27.04.2020 - 16:55 Uhr
EslarnOberpfalz

Die Rettung der Lipizzaner durch die US-Kavallerie

Die Geschichte ging um die Welt. Sie trug sich vor genau 75 Jahren zu, als US-Soldaten von oberpfälzischem Gebiet aufbrachen, um aus Tschechien über 350 Lipizzaner-Pferde zu retten. Die geheime Kommandoaktion begann bei Eslarn.

Ein Bild von historischer Bedeutung: Während ein Lippizaner am Zaum gehalten wird, diskutieren (rechts) der deutsche Wehrmachtsoffizier Hubert Rudofsky und der US-Colonel Charles Reed. Das Foto stammt aus den Stallungen von Hostau (Hostoun).
von Autor HOUProfil

Amerikanische Truppenverbände waren im April 1945 bis in die Oberpfalz vorgestoßen. Sie nahmen Ort für Ort ein, befanden sich bei ihrem Befreiungsschlag gegen das Hitler-Regime im Vormarsch auf Regensburg. Bei Eslarn lag die 2nd Armored Cavalry. Ein Regiment mit Tradition. Viele Jahre später waren Soldaten dieser Einheit, die einst unter dem Kommando von General George Armstrong Custer am Little Big Horn in den Staaten gegen vereinigte Indianerstämme gekämpft hatte, in der Amberger Moehlkaserne stationiert. Heute sind Verbände der 2nd Cavalry (2. US-Kavallerieregiment in den Rose Barracks in Vilseck (Kreis Amberg-Sulzbach) ansässig.

Der zweite Weltkrieg trieb auf sein Ende zu. Den damals bei Eslarn (Kreis Neustadt/WN) liegenden Verband befehligte Colonel Charles H. Reed. Ein passionierter Reiter. Im Gefechtsstand wurde er plötzlich von einem deutschen Offizier namens "Walter H." kontaktiert. Der Mann war Unterhändler und er ließ wissen, dass drüben auf tschechischem Territorium 350 Lipizzaner-Pferde der Rettung bedurften.

Die edlen Vierbeiner waren auf Hitlers Weisung aus der Wiener Hofreitschule und anderen Gestüten nach Tschechien gebracht worden. Dort standen sie dann: In Hostau (Hostoun), Hassatitz, Zwirschen (Svrzno) und Taschlovitz. Sie durften der anrückenden russischen Rotarmee nicht in die Hände fallen. Colonel Reed hörte: "Die Lipizzaner werden im Kochtopf landen".

Ein Reporterteam unserer Zeitung setzte sich vor Jahren auf die Spur der am 28. April 1945 begonnenen Rettungsaktion. Die Redakteure kamen dabei auch nach Zwirschen (Svrzno), wo bei Kriegende wie an drei anderen Standorten Lipizzaner untergebracht waren. Zu dieser Zeit hatte sich nichts verändert. Die Stallungen exisitierten noch immer.

"Holt sie. Macht schnell"

Der US-Oberst nahm Kontakt zu dem Hostauer Gestütsleiter auf. Ein Oberstleutnant mit dem Namen Hubert Rudofsky. Der Wehrmachtsoffizier drängte auf eine Rettungsaktion und riskierte dabei Kopf und Kragen. Denn was er samt zweier Tierärzte machte, galt nach Hitlers Vorgaben als Hochverrat. Reed mochte nicht allein entscheiden. Er nahm Verbindung auf zum Oberfehlshaber der 3. US-Armee. General George S. Patton, noch längst nicht in der Oberpfalz angelangt, sträubte sich zunächst gegen den Plan. Doch als der Begriff "Lipizzaner" fiel, gab er, der einst für Amerika als Olympiareiter angetreten war, den Befehl: "Get them. Make fast" ("Holt sie. Macht schnell").

Die Soldaten der 2nd Cavalry kamen am 28. April 1945 über Wald- und Feldwege bei Plöß und Weißensulz. Sie hätten nach den bereits geschlossenen Verträgen von Jalta in Tschechien niemals handeln dürfen und taten es doch. Die Männer stießen in alle vier Standorte der Pferde vor und brauchten längere Zeit, um die Rettungsaktion in Richtung Westen akribisch vorzubereiten. Erst am 15. Mai 1945 starteten sie mit einem Konvoi, in dem sich 150 Zuchtstuten, 15 Deckhengste und 200 Fohlen befanden.

Im Tross mit Kosaken

Nahe Kötzting (Kreis Cham) erreichten die US-Soldaten deutsches Gebiet. Mit im Tross waren Kosaken des Fürsten Amassow. Sie galten als desertiert, hatten Kabardiner-Pferde dabei und erreichten auf verschlungenen Pfaden durch den Böhmer- und Bayerwald für sie eher unverhofft westliches Gebiet. Ein atemberaubendes Stück Zeitgeschichte. Bis heute als militärischer Geniestreich geltend.

Die Rettung der Lipizzaner und damit die dauerhafte Sicherung von deren Zuchtlinien ist 1963 in Hollywood verfilmt worden. Mit Robert Taylor und Lilli Palmer in den Hauptrollen. Der Fokus wurde dabei auf Alois Podhajsky, den Gründer der Wiener Hofreitschule, gelegt. Da schloss sich der Kreis endgültig: Podhajsky und Patton, der Befehlshaber, kannten sich.

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