05.10.2021 - 18:54 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Nach Härtefallgesuch: Aufenthaltserlaubnis für Familie Guliyev

Die bayerische Härtefallkommission hat sich für ein Bleiberecht der aserbaidschanischen Familie Guliyev aus Sulzbach-Rosenberg ausgesprochen. Nun hat auch das Innenministerium des Freistaats eine Entscheidung getroffen.

Familie Guliyev – im Bild Elnara Guliyeva mit den beiden Söhnen Cavanshir (links) und Elnur (Mitte) sowie den beiden Töchtern Veronika-Christiane (links auf dem Schoß ihres großen Bruders) und Viktoria (rechts) – ist überaus froh und glücklich, dass das Innenministerium in München der Empfehlung der bayerischen Härtefallkommission gefolgt ist und ihnen eine Aufenthaltserlaubnis erteilt hat, die zunächst auf ein Jahr befristet wurde.
von Kristina Sandig Kontakt Profil

In die Öffentlichkeit geraten war der Fall der Familie Guliyev durch einen sehr umstrittenen Abschiebeversuch im November 2019. Damals sollte die Familie, die zu diesem Zeitpunkt schon sieben Jahre in Deutschland lebte und deren Asylantrag abgelehnt worden war, in ihr Ursprungsland Aserbaidschan abgeschoben werden – Elnara Guliyeva, die damals im siebten Monat schwanger war, sogar direkt aus dem Kreißsaal des Amberger Klinikums heraus. Noch vor dem abgebrochenen Abschiebeversuch war der Fall der inzwischen sechsköpfigen Familie bei der bayerischen Härtefallkommission eingebracht worden – für Jafar und Elnara Guliyev und ihre Kinder begann eine zermürbende Zeit des Wartens, Hoffens und Bangens.

Unbeschreiblich groß war die Freude der Guliyevs und auch all derer, die sich für ein Bleiberecht der bestens integrierten Familie aus Sulzbach-Rosenberg einsetzten, als heuer im Frühjahr dann eine Entscheidung der Härtefallkommission fiel: Das Gremium sprach sich für einen Aufenthalt der Guliyevs in Deutschland aus und stellte ein entsprechendes Härtefallgesuch an das bayerische Innenministerium. Dieses hat nun ebenfalls in diesem Fall entschieden und der Familie eine Aufenthaltserlaubnis erteilt. Diese ist zunächst auf ein Jahr befristet. Nach Ablauf der zwölf Monate kann sie verlängert werden – für weitere drei Jahre. Danach kann eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis erteilt werden.

"Noch ein langer Weg"

Laut Christiane Rankl, die die Familie ehrenamtlich betreut, durchaus keine unübliche Vorgehensweise. "Bis zu einem unbefristeten Aufenthalt ist noch ein langer Weg", sagt sie. Dennoch: Sie freut sich mit den Guliyevs, die dadurch Rechtssicherheit haben. Bei der betroffenen Familie selbst ist die Freude noch um einiges größer, wie die vierfache Mutter Elnara Guliyeva gesteht. "Ich könnte tanzen vor Glück", sagt sie strahlend.

Für die erneute Verlängerung beziehungsweise für die unbefristete Aufenthaltserlaubnis danach muss die Familie eine gute Integrationsleistung zeigen. Das hat sie bisher schon getan. "Wir finanzieren unser Leben selbst", erklärt Elnara Guliyeva. Ihr Mann arbeitet in Neumarkt im Schichtbetrieb, sie selbst hat eine Teilzeitstelle als Reinigungskraft in einem Senioren- und Pflegeheim in Sulzbach-Rosenberg. Die beiden großen Söhne Cavanshir (15) und Elnur (13) zeigen sehr gute Leistungen in der Schule, kamen selbst im Corona-bedingten Homeschooling gut zurecht – zumal sie unter widrigsten Bedingungen fernab des Klassenzimmers lernen mussten. Angesichts der beengten Verhältnisse in der damaligen Wohnung stellten die Eltern den beiden Jungen ins Schlafzimmer, dem einzigen Raum mit Tür, zwei Schreibtische, damit die Schüler in Ruhe dort ihre Videokonferenzen machen konnten. "Das war für alle nicht einfach", sagt Elnara Guliyeva über die Zeit des Distanzunterrichts.

Umzug in größere Wohnung

Inzwischen ist die Familie umgezogen, hat seit Juni eine Fünf-Zimmer-Wohnung. Sehr zur Freude der Kinder, die jetzt eigene Zimmer haben. Vor allem die beiden Mädchen, Veronika-Christiane (3) und Viktoria, die im Januar zwei Jahre alt wird, sind glücklich, dass zur Wohnung eine Terrasse gehört. Da konnten sie im Sommer und auch an den vergangenen spätsommerlichen Herbsttagen draußen spielen. "Bei uns läuft alles super", sagt Elnara Guliyeva und schickt ein "Gott sei Dank" hinterher. Über die auf ein Jahr befristete Aufenthaltserlaubnis, eine mögliche Verlängerung um weitere drei Jahre und dann die Aussicht auf ein dauerhaftes Bleiberecht ist sie sehr froh. "Ich bete zu Gott, dass alles gut wird", gesteht sie.

Mit den Guliyevs freut sich auch Elisabeth Schwemmer aus Nürnberg, die die Familie durch das Asyl- und Härtefallkommissionsverfahren begleitet hat. "Das ist super", sagt sie und betont, dass es überhaupt nicht ungewöhnlich sei, dass die Aufenthaltserlaubnis erst einmal befristet werde. "Das ist eigentlich immer so", sagt sie. In dieser Zeit werde darauf geschaut, dass die betreffenden Personen ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten können und es positiv weitergeht. Um Familie Guliyev macht sie sich diesbezüglich keine Sorgen. Auch vor dem Abschiebeversuch sei die Familie schon bestens integriert gewesen. Elisabeth Schwemmer verweist auf das unbefristete Arbeitsverhältnis, das Familienvater Jafar Guliyev hatte, bevor ihm die Ausländerbehörde die Arbeitserlaubnis entzogen hatte.

Nur zu gut weiß sie, wie zermürbend das oft jahrelange Warten für die Betroffenen ist. "Das sind häufig so lange Jahre der Unsicherheit", so ihre Erfahrung. Das erschöpfe viele Menschen. Umso froher ist sie, dass der Fall der Familie Guliyev jetzt ein gutes Ende gefunden hat. "Ich freue mich sehr für die Familie", bekennt Elisabeth Schwemmer. Sie selbst war absolut überzeugt, dass das Innenministerium der Empfehlung der Härtefallkommission folgen würde: "Ich habe es bislang noch nie erlebt, dass es anders war."

Die Vorgeschichte im Fall Guliyev

Amberg
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"Ich könnte tanzen vor Glück."

Elnara Guliyeva

Elnara Guliyeva

 

 

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