30.11.2020 - 16:49 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Neues Werk von Dieter Radl: Liebeserklärung an Dialekt und Heimat

Dieter Radl präsentiert sein zweites Buch, das erneut von Mundart und Bildern getragen wird. "Nird schlampert" lautet der Titel. Eines ist jetzt schon sicher, das neue Werk ist wieder eine Liebeserklärung an die Heimat.

Dieter Radl begeistert das Publikum auch mit seinem Vortragsstil.
von Andreas Royer Kontakt Profil

Ohne den großen Erfolg seines ersten Buches „Wäi mir das Schnowl gwaggsn is“ hätte sich Dieter Radl, Jahrgang 1942, sicher nicht die Mühe gemacht, knapp 60 seiner Dialekt-Gedichte zu einem weiteren Band zusammenzufassen. Rückenwind erhielt der frühere Sonderschullehrer auch durch seinen Verleger Eckhard Bodner aus Pressath.

Seiner Ansicht nach beweist sich nach der äußerst positiven Aufnahme von Radls erstem Buch erneut, dass auch bei „Nird schlampert“ die besondere Symbiose von Texten und Fotos eindrucksvoll gelungen sei. „Radls Texte und Mayers Bilder formen sich zu einem wahren Kunstwerk. Den Leser erwarten Gedichte voller Tiefgang und Lebenserfahrung sowie Meisterwerke der Fotografie, die sich harmonisch ergänzen“ sagt Bodner.

Beobachten und erinnern

Dieter Radl hat längst eine große Fangemeinde um sich geschart. Zahlreiche Lesungen und Auftritte zeugen von der Beliebtheit des Mundartautors. Triebfedern seines Handelns und Merkmale seines Stils sind die aufmerksamen Beobachtungen, aber auch die, wie er selbst sagt, gerade im Alter verstärkt auftauchenden Erinnerungen an frühere Zeiten. So geben sich Humor und Nachdenklichkeit beim Autor oft die Hände.

Was nach dessen Ansicht ja auch das tägliche Leben oder die verschiedenen Gemütslagen der Menschen mehr oder weniger stark abbildet. „Man merkt natürlich schon, dass die sogenannte Heimatliteratur immer mehr Freunde gewinnt. Das Interesse am Dialekt und an Beschreibungen der regionalen Historie ist spürbar“, so Radl, der in seinem neuen Buch verschiedene Themen des Jahreslaufs aufgreift, die Vielfalt von Natur und Kultur in den Fokus rückt, aber auch aktuelle Probleme wie Corona und die AfD nicht verschweigt. Im Gespräch nennt Dieter Radl weitere Details zu seinen Beweggründen, ein neues Buch vorzulegen.

Kein Kraftakt

Seiner Ansicht nach erfordere die Veröffentlichung in einem Buch in der Vorbereitung viel Arbeit, sei aber kein Kraftakt, da Texte im Laufe der Zeit umfangreich angewachsen seien. Manchmal brauche es aber Zeit, ein Thema im Dialekt niederzuschreiben, manchmal „fließe“ es im wahrsten Sinne aber auch federleicht.

„Der Hauptteil im Buch ist wohl die Symbiose von Bild und Text im jahreszeitlichen Ablauf. Enthalten sind aber auch Texte zur gegenwärtigen Situation, Gedanken über menschliche Verhaltensweisen, nachdenklich stimmende Überlegungen ebenso wie heitere Ereignisse und Einfälle“, nennt der Autor Schwerpunkte im neuen Werk.

Das Buch prägen neben den Gedichten auch wieder die Bilder von Walter Mayer, den Radl als früheren Berufskollegen schon lange kennt und mit dem er freundschaftlich verbunden ist. Für viele Dinge hätten sie gleiche Interessen und konforme Meinungen. „Er hat ein Bild, ich schreibe einen Text dazu, ich habe einen Text, er liefert das Bild. Da braucht es nicht viele Absprachen“, macht Radl unmissverständlich klar. Schon immer ist auch der Dialekt ein enger Begleiter des Autors. Wie er dazu beim Pressegespräch angibt, bestehe das Publikum bei Lesungen und Vorträgen meistens aus der älteren Generation, Leute, die den Dialekt noch beherrschten, ihn auch sprächen, auch nostalgische Erlebnisse spielten eine Rolle.

