04.11.2019 - 15:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Brandserie bei Weiden: Erste Details zu den drei mutmaßlichen Tätern

Seit Montag ist bekannt: Nun sitzen drei junge Männer in Untersuchungshaft. Sie sollen für die Brandserie zwischen Weiden und Luhe verantwortlich sein. Auch am Montag nehmen Brandspürhunde die Fährte auf.

Eine Scheune in Rothenstadt wurde bei einer Brandserie stark beschädigt. Der Brandgeruch war kilometerweit wahrnehmbar.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Nicht nur die Vernehmungen gehen weiter, die Kripo ermittelt auch intensiv vor Ort. Am Montag durchstreifen Brandspürhunde den teils abgebrannten Bauernhof in Grünau bei Luhe. Die Ermittler stehen vor einem Rätsel: Gingen die drei Burschen aus einer Laune heraus auf Tour, ließen ihrer Lust am Zündeln freien Lauf, versuchten sie ihre Probleme zu kompensieren?

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Im Audi zum Zündeln

Ein nachvollziehbares Motiv sei derzeit trotz aller intensiven Nachforschungen noch nicht erkennbar, bestätigt Leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer. Der 18- und die beiden 19-Jährigen gehören zu einer Clique. Sie sind "nicht einschlägig vorbestraft", kommen aus unterschiedlichen Berufen, ergänzt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Regensburg.

Zu den Tatorten in Moosbürg, Unterwildenau, Pirk, Rothenstadt, Grünau und Pischeldorf waren sie offenbar mit dem Audi A 3 eines der Tatverdächtigen unterwegs. Offenbar gibt es keine feste Rollenverteilung bei den Anschlägen. Auch war offenbar nicht jeder aus dem Trio bei jeder der inzwischen sechs Brandstiftungen beteiligt. Die Angaben der Tatverdächtigen, die inzwischen je einen Strafverteidiger an ihrer Seite haben, differieren. Die Erkenntnisse aus den Vernehmungen müssen daher penibel mit den Ergebnissen der Spurensicherung verglichen werden, deutet Gerd Schäfer an. "Die Aussagen passen nicht nahtlos zusammen." Sehr zurückhaltend gibt sich der Sprecher der Staatsanwaltschaft Weiden zum Tatvorwurf. So sei eine Anklage wegen vorsätzlicher Brandstiftung (Freiheitsentzug von einem bis zehn Jahre), einer minderschweren Brandstiftung (sechs Monate bis fünf Jahre) als günstigste Variante für die vermeintlichen Täter, aber im schlimmsten Fall eine Anklage wegen einer schweren Brandstiftung im Bereich des Möglichen, da die Grünauer Landwirtin auf ihrem Hof unmittelbar in Gefahr war. Zudem sei die Frage zu klären, ob eventuell noch Jugendstrafrecht anzuwenden sei. Schäfer nennt das Stichwort "Reiferückstände".

Chronologie der Brandserie südlich von Weiden.

Alkoholtest

Noch am Tatort ließen sich in der Nacht zum Freitag ein 18-Jähriger (im sozialen Bereich tätig) aus der Kreisstadt Neustadt sowie ein 19-jähriger Weidener (noch Auszubildender in einem Handwerk) widerstandslos festnehmen. Zur weiteren Spurensicherung mussten sie sich einem Alkoholtest unterziehen. Der Audi A 3 des Weideners wurde in der Nähe des Tatortes in Pischeldorf sichergestellt.

Aufgrund von Aussagen und "weiteren Erkenntnissen" geriet dann schnell ein weiterer 19-jähriger Weidener ins Fadenkreuz der Ermittler, die ihn in der Nacht zum Samstag festnahmen. Auch gegen ihn erließ der Ermittlungsrichter Haftbefehl. Die Wohnungen der Verdächtigen (zumindest zwei von ihnen leben nicht mehr zu Hause) hat die Polizei durchsucht.

Aussagen unterschiedlich

"Wir sind in einem sehr frühen Stadium der Aufklärung. Unsere Ermittlungen konzentrieren sich auf die Frage, ob wir die Richtigen haben", berichtet Schäfer. Die bisherigen Ermittlungsergebnisse stimmten ihn zuversichtlich. "Es gibt teilweise Angaben, die für eine Tatbeteiligung sprechen. Wir gehen derzeit jedoch davon aus, dass sie nicht immer als Trio unterwegs waren."

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Info:

Lebenslange Hypothek für Brandstifter: Ansprüche der Rettungskräfte im sechsstelligen Bereich

Werden die drei tatverdächtigen Brandstifter rechtskräftig verurteilt, haben sie für den angerichteten Schaden aufzukommen – eine Hypothek, an der sie wohl ihr Leben lang zu tragen haben. Die Summe von rund 600 000 Euro, die von der Polizei derzeit als Sachschaden genannt wird, werden sich die Versicherungen von ihnen zurückholen wollen.

Auch eine Privatinsolvenz befreie die drei Verdächtigen, bei denen als Tatmotiv „weder Hass noch Rachsucht“ erkennbar sei, nicht von der finanziellen Verantwortung für die Taten. Denn, so erläutert Leitender Oberstaatsanwalt Gerd Schäfer: „Die Restschuldbefreiung gilt nicht für unerlaubte Handlungen.“

Der Schaden ist aber noch weitaus höher. So berechnet etwa die Stadt Weiden für den Einsatz einer Feuerwehrgruppe (Fahrzeug mit sechs Helfern) pro Stunde zwischen 250 und 300 Euro. Die Kostensätze bei den anderen Hilfsorganisationen sind ähnlich hoch. Beim Brand in Rothenstadt waren 249 Einsatzkräfte, teilweise bis zu 14 Stunden, vor Ort. Somit dürften allein hierfür Einsatzkosten von über 100 000 Euro anfallen. In Grünau verhinderten 150 Retter ein Übergreifen der Flammen auf das Wohnhaus.

Hinzu kommen die Lohnersatzforderungen, welche die Arbeitgeber der ehrenamtlichen Helfer bei den Kommunen geltend machen können. Auch die werden dann ebenfalls versuchen, sich bei den Brandstiftern schadlos zu halten.

Hans Winter, Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbandes, hofft, dass die betroffenen Landwirte „wirklich gut versichert“ sind. „Es gibt da große Unterschiede, und die werden oft erst im Fall des Falls deutlich.“ Für die Entsorgung des „Brandgutes“ fielen nämlich horrende Kosten an. Die Dächer landwirtschaftlicher Nebengebäude seien oft noch mit Eternit eingedeckt. Die alten Platten enthielten Asbest und müssten höchst sorgfältig (und damit sehr teuer) entsorgt werden. Auch das angekohlte Stroh sowie angesengte Bretter und Balken gelten als Sondermüll.

Viele Tonnen des Materials müsse unter hohen Schutzmaßnahmen auf eine spezielle Deponie, etwa nach Bamberg, gebracht werden. „Da fallen wirklich extreme Summen an“, betont Winter.

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