Zwölf Lichtblicke für die Oberpfalz

Zum 25. Jubiläum der Aktion "Lichtblicke" hatten Oberpfalz-Medien Menschen gesucht, die sich besonders sozial engagieren. Viele wurden von Lesern vorgeschlagen. Ein Überblick aller zwölf "Lichtblicke".

von Gabi EichlProfil

Kann es sein, dass ehrenamtliches Engagement weniger altruistisch ist, als man annehmen möchte? Dass der nicht entlohnte Einsatz für ein besseres Leben anderer gar nicht uneigennützig ist? Dass ein Ehrenamt weit mehr gibt, als es verlangt?

Diese Fragen gehen einem durch den Kopf, wenn man nach langen Gesprächen mit Menschen nach Hause fährt, die jahrzehntelang schon eigene Lebenszeit ohne Bezahlung dafür hergeben, um anderen Menschen etwas Gutes zu tun. Unbekannten anderen Menschen, nicht etwa der Familie, Freunden oder Bekannten. Dass man Familienangehörigen und Freunden hilft, das versteht sich von selbst, das muss man nicht immer gern tun, aber das tut man. Dass man aber freie Zeit, viel freie Zeit, ohne jede Not, ohne den gesellschaftlichen Zwang des „Das gehört sich einfach“ anderen Menschen schenkt, damit deren Leben leichter, fröhlicher wird, dafür muss es einen handfesten Grund geben.

Zwölf Frauen und Männer

Und genau den scheint es auch zu geben: Selbstlose Hilfe - neudeutsch: ehrenamtliches Engagement - bringt dem Helfenden mindestens genausoviel wie dem Hilfeempfänger. Das bestätigen alle zwölf Frauen und Männer, die wir für unsere Aktion „Mein Lichtblick“ ausgewählt haben.

"Man bekommt mehr, als man gibt.“ Am deutlichsten hat das die Ambergerin Kornelia Schmid gesagt, die ohne Umschweife bekennt, dass sie an der Pflege ihres an Multiple Sklerose erkrankten Mannes schon längst gescheitert wäre, wenn sie nicht ihre kraftbringenden (nicht -raubenden!) kleinen und größeren Fluchten in weitere Ehrenämter hätte.

Neun Frauen und drei Männer, zwölf „Lichtblicke“, die unterschiedlicher nicht sein könnten, die alle eine Sache eint: Das, was sie für andere tun, macht sie selbst stark.

Hilfe im Garten, Gstanzl zum Geburtstag

Es ist diese Erkenntnis, die einen verstehen lässt, was zunächst fast ein wenig überirdisch wirkt. Da ist Erna Meißner in Neustadt/WN, der erste „Lichtblick“. Eine Kindheit geprägt von schwerer Krankheit, durch die Krankheit in der Schule den Anschluss verpasst, als Erwachsene wieder schwer krank, Frührente. Und was tut Erna Meißner? Nimmt sich der alten Nachbarin im Haus an, erledigt für die anderen älteren Mitbewohner die Hausordnung, wenn die gerade nicht gut zu Fuß sind, kümmert sich um den winzigen Vorgarten und singt zum Grillen selbstgedichtete Gstanzl. Ganz so, als habe sie das Lebensglück gepachtet.

Oder Friederike Götz in Weiden, die nach ihrer Krebsdiagnose, als sie nicht mehr arbeiten kann, zur Tafel geht und ihre Hilfe anbietet. Sie stirbt drei Wochen nach unserem Gespräch. Eine Frau, die für ihre Familie gelebt und gearbeitet hat. Weil das ihre Kraftquelle war.

Dekan schlägt zwei Lichtblicke vor

Zwei „Lichtblicke“ hat der Weidener Dekan Dr. Wenrich Slenczka vorgeschlagen, das Ehepaar Jutta und Hans Schaller und Heinz Müller. Sie verkörpern die berühmten Pfeiler einer Kirchengemeinde, in diesen Fällen mag der christliche Glaube eine zusätzliche Rolle spielen, wie das auch die Tirschenreutherin Olga Luft betont, aber auch bei diesen religiös inspirierten Menschenhelfern zeigt sich deutlich, wieviel Gewinn sie selbst aus ihrem Einsatz ziehen. Jetzt schon, nicht erst im Jenseits.

Die Spanne unserer „Lichtblicke“ reicht von Menschen, die noch niemals in der Zeitung waren, bis hin zu regelrechten Profis im Ehrenamt. Zu Letzteren gehören Ellen Galle und Kornelia Schmid in Amberg, Christine Lier in Sulzbach-Rosenberg, Josef Hartmann in Schnaittenbach und die drei Tirschenreuther Damen Inge Pannrucker, Olga Luft und Martina Söttje. Sie alle stehen seit Jahren im Ehrenamts-Rampenlicht, haben große Vereine und Initiativen ins Leben gerufen und teilweise jahrzehntelang betreut. Sie kennen den Umgang mit Pressevertretern, sind entsprechend redegewandt. Aber auch bei diesen Profis wird deutlich, dass es weit weniger um das Foto in der Zeitung geht, sondern um die Kraft, die ein Ehrenamt gibt - nicht nimmt. Oder anders: Dass die Kraft, die das Ehrenamt raubt, doppelt und dreifach zurückkehrt.

Alle „Lichtblicke“ haben gern erzählt von ihrer Arbeit. Manche mochten zwar nicht glauben, dass diese Arbeit eine Geschichte für die Zeitung wert sei, aber hatten sie erst einmal zu erzählen angefangen, schien es, als staunten sie selbst über den Umfang dessen, was sie schon wie selbstverständlich tun. Bei einem Spaziergang durch den Kulmainer Friedhof zählt Alois Müller nicht weniger als 18 Gräber, um die er sich so ganz nebenbei kümmert. Keine Familie, keine Verwandtschaft, einfach Gräber, die sonst niemand regelmäßig pflegt.

Mein Lichtblick: Erna Meißner

Neustadt an der Waldnaab

Mein Lichtblick: Jutta Schaller

Weiden in der Oberpfalz

Mein Lichtblick: Alois Müller

Kulmain

Mein Lichtblick: Ellen Galle

Amberg

Mein Lichtblick: Heinz Müller

Weiden in der Oberpfalz

Mein Lichtblick: Friederike Götz

Weiden in der Oberpfalz

Mein Lichtblick: Christine Liers

Sulzbach-Rosenberg

Mein Lichtblick: Kornelia Schmid

Gailoh bei Amberg

Mein Lichtblick: Josef Hartmann

Schnaittenbach

Mein Lichtblick: Martina Sötje

Tirschenreuth

Mein Lichtblick: Olga Luft

Tirschenreuth

Mein Lichtblick: Inga Pannrucker

Tirschenreuth

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