1. Was machen die Stadtwerke eigentlich?
Die Stadtwerke sind ein Eigenbetrieb der Stadt Sulzbach-Rosenberg. Sie kümmern sich um die Schlossgarage (Tiefgarage unter dem Luitpoldplatz), die städtischen Photovoltaikanlagen und einige Nebenaufgaben wie die bezahlte Wartung inklusive Störungsnotdienst für das Fernwärmenetz der Firma Danpower. Am wichtigsten ist jedoch die Versorgung der Einwohner mit Trinkwasser.
2. Hauptaufgabe Trinkwasser
In der jüngsten Sitzung des Werkausschusses haben Kathrin Munker und Armin Wolf, die beiden Leiter der Stadtwerke, den Jahresabschlussbericht ihres Betriebs für 2023 vorgestellt. 18.420 Bewohner Sulzbach-Rosenbergs (die Zahl ist nicht identisch mit der Gesamteinwohnerzahl) haben die Stadtwerke demnach 2023 mit Trinkwasser versorgt.
Dieses kommt aus vier Tiefbrunnen: Einer befindet sich in Breitenbrunn, drei im Haselgraben (östlich von Kauerhof). Das Wasser aus den Brunnen wird in vier Hochbehältern zwischengespeichert. Diese befinden sich am Annaberg (2500 m³ Fassungsvermögen), in Feuerhof (200 m³), Rummersricht (500 m³) und am Eichelberg (3000 m³).
Für einen Kubikmeter müssen die Sulzbach-Rosenberger seit 2022 eine Gebühr von 1,18 Euro zahlen. Das gilt noch bis 2025. In den Haushalten, Firmen oder anderen Abnehmern sind derzeit 5181 Wasserzähler verbaut. Ein Hauswasserzähler kostet im Jahr momentan 45 Euro.
3. Photovoltaik-Anlagen
Die Stadtwerke betreiben fünf Photovoltaikanlagen, die alle zwischen 2010 und 2016 in Betrieb gingen und mit denen im vergangenen Jahr 82 Tonnen CO₂ eingespart worden sein sollen. Sie befinden sich auf dem Dach der Pestalozzi-Schulturnhalle (54 Kilowattpeak), auf der Pestalozzischule selbst (22 kWp), auf der Jahnschule (22 kWp), am Betriebsgebäude der Stadtwerke im Annabergweg (16,9 kWp) und dem Bauhof (9,8 kWp).
Die Anlage auf der Pestalozzi-Turnhalle speist den Strom komplett ins öffentliche Netz ein, bei den restlichen Anlagen passiert das nur mit dem Strom-Überschuss, den die Stadtwerke nicht für ihren Eigenbedarf brauchen. Ungünstig ist, dass die PV-Anlagen 2023 laut dem Jahresabschlussbericht ganze sieben Prozent weniger rentabel waren als im Vorjahr – die Erlöse gingen um 2300 Euro zurück. Die erzeugte Strommenge reduzierte sich nämlich von 127.000 kWh auf 119.000 kWh.
Dementsprechend sanken auch die Einnahmen für das Einspeisen ins Netz. Dafür können aber die Stadtwerke nichts, es werden nämlich "witterungsbedingte Gründe" angeführt. Offensichtlich hat ganz einfach die Sonne weniger geschienen, es war häufiger bewölkt oder regnerisch.
4. Leitungen und Rohrbrüche
Das Trinkwasser kommt über 131 Kilometer Hauptleitungen in die Wohnungen und Häuser der Sulzbach-Rosenberger. Zusätzlich gibt es 93 Kilometer Hausanschlussleitungen. Das Problem: Die Leitungen sind Jahrzehnte alt und in Teilen marode. Das äußert sich in Rohrbrüchen, die in den vergangenen Monaten spürbar zugenommen haben. An manchen Tagen gab es sechs Rohrbrüche gleichzeitig. Die Folge sind teils verringerter Wasserdruck in den Leitungen und unnötige Verluste von Wasser durch Versickern. Auch Straßen müssen dann manchmal gesperrt werden.
Zur Reparatur rücken Teams der Stadtwerke aus, die versuchen, die Leckagen so schnell wie möglich abzudichten – auch in Abendstunden, bei Dunkelheit, Regen oder Schneefall, und das oft knöcheltief in Schlamm und Erdlöchern stehend. In der Werkausschuss-Sitzung nahm das Dritte Bürgermeister Hildegard Geismann (SPD) zum Anlass, diesen Einsatz zu würdigen. "Ein großes Dankeschön an die Mannschaft, die auch an Wochenenden Bereitschaft macht und die Leitungen so schnell es geht wieder flickt. Das muss man auch mal sagen und sich bedanken."
