21.02.2019 - 21:14 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Donnerstag war ein Stresstest für die Leitstelle

An Tagen wie diesen ist der Integrierten Leitstelle nicht zum Singen zumute. Innerhalb von nicht einmal zwei Stunden müssen die Disponenten Feuerwehren und Rettungswagen zu sieben Einsätzen losschicken, die alle dramatisch klingen.

Aus dem Wrack dieses Toyotas befreien Rettungskräfte am Donnerstagmorgen einen schwerverletzten US-Soldaten. Doch das ist beileibe nicht der einzige Fall, der von Feuerwehr, THW und Rotem Kreuz enorme Kraft verlangt.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

5.04 Uhr: Unfall mit einem Lastwagen bei Naabdemenreuth, 5.32 Uhr Brandalarm in einer Firma in Meerbodenreuth, 6.04 Uhr Verpuffung mit Schwerverletztem im Constantia-Werk Pirkmühle, 6.12 Uhr schwerer Verkehrsunfall auf der B 470 bei Schwarzenbach, 6.18 Uhr Wohnungstüröffnung bei einer Person mit psychischen Problemen in Waldsassen, 6.40 Uhr Unfall bei Altenstadt/WN, 6.49 Uhr Unfall in der Christian-Seltmann-Straße in Weiden.

Weiden in der Oberpfalz

Allein in Pirkmühle waren neun Feuerwehren, ein THW-Fachberater, ein Rettungswagen, ein Notarzt, ein Helikopter und ein Rettungsdienst-Einsatzleiter vor Ort. Doch was geschieht, wenn Otto Normalpatient bei diesem Szenario plötzlich im Wohnzimmer Herschmerzen bekommt oder beim Nachbarn gegenüber dicker Qualm aus dem ersten Stock dampft? "Schwierig, aber machbar", sagt ILS-Sprecher Jürgen Meyer. "Die Schichtleiterin hat um 6 Uhr die Nachbesetzung alarmieren lassen. Bis 9.30 Uhr waren zehn Leute da." Normalerweise sind es in der Frühschicht fünf, untertags drei und nachts drei. "Und bei Bedarf können wir auch noch aus der Verwaltung rekrutieren", beruhigt Meyer.

Pirkmühle

Daneben hat das Rote Kreuz mit dem Rettungszweckverband Nordoberpfalz einen Vertrag. Darin wird zusätzliches Personal garantiert. Für Sonderbedarf stehen etwa in Tirschenreuth oder Windischeschenbach weitere Rettungswagen bereit. Zusammen mit Krankentransportern könnten so theoretisch bis zu 32 Rettungsfahrzeuge zwischen Stiftland und Luhe ausrücken.

Auch wenn dieser Donnerstag vielen lange in Erinnerung bleiben wird – an die Grenzen stieß die Leitstelle bei einem anderen Ereignis: dem Unwetter vom Sonntagabend, 24. September 2018. "Das hat keine Meteorologe kommen sehen." Innerhalb von wenigen Minuten ging im Raum Grafenwöhr und Weiden die Welt unter. "Das was dann kam, kannst du in einer Schicht nicht stemmen", sagt Meyer.

Schwarzenbach bei Pressath

Trotzdem geriet niemand in Lebensgefahr, weil die Rettungskräfte nicht hinterhergekommen wären. An einem durchschnittlichen Arbeitstag arbeiten Disponenten 40 bis 50 Telefonate in acht Stunden ab. "Das reicht vom Durchfall bis zum Sturz." Bei aller Professionalität, bekommen aber auch Notfallsanitäter, die schon viel gesehen und gehört haben, dabei manchmal Gänsehaut, erklärt Meyer. "Oft wenn es um Kinder, Verwandte oder Freunde geht."

Altenstadt an der Waldnaab
Windischeschenbach

Bei diesem Unwetter stieß die Leitstelle an ihre Grenzen

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.