Heimat ist kein Wort für Nationalismus, kein Freibrief für Egoismus oder Ausgrenzung, kein Anrecht auf Alleinbesitz. Heimat ist die Kultur des Zusammenlebens.“

Dieter Radl

Dieter Radl

Für ihn wäre es aber realitätsfern, zu behaupten, der Dialekt habe eine allgemein bleibende Zukunft. Kritisch sieht er deshalb, dass sich die „digitale“ Sprache immer mehr durchsetzt, Geräte würden die lautsprachliche Kommunikation ersetzen. Zudem sei natürlich die hochdeutsche Ausdrucksweise wichtig als Zugangssprache für Beruf, Mobilität, Schriftverkehr, Amtssprache, oder Unterricht. Auf die Frage, ob wir zum Erhalt des Dialekts mehr unternehmen müssen, stellt der in der Bindergasse aufgewachsene Sulzbach-Rosenberger fest, dass er einerseits das Bemühen von immer mehr Personen spüre, den Dialekt in Wort und Schrift gegenwärtig zu halten. Auch Literatur oder Veranstaltungen bewiesen dies. „Es wäre schön, wenn der Artikel 131 der Bayerischen Verfassung in der Schule mehr Aufmerksamkeit erhalten würde, feste Stunden, um, wie es heißt, die Liebe zur Heimat zu erhalten, wobei Sprache und Dialekt unabdingbar sind.“

Heiteres und Nachdenkliches schreibt er gleichermaßen gerne. Allerdings gelängen ihm heitere Inhalte meist leichter, da es sich ja oft um eigene Erlebnisse handle. Aber auch gegenwärtige Ereignisse seien Grund für Erheiterungen. In letzter Zeit habe er aber viele nachdenkliche Stücke geschrieben, Zukunft von Natur und Umwelt, Lebenssorgen und Alltagsprobleme, aktuelle Vorkommnisse, auch Gedanken über Leben und Tod. Sinnfragen könnten das sein, meint Radl.

Sprache als Bindeglied

Wer sich mit dem Dialekt auseinandersetzt, kommt auch um den Begriff Heimat nicht herum. Für den Autor ist er ein Zusammenwirken von vielfältigen Faktoren: Menschen, Landschaft, Kultur, Geschichte, Natur. Ein Bindeglied sei dabei nach Radls Einschätzung sicher die „angeborene“ Sprache, der Dialekt! „Heimat ist kein Wort für Nationalismus, kein Freibrief für Egoismus oder Ausgrenzung, kein Anrecht auf Alleinbesitz! Heimat ist die Kultur des Zusammenlebens, so wie es auch im Positionspapier 2019 des Bezirks Oberpfalz niedergeschrieben ist.“

Fans dürfen sich auch zukünftig freuen, denn, wie Dieter Radl im SRZ-Gespräch sagt, schreibe er ständig. Er freue sich über die vielen Einladungen zu Lesungen und das Interesse am Dialekt. „Es ist für mich eine Bestätigung, unseren Dialekt als Kulturgut zu erhalten. Ob sich dann ein neues Projekt ergibt? Kommt von selbst.“

Mehr über Dieter Radl

Eberhardsbühl bei Edelsfeld
Service:

Das neue Buch von Dieter Radl

Erhältlich ist das Buch „Nird schlampert von Dieter Radl bei der Buchhandlung Volkert, Neustadt 6, oder beim Autor, 09661/32 61, Mail: dieter.radl[at]online[dot]de.

Dieter Radl, Nird schlampert, Verlag Eckhard Bodner Pressath, 104 Seiten, 40 Bilder, Hardcover, 14,90 Euro

Wahre Foto-Kunstwerke steuert Dieter Radls Freund und ehemaliger Berufskollege Walter Mayer zum neuen Band bei. Für das Gedicht „Agreimld“ hat der Fotograf dieses Bild gewählt.

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