07.06.2020 - 13:33 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Fitnessstudios in Weiden und Neustadt/WN öffnen wieder

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Endlich wieder Sport: Fitnessstudios dürfen ab Montag, 8. Juni, wieder öffnen. Betreiber aus Weiden und Neustadt/WN erklären, worauf sich Sportfans einstellen müssen. Und sie beantworten die häufigste Frage: Training mit Maske?

Die Fitnessstudio-Betreiber mussten viel Ausdauer an den Tag legen: Von 17. März bis Anfang Juni mussten die Studios auch im Raum Weiden und Neustadt/WN geschlossen bleiben. Nun bereiten sie sich auf die Öffnung vor: Florian Büttner von "FairFitness" im NOC sperrt einzelne Geräte, um den Abstand zwischen Kunden einzuhalten.
von Kathrin Moch Kontakt Profil

"Essen gehen ist nicht gefährlicher als bei uns zu trainieren", sagt Gerd Paulus vom "Injoy"-Fitnessstudio in Weiden. Seit 1987 arbeitet er in der Fitness-Branche. In den vergangenen Jahrzehnten hat er schon einige "Katastrophen" überstanden: einen Brand und das Aufkommen von Billig-Studios zum Beispiel. Doch an so etwas wie das Coronavirus hat er "in keinster Weise gedacht". Eigentlich hatte Paulus vor Beginn der Coronakrise langsam auf seinen Ruhestand hingearbeitet. Nun wird er wohl noch bleiben, um sein Team zu unterstützen.

Kritik an der Politik

Denn seit 17. März durfte auch in den Fitnessstudios in der Stadt Weiden und dem Landkreis Neustadt/WN nicht mehr geschwitzt werden, um eine Ansteckung mit dem Coronavirus zu verhindern. Die Kunden blieben aus, die Kosten liefen weiter: Das sorgte bei vielen für wirtschaftliche Probleme. Nun ist Besserung in Sicht. Am Montag, 8. Juni, dürfen Fitnessstudios wieder öffnen – unter der Einhaltung strenger Regeln.

Studiobetreiber aus Amberg erzählen von ihren Erfahrungen in der Krise

Amberg

Für viele Betreiber ist das eine langersehnte Nachricht. Florian Meier, Geschäftsführer von "Sportakus" in Eschenbach, hat wenig Verständnis für die Entscheidung der Politik, Fitnessstudios erst jetzt wieder zu öffnen: "Bei uns ist es gut umsetzbar, die Geräte zu desinfizieren und den Mindestabstand einzuhalten. Auch das Verfolgen der Infektionsketten ist durch den Check-In der Mitglieder einfach."

Solidarische Kunden

Durch die geschlossene Zeit sei ihm ein wirtschaftlicher Schaden entstanden, der in die Tausende geht. "Der häufigste Grund, weshalb Mitglieder gekündigt haben, war Angst oder Unsicherheit. Manche hatten selbst wirtschaftliche Engpässe, weil sie in Kurzarbeit waren." Trotzdem sei der Großteil der Mitglieder solidarisch gewesen und habe keine Beiträge zurückverlangt, allerdings hätten einige Kunden Verträge stillgelegt.

Auch im Fitnessstudio "Sportakus" in Eschenbach laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren: Geschäftsführer Florian Meier (rechts) desinfiziert Trainingsgeräte.

Auch für Andreas Weber, Inhaber von "Powerfit" in Neustadt, waren die vergangenen Monate eine finanzielle Herausforderung: "Das ist ein wirtschaftlicher Verlust, den man nicht einholen kann. Das Geld ist weg." Teile der Maßnahmen, wie das Desinfizieren der Geräte nach Benutzung, seien im Powerfit schon vor dem Ausbruch des Virus Standard gewesen. Immerhin nutzte das Team in Neustadt die Zeit dazu, Reparatur- und Wartungsarbeiten durchzuführen. Trotzdem seien Kunden und Team "nun ganz heiß auf die Eröffnung".

Auch in Amberg-Sulzbach bereiten sich die Studios vor

Sulzbach-Rosenberg

Auch in Eschenbach freuen sich die Mitglieder, wie Florian Meier erzählt: "Wir haben ältere Mitglieder und welche mit gesundheitlichen Problemen. Ich habe Anrufe von weinenden Kunden bekommen, die gefragt haben, wann wir endlich wieder öffnen, weil ihre Beschwerden sich verschlimmert haben."

Geschlossene Duschen und Umkleiden

Doch wie sieht das Training im Fitnessstudio während der Pandemie nun aus? Gerd Paulus erklärt: "Umkleiden und Duschen bleiben geschlossen. Ebenso die Sauna. Wir benutzen nur jedes zweite Gerät, um für genügend Abstand zu sorgen. Über den Check-In kann die Anwesenheit der Mitglieder verfolgt werden." Wie in allen anderen Studios, müssen die Kunden auch im "Sportakus" bereits in Sportkleidung kommen. Schuhe werden im Eingangsbereich getauscht. Im "Vitalis" in Weiden dürfen die Mitglieder nur nach vorheriger Anmeldung trainieren. Auch der Reha-Sport wird dort wieder aufgenommen.

