13.01.2021 - 17:27 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Fitnessstudios und Tanzschulen stöhnen: Lockdown geht an die Substanz

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Der Lockdown, der womöglich erneut in die Verlängerung geht, entwickelt sich für Fitnessstudios, Tanzschulen und Einzelhändler zur Durststrecke. Noch ist offen, wer dieses Rennen durchsteht. Für Insider ist klar: Nicht alle kommen ins Ziel.

Während des ersten Lockdowns 2020 hat Gerd Paulus vom Fitnessstudio Injoy in Weiden in eine neue Lüftungsanlage investiert, um seine Kunden noch besser zu schützen. Doch das bewahrte ihn nicht vor der Schließung, die nun schon seit Anfang November andauert.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Das Jahr 2020 hat Gerd Paulus mit seinem Weidener Fitnessstudio Injoy noch ganz gut überstanden. "Obwohl wir bei unseren Mitgliedern keine Beiträge abgebucht haben, wenn geschlossen war", wie er betont. "Wir sind der Meinung, das steht uns nicht zu." Die große Frage sei jetzt allerdings, wie es 2021 weitergeht. Besonders ungünstig wäre es, wenn es erneut in kurzen Abständen zu Öffnungen und Schließungen käme. Er hat die Fixkosten jetzt so weit wie möglich runtergefahren, um über die Runden zu kommen. Trotzdem meint er leicht resigniert: "Ich werde jetzt wohl bis 70 arbeiten müssen, bis alles wieder im Fluss ist."

Wegen Corona neu investiert

Eigentlich wollte sich der fast 66-Jährige bald peu à peu zurückziehen. Doch daraus werde jetzt wohl nichts. 2020 sei dank der Kurzarbeiterregelung noch gut zu überstehen gewesen. Inzwischen habe er auch die Zusage erhalten, dass er über das staatliche Förderprogramm rund 50 Prozent des Umsatzes von November 2019 erhalten werde. Für Dezember hofft er auf dieselbe Unterstützung. Geld geflossen ist allerdings noch nicht. Und der Geschäftsmann hat – gerade wegen Corona – im vergangenen Frühjahr neu investiert. "Wir sind mit unserer Belüftung zwar schon gut bestückt. Aber im Cycling-Bereich haben wir noch einmal aufgerüstet. Dort wird hart trainiert. Deshalb haben wir eine neue Lüftungsanlage einbauen lassen. Sie zieht die Luft nach oben ab, so wie es Fachleute wegen dem Virus empfehlen."

Bis zu 40 Prozent Geschäftsaufgaben befürchtet der Gaststättenverband bei zu langem Lockdown

Weiden in der Oberpfalz

Für Fitnessstudios wie seines, die seit November geschlossen haben, wird 2021 zum Krisenjahr, ist Paulus überzeugt. Durchschnittlich 15 bis 30 Prozent der Mitglieder würden pro Jahr kündigen. "Im Januar/Februar futtern wir uns normalerweise Sommerspeck an." Sprich: Viele Menschen starten sportlich aktiv ins neue Jahr, häufig in einem Fitnessstudio. Doch das falle 2021 weg. Die Neukunden von 2020 konnten wegen der mehrfachen Schließungen nicht so gut betreut werden. "Jetzt gehen bei uns Kündigungen ein, die wir nicht auffangen können."

Tanzschule fürchtet ums Überleben

"Schrecklich" findet Claudia Höllriegl, die Chefin der gleichnamigen Tanzschule, die aktuelle Situation. Die in der Regel vierteljährlichen Starts der Tanzkurse habe sie inzwischen schon sieben Mal verschoben. "Wir tüfteln und planen, und dann ist es wieder nichts. Das macht mürbe, macht fertig." Im Sommer, während der Corona-Lockerungen, gab es wegen der Hitze keine Interessenten, blickt sie zurück. Dann im September: "Ein toller Start." Mehrere Tanzkurse waren voll. "Die Schüler wollten endlich Action." Doch nicht alle Kurse konnten bis 1. November beendet werden. Manche Kunden warten noch auf die Fortsetzung.

Auch für Tochter Emilie (22), die jetzt mit im Geschäft ist, sei das unangenehm gewesen. "Sie hat ihre dreijährige Ausbildung beendet, freut sich auf den Arbeitsstart und dann wird zugesperrt." Claudia Höllriegl gibt offen zu: "Wir fürchten ums Überleben." Sie wäre glücklich, wenn die Tanzschule im März wieder aufmachen könnte. "Die Hoffnung stirbt zuletzt."

Die Corona-Pandemie hat auch verzögerte Insolvenzanträge zur Folge

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So blauäugig seien die Weidener Einzelhändler nicht, dass sie mit einer Öffnung nach dem 10. Januar gerechnet hätten, betont deren Verbandschef Tobias Sonna. Trotzdem erschwere die Verlängerung für viele die ohnehin schon angespannte Situation. Gerade die Wochen vor und nach Weiden seien für den Einzelhandel wichtig. "Die Menschen haben Zeit zum Einkaufen, oft auch Gutscheine." Dass es bis Montag sogar verboten war, einen Abholservice anzubieten, sei deshalb bei vielen Kollegen auf Unverständnis gestoßen. Jetzt hofft die Branche auf rege Nutzung. Ihre Auswahl können die Kunden per Telefon, Internet oder am Schaufenster treffen, dann bestellen und zur vereinbarten Zeit abholen. "Nur ins Geschäft, zum Beispiel zum Anprobieren, dürfen sie leider nicht." Viele Kollegen würden ihre Kunden und deren Geschmack aber gut kennen und könnten so bestens bei der Auswahl helfen.

Trotz dieser Abholmöglichkeit befürchtet Tobias Sonna weitere Geschäftsaufgaben im Einzelhandel. Dabei sei der Leerstand in der Innenstadt jetzt schon sehr hoch, Neuzugänge würden seltener. Sein Appell: „Wir brauchen Konzepte für die Zukunft.“ Auch die Wirtschaftsförderung der Stadt oder Institutionen wie die Handelskammer seien gefordert. Alle sollten hier neue Ideen beisteuern.

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