14.07.2020 - 08:00 Uhr
TännesbergOberpfalz

Alles in Querlage

Langweilige Massenware gibt es bei ihr nicht, Maria Uhlemann verwandelt in ihrer Polsterei alte Möbelstücke in Unikate mit Charakter.

Handwerk kreativ: Mit ihrem eigenen Laden und einer Polsterei hat sich die Tännesbergerin Maria Uhlemann ihren Lebenstraum erfüllt. Ihrem Geschäft hat sie den Namen "Querlage" gegeben.
von Autor EWAProfil

Wer die Polsterwerkstatt von Maria Uhlemann direkt am Tännesberger Marktplatz (Kreis Neustadt/WN) betritt, kommt erst einmal aus dem Staunen nicht mehr heraus. Da findet sich zum Beispiel eine stilvolle Chaiselongue, die früher mal ein altes Küchenkanapee war. Oder ein Klapphocker aus den 80er Jahren, der jetzt, mit Ziegenfell überzogen, zum echten Hingucker geworden ist.

Beeindruckende Verwandlung: Aus einem alten Kanapee aus Großmutters Zeiten wurde eine edle Chaiselongue.

Ganz anders als bei Maria Uhlemann und doch Handwerk: Jörg Zechmayer über Erfolgsfaktoren im Handwerk, das sich immer mehr der Industrie annähert.

Oder Sessel aus den 50ern, die sofort die Erinnerung an Rock’n’Roll und Wirtschaftswunder aufkommen lassen, auch wenn sie mit ihrem neuen Look in jede moderne Wohnung passen. „Ich liebe es, alte Möbelstücke zu bekommen und zu erleben, was man daraus machen kann“, sagt die Raumausstattermeisterin, die sich mit ihrer eigenen Werkstatt im ehemaligen Haus ihrer Großeltern einen Traum erfüllt hat. „Meinen Stil würde ich als besonders, aber einfühlsam beschreiben.“

Alte Möbel erstrahlen in der Polsterei von Maria Uhlemann in neuem Glanz.

In den Beruf verliebt

Das Herz von Maria Uhlemann schlägt nicht nur für alte Möbel, sondern auch für farbenfrohe Stoffe. Diese geben jedem Stück, das in ihrer Werkstatt landet, einen ganz besonderen Charakter. Natürlich sind auch Bezüge aus Leder, Kunstleder oder Fell möglich. „Ich beziehe eigentlich nie ein Sofa zweimal gleich, jedes Teil ist ein echtes Einzelstück.“ Das schätzen auch ihre Kunden, die teilweise bis von Cham, Regensburg oder Amberg kommen, um aus alten Möbeln neue Lieblingsstücke machen zu lassen. „Man kann wirklich alles wieder herrichten“, so Maria Uhlemann überzeugt. „Es gibt eigentlich nur eine einzige Ausnahme: Nämlich dann, wenn der Wurm so im Holz sitzt, dass alles zusammenkracht.“ Doch das kommt Gott sei Dank selten vor, so dass ihr die Arbeit so schnell nicht ausgeht.

Maria Uhlemann in ihrer Werkstatt.

„Es war wirklich die beste Entscheidung meines Lebens, dieses alte Haus zu sanieren und mich mit der Polsterei selbständig zu machen“, sagt die 28-Jährige glücklich und wirft einen Blick durch die gemütlichen Räume. „Denn so kann ich mir die Zukunft aufbauen, die ich mir wünsche.“ Dabei wollte sich Maria Uhlemann nach ihrem Fachabitur mit einer Lehre als Raumausstatterin erst einmal nur auf ihr Studium zur Innenarchitektin vorbereiten.

Nähmaschine statt Computer: Maria Uhlemann entschied sich für die Meisterprüfung und gegen ein Studium.

„Ich dachte mir eben, bevor man in die Theorie geht, sollte man erst einmal was von der Praxis gesehen haben.“ Doch dann verliebte sie sich so sehr in diesen Beruf, dass sie sich für die Meisterprüfung statt für ein Studium entschied. „Das Schöne ist, dass man im Handwerk sofort sieht, was man den ganzen Tag getan hat. Diese Arbeit ist viel erfüllender, als vor dem Rechner zu sitzen und irgendwelche Programme durchzuklicken.“

Maria Uhlemann an der Nähmaschine in ihrer Polsterwerkstatt.

Reparieren statt wegwerfen

Die Idee, sich selbständig zu machen, kam ziemlich bald. Und so entstand in dem Haus, in dem ihr Urgroßvater einst eine Metzgerei betrieb, nach zwei Jahren Planung und Sanierung ihre Polsterwerkstatt. „Es gab keinen Plan B“, sagt sie und lacht. „Es musste einfach funktionieren.“ Und das tat es dann ja auch. „Viele meiner Kunden kommen mit alten Erbstücken. Da ist zum Beispiel der Sessel von der Oma, auf dem man als Kind schon gesessen ist. Oder die alte Küchenbank, die zum Wegschmeißen einfach viel zu schade ist.“ Regelmäßig fährt Maria Uhlemann auch zur Beratung direkt zu ihren Kunden nach Hause. Schließlich ist es für sich auch wichtig zu sehen, in welcher Umgebung die Möbelstücke später stehen werden. „Ich muss einen Eindruck von dem Raum bekommen. Denn bei mir ist das nicht wie im Möbelhaus, ich sehe immer das Konzept dahinter.“

Das Werkzeug eines Polsterers.

Weil sie kreativ denkt und gerne auch mal quer berät, wundert es sich nicht, dass sie ihren Laden und ihre Werkstatt „Querlage“ genannt hat. Ein weiterer Grund ist jedoch auch, dass sich das Haus oben auf dem Berg, in dem sich beide befinden, die direkte Querlage des historischen Marktplatzes in Tännesberg bildet. In ihrem Laden vor der Werkstatt finden sich außerdem Mustermöbel, die zum Verkauf stehen. „Natürlich will meinen Kunden so auch zeigen, was man aus alten Schätzen zaubern kann. Ich freue mich sehr, dass das Interesse an meiner Arbeit immer mehr steigt. Viele merken, dass man statt wegwerfen auch reparieren kann.“ Ein wichtiger Schritt zur Nachhaltigkeit, das in den Zeitgeist passt.

Maria Uhlemann arbeitet gerne mit farbenfrohen Stoffen.

Das Polsterhandwerk hat viel mit traditioneller Handwerkskunst zu tun. Aus klassischen Handwerksberufen sind aber auch neue, industrielle Berufe entstanden. Daran erinnert Dr. Tobias Hammerl, Leiter des Freilandmuseums Neusatz-Perschen.

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