Auch im Landkreis Tirschenreuth plagen Fitnessstudio-Betreiber Existenzsorgen

Tirschenreuth

Wie für alle anderen Kurse gibt es auch hier Einschränkungen. Susi Workmen vom "Vitalis" erklärt, dass im größten Kursraum normalerweise rund 40 Personen trainieren könnten – nun sind es maximal 12. "Aber unsere Kunden sind super kooperativ und erkundigen sich nach den Vorschriften." Das Team im "Vitalis" sei hoch motiviert: "Wir freuen uns, wenn sich die Räume endlich wieder mit Leben füllen." Im "FairFitness" im zweiten Stock des NOC ist die maximale Kursdauer auf 60 Minuten beschränkt. Außerdem müsse genug Zeit zwischen den Kursen sein, erklärt Studioleiter Florian Büttner. Wie viele Leute in den Raum dürften, hänge von der Raumgröße und den Lüftungsanlagen ab.

Maske beim Training nicht nötig

Auch für Büttner waren seine Mitglieder eine wichtige Stütze: "Unsere Kunden haben uns unglaublich unterstützt und uns gut durch die vergangene Zeit gebracht." Überhaupt ginge es in Fitnessstudios häufig freundschaftlich und familiär zu. Das Team von "FairFitness" habe deshalb während der Schließzeit Kontakt mit den Mitgliedern gehalten. Ab 18. Mai bot das Studio gemeinsame Trainingseinheiten im Freien an: "Das kam super an. Die Idee wollen wir auch in Zukunft, auch nach Corona, beibehalten." Die meistgestellte Frage kurz vor der Wiedereröffnung sei, ob man mit Maske trainieren müsse. Büttner erklärt: "Der Mund-und-Nasen-Schutz muss im Bereich der Toiletten und im Eingangsbereich getragen werden. Beim Training selbst darf man ihn abnehmen."

Kostenfreie Bonuszeit in vielen Studios

Damit die geschlossene Zeit für die Kunden, die weiterhin Beiträge gezahlt haben, nicht vergeudet ist, haben sich die meisten Studiobetreiber etwas einfallen lassen: Die Kunden des Fitnessstudios im NOC bekommen die geschlossenen Monate als kostenfreie Bonuszeit gut geschrieben. Gerd Paulus hat im "Injoy" den monatlichen Preis gesenkt. Trotzdem sieht der erfahrene Studiobetreiber harte Zeiten vor sich: "Wir fahren die kommenden Monate auf Sicht. Das wird ein harter Kampf die nächsten Jahre."

Besonders die fehlenden Neuanmeldungen setzen den Studios zu. Florian Meier vom "Sportakus" erklärt: "Neuanmeldungen kompensieren normalerweise die natürliche Abnahme in den Sommermonaten." Meier setzt seine Hoffnung auf einen Rebound-Effekt: "Vielleicht kommen die Kunden jetzt erst recht, weil es so lange verboten war." Florian Büttner im NOC will mit kostenlosen Monaten neue Kunden werben. Trotz der anstehenden Öffnung geht der Kampf – vor allem um Neukunden – für die Fitnessstudios also weiter. Alle Fitnessstudio-Betreiber sind sich jedoch einig: Sport stärkt das Immunsystem. Gerade in Zeiten wie diesen sei er deshalb besonders wichtig.

Studioleiter Florian Büttner von "FairFitness" im NOC bei den Vorbereitungen für die Wiedereröffnung am 8. Juni.
Kommentar:

Angemerkt

Ein Wort schmuggelte sich in den vergangenen Wochen oft in die Schlagzeilen: systemrelevant. Während der Begriff gerade Hochkonjunktur hat, liegen seine Wurzeln in den Tiefen der amerikanischen Finanzwelt. Eine staatliche Rettungsaktion im August 1914 in New York gilt als Geburtsstunde des Ausdrucks „too big to fail“ (zu deutsch: zu groß zum Scheitern) – oder eben systemrelevant. Gemeint waren damit vor allem Banken, die so groß sind, dass sie bei einem Scheitern das gesamte Finanzsystem ins Wanken bringen würden.
Doch wer oder was ist nun „too big to fail“ in Deutschland? Bei manchen Dingen erscheint die Entscheidung leicht: Wir alle müssen essen und trinken. Wir brauchen Strom, Geld und fließend Wasser. Wir brauchen Informationen und eine medizinische Versorgung. Und anscheinend Toilettenpapier in rauen Mengen. All diese Dinge sorgen für unser physisches Wohl. Aber was ist mit unserem psychischen Befinden? Was hilft uns, in der Krise nicht durchzudrehen? Der Begriff der Systemrelevanz wird an dieser Stelle sehr dehnbar für mich.
Deshalb kann ich die Entrüstung der Fitnessstudio-Betreiber über die späte Wiedereröffnung durchaus nachvollziehen. Auch dort werden Schmerzen, körperlich und seelisch, gelindert. Ein Fitnessstudio ist heute nicht mehr die nach Schweiß müffelnde Muckibude für Bodybuilder, sondern längst auch ein Ort der Heilung für Menschen mit gesundheitlichen Beschwerden. Tattoos vor Fitness? Shopping vor Schule? Was die Bundesregierung sagt, ist das eine. Welche Systeme für einzelne Menschen „too big to fail sind“, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Kathrin Moch

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