten in den Schützengräben nach Möglichkeit zumindest einmal am Tag eine warme Mahlzeit zu ermöglichen. Das war im Zweiten Weltkrieg nicht mehr nötig, die Truppe hatte ihre ,,eiserne Ration" dabei und wurde vielfach aus der Luft versorgt. Einen hohen Blutzoll entrichteten die Rösser aber vor allem im Dienst in der Kavallerie: Die gegnerische Infanteriesoldaten stießen ihre Seitengewehre in die Flanken, so dass die Pferde sich im Fallen vielfach selbst aufspießten. Den herabgestürzten Reitern erging es nicht besser, sie wurden von den Hufen ihrer qualvoll verendenden Tiere erschlagen.

Hunde im Sanitätseinsatz

Und was war mit den Hunden? Flach über den Boden dahinhuschend, brachten sie - kaum zu sehen vom Feind - Nachschub an Munition bis direkt in die Feuerlinie. Segensreich dagegen war ihr Einsatz als Sanitätshund: Sie spürten Verwundete auf, hatten Verbandszeug und etwas zu trinken dabei - und weckten sicher in vielen Fällen neue Hoffnung für die hilflos auf dem Felde Liegenden. Die Tiere waren sogar so abgerichtet, dass sie anschließend auf dem zentralen Verbandsplatz auf ihre Art ,,Meldung" machen konnten.

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Festgehalten ist das, was Mensch und Tier im Ersten Weltkrieg abverlangt wurde, auf einer ganzen Reihe von Gemälden aus der Hand längst vergessener Künstler. Sie dienten der militärischen Führung des Kaiserreiches als Vorlagen für Feldpostkarten. Kostenlos befördert, hielten diese Karten die Verbindung von der Front zu den Familien daheim, waren meist das einzige, sehnlichst erwartete Lebenszeichen - auch für die Lubers in Bernricht. Ihr Sohn Georg Luber kam tatsächlich selbst mit dem Leben davon, was nach mehreren Schlachten und den Strapazen leidvoller Gefangenschaft fast als ein Wunder anzusehen ist. Am 18. Februar 1920 konnten seine Familienmitglieder ihn unverhofft und überglücklich wieder in ihre Arme schließen.

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Kommentare

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Rolf-Dieter Reichert

Zur Serie "Damals".

Bisher habe ich diese Serie mit Neugier, Interesse und manches Mal mit Wehmut oder Schmunzeln gelesen. Die Beiträge haben mir gefallen und ich habe viel Wissenswertes über meine "neue" Heimat erfahren.

Es kann nicht alles gut sein. Das beweist der Beitrag über "Erster Weltkrieg: "Kameraden auf vier Beinen" im Fronteinsatz".
Unsägliches Leid wurde über Europa und die Welt gebracht und schon 20 Jahre später sind die Söhne der Soldaten dieses Dramas wieder mit Hurra und Getön, wie schlimm der Feind doch ist, in's Feld gezogen. Mulis, Pferde und Hunde, eben die "vierbeinigen Kameraden" wurden, entgegen zu den Zweibeinern, gezwungen, wieder als Kanonenfutter ihren Dienst zu versehen.

Als jemand, der im WKII geboren wurde, habe ich für solch Berichte in einer Zeitung kein Verständnis. Hier hätte der Autor mehr Feingefühl walten lassen müssen. Aufklärung täte hier vorrangig Not!

Denn bereits wenige Jahre nach meiner Geburt traten wieder die selben dummen Menschen auf den Plan. Noch heute sitzt die braune Klientel im Bundestag und den Länder- und Kommunalvertretungen und glauben, nur sie hätten ein Recht auf das Recht. Wir sind das Volk? Brüllen macht weder Schlau noch bringt es Recht.

Wer sich von der Wahrheit nicht besiegen lässt,
der wird vom Irrtum besiegt!
Augustinus Aurelius, auch Augustinus von Hippo * 13. November 354 in Tagaste, Römische Provinz Africa proconsularis; † 28. August 430

Manchmal bin ich wirklich erleichtert, dass meine Zukunft wesentlich kürzer ist, als meine Vergangenheit.
Rolf-Dieter Reichert

05.01.2021