06.03.2019 - 18:19 Uhr
AmbergOberpfalz

Was übrig bleibt von der großen Faschings-Gaudi: Fischzüge im Landkreis Amberg-Sulzbach

Da tapsen sie durch das Dorf - in Reih' und Glied, mucksmäuschenstill wie auf Samtpfoten: die Frackträger, die den Fasching zu Grabe tragen. Die Fischzüge huldigen nur dem Anschein nach dem Rollmops, vielmehr zelebrieren sie einen uralten Brauch.

Strenge Regeln gelten beim Fischzug in Schmidmühlen. 65 Männer mit Frack und Zylinder waren diesmal von Anfgang an dabei.
von Uli Piehler Kontakt Profil

Außerhalb des Landkreises Amberg-Sulzbach weiß kaum einer, was ein Fischzug ist: Es ist eine besondere Form, um das Ende des Faschings zu betrauern. In Schmidmühlen, Hahnbach, Kümmersbruck, Hohenburg, Sulzbach-Rosenberg und Rieden gehen am Aschermittwoch Männer mit Frack und Zylinder schweigend durch den Ort. Wer spricht, zahlt eine Strafe - es ist eine bierernste Angelegenheit. Erst in den Wirtshäusern, in denen die Männer mit Freibier sowie Brot und Fisch versorgt werden, darf gesprochen werden.

Der Fischzug in Kümmersbruck

Kümmersbruck

Der Fischzug in Rieden

Rieden

Der Fischzug in Schmidmühlen

Schmidmühlen

Video vom Fischzug Schmidmühlen 2017

Der Marsch der Zylinder in Hohenburg

Hohenburg

Der Fischzug in Hahnbach

Hahnbach

Der Fischzug in Sulzbach-Rosenberg

Sulzbach-Rosenberg

Im Volksmund heißt es, der Fischzug gehe auf das 17. Jahrhundert zurück, was aber nicht belegt werden kann. Es ist eine Heischebrauch - erheischen bedeutet so viel wie sich schnappen, zusammentragen. "Die ärmeren Leute gingen in früheren Zeiten nach den Feiertagen von Hof zu Hof oder von Wirtshaus zu Wirtshaus, um Speisen und Getränke einzusammeln, die von den üppigen Festessen übrig waren", erklärt Kreisheimatpflegerin Martha Pruy. In früheren Zeiten gab es zu jeder Jahreszeit solche Heischebräuche: die Fischzüge nach dem Fasching, das Pfingstlümmelfahren nach Pfingsten, das Kirwabärtreiben nach der Kirchweih oder das Pfeffern nach Weihnachten. "Auch das Wurstsuppenfahren zählt zu den Heischebräuchen, denn früher war es auch ein Fest, wenn irgendwo eine Hausschlachtung stattfand." Besonders beeindruckend findet Kreisheimatpflegerin Pruy, dass sich die armen Leute beim Betteln nie die Würde nehmen ließen. "Sie haben sich verkleidet, sie haben Sprüchlein aufgesagt oder Lieder gesungen. Sie haben dafür gesorgt, dass der Umzug eine Gaudi wurde und keiner, der mitmachte, das Gesicht verlor."

Die Fischzüge sind typische Heischebräuche, denn früher musste das von der Faschingszeit übriggebliebene, jedoch wegen begrenzter Lagermöglichkeit verderbliche Bier noch schnell "zamtrunka" werden. So kommen bei den Fischzügen noch heute mehrere Hundert Mass zusammen, die von den Wirten der Gasthäuser spendiert werden. Am Abend werden dann außerdem die mitgetragenen Geldbeutel mit einer herzzerreißenden Litanei im Kirwabaumloch versenkt. Der Fasching ist damit endgültig vorbei. In Schmidmühlen hat der Fischzug eine lange Tradition. Vor drei Jahren gehörte er sogar zu den Vorschlägen aus Bayern für das immaterielle Weltkulturerbe der Unesco. Mittlerweile sind es jedes Jahr um die elf Wirtshäuser in Schmidmühlen, aber auch Vereinsheime, in die die Männer einkehren.

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