5. Wasserverluste und Leitungssanierung
Obwohl insgesamt mehr Wasser gefördert wurde (+18.000 m³), haben sich die Wasserverluste auch fast verdoppelt: Sie stiegen von 4,33 Prozent in 2022 auf 7,89 Prozent in 2023. Die "nutzbare Abgabe" verringerte sich um knapp 20.000 Kubikmeter. Stadtwerke-Chefin Kathrin Munker ordnete das in der Sitzung ein indem sie darauf verwies, dass in allen deutschen Städten die Wasserverlust-Quote im Schnitt bei 8 bis 9 Prozent liegen würde – Sulzbach-Rosenberg sticht also nicht als Negativ-Beispiel besonders heraus. Dass die Situation dennoch unbefriedigend ist, ist auch Munker klar: "Wir wissen, dass wir was tun müssen."
"Wir müssten eigentlich 3 Kilometer Leitungen pro Jahr erneuern, tatsächlich schaffen wir aber nur 1,2 Kilometer. Wir müssen jetzt nach und nach investieren in das, was unter der Asphaltdecke ist", gab sie als Botschaft an die Stadträte im Werkausschuss weiter. Politisch hat sich hier jedoch schon was getan: Es wurde im Herbst ein Sanierungskonzept beschlossen, für das es auch Fördergelder gibt. Eine Fachfirma soll zunächst den Ist-Zustand der Leitungen erfassen. Darauf basierend wird dann eine Priorisierung erstellt, welche Leitungen zuerst zu sanieren sind. Bis es soweit ist, wird es aber dauern – das Konzept wird nicht vor frühestens Ende 2025 fertig.
6. Wie kritisch ist die Finanzlage?
Die Finanzen sind nicht wirklich rosig. Im Jahresbericht ist recht offen davon die Rede, dass sich die Lage "insgesamt deutlich verschlechtert" habe. Die Stadtwerke hatten 2023 einen Schuldenstand von 1,85 Millionen Euro und erwirtschafteten zugleich ein Minus von 166.304 Euro (siehe Infokasten unten). Jedoch ist die Werksleitung darüber sogar noch einigermaßen froh, es wurden nämlich vorab sogar 175.000 Euro Minus prognostiziert.
Als Gründe für die Verlustrechnung werden unter anderem die Gebührensenkung für die Wasserversorgung zum 1. Januar 2022 angeführt und dass die Tiefgarage dauerhaft defizitär ist. Das hängt mit den Parkgebühren zusammen, die seit 2013 nicht mehr erhöht wurden und im Vergleich sehr günstig sind. Das ist politisch gewollt, um das Parken dort attraktiv zu machen, reduziert umgekehrt aber die Einnahmemöglichkeiten der Stadtwerke. Immerhin sind die Einnahmen aus den Parkgebühren wieder gestiegen, weil die Sanierung abgeschlossen ist.
Geringere Einnahmen in den Bereichen Wasserverkauf und PV-Anlagen, gestiegene Kosten für das Personal (Tarifabschlüsse, Inflationsausgleich) und große Investitionen ins marode Leitungsnetz (allein 2023 wurden 149.000 Euro ins Netz investiert) tragen zum Defizit bei.
7. Blick in die Zukunft
Der oben erwähnte Jahresfehlbetrag von 166.000 Euro wird durch den Stadthaushalt ausgeglichen – es gibt quasi einen Zuschuss aus der Stadtkasse. Das wird wohl auch die nächsten Jahre so bleiben. Denn für das laufende Jahr rechnen die Stadtwerke mit einem Verlust in Höhe von 199.000 Euro, 2025 wird es dem Jahresbericht zufolge ähnlich sein. Zur Wahrheit gehört aber auch: Ernsthaft gefährdet sind die Stadtwerke dadurch nicht, das Unternehmen ist stabil und hat eben mit vielen Herausforderungen zu kämpfen wie den Nachwirkungen der unaufschiebbaren Tiefgaragen-Sanierung oder den Kosten durch das marode Netz.
Stadtwerke Sulzbach-Rosenberg: Betriebszweige und Finanzen 2023
- Wasserversorgung: 1.604.688 Euro Umsatzerlöse (-0,35 Prozent im Vergleich zu 2022)
- Schlossgarage (Tiefgarage Luitpoldplatz): 102.131 Euro (+15,17 Prozent)
- Photovoltaikanlagen: 30.983 Euro (-6,85 Prozent)
- Nebengeschäft: 287.845 Euro (-11,48 Prozent)
- Gesamt-Umsatzbilanz 2023: 2.025.647 Euro (31.842 Euro oder -1,55 Prozent im Vergleich zu 2022)
- Schuldenstand: 1.856.000 Euro (183.000 Euro wurden 2023 zurückgezahlt). Dafür mussten 66.000 Euro Zinsen gezahlt werden.
- Jahresfehlbetrag: 2023 machten die Stadtwerke ein Minus von 166.304 Euro. Das Defizit wurde durch den städtischen Haushalt ausgeglichen.
- Werkleitung: Bis März 2024 Roland Kraus und als Stellvertreter Armin Wolf. Seit März 2024 Armin Wolf und Kathrin Munker (gleichberechtigt).























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