10.03.2020 - 19:53 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Drei Bürgermeister-Kandidaten sprudeln vor Ideen für Neustadt

Die Freyung und der Verkehr beschäftigen die Bürgermeisterkandidaten bei der Kolping-Podiumsdiskussion im Pfarrheim mit am meisten. Aus den Reihen der über 200 Zuhörer erhalten sie weitere Themen.

von Uwe Ibl Kontakt Profil

Von einem „reizvollen Stadtteil“ (Gerhard Steiner), von der „Freyung, die Stadtentwicklungspotenzial hat“ (Sebastian Dippold), und von einer „attraktiven Altstadt mit Oberer und Unterere Vorstadt“ (Armin Aichinger) sprachen die drei Bewerber. Die CSU hatte das Thema Aufwertung und Weiterentwicklung der Freyung in Zusammenhang mit dem Stadtentwicklungskonzept in den Wahlkampf eingebracht. Den Verkehr will Aichinger aus der Innenstadt zurückdrängen und die „tolle Kastanienallee“ erhalten, gab sich der CSU-Kandidat grün.

„Will ich draußen sitzen bei Zoigl, Eis und Pizza oder wie beim Fast-Food Geld reinwerfen und weiterfahren?“, warb er für eine Verlegung der Fahrbahn auf eine Seite und eine Verringerung der Parkplätze. „Unsere Gewerbetreibenden würden das sicher gerne in Kauf nehmen, wenn mehr Platz wäre, ihr Angebot in Ruhe zu genießen.“

Die Eisdiele am Stadtplatz habe während der Bauarbeiten 50 Prozent Umsatzeinbußen gehabt, warf Steiner ein. Deshalb müsse man genau überlegen, was zu tun sei, wenn man ein Konzept für die Freyung entwickle. „Ich kann es mir nicht vorstellen, die Bäume zu belassen und die Fahrbahnen auf eine Seite zu bringen“, warf Stefan Puhane aus dem Publikum ein. Außerdem glaube er nicht, dass die Leute bereit seien, ihr Auto weiter draußen zu parken.

Der angedachte Bauernmarkt in der Unteren Vorstadt sei ein schöner Nebeneffekt, „aber wir haben ganz andere Probleme wie zum Beispiel das Wirtshaussterben“, fuhr er fort. Vor zu wenig Verkehr warnte Günter Lindner: „Wenn du nicht vorbeifährst und siehst, da ist der Legat, da ist der Gino, dann wirst du auch nicht animiert, anzuhalten.“

Schulwege

Wichtiger als in der Innenstadt sei die Verkehrsberuhigung im Bereich der Schulen, erklärte Miriam Pöllath. Moderator Martin Staffe nannte es fast ein Wunder, dass am Kultur- und Schulhügel noch nicht mehr passiert sei. „Wie kann man das entzerren?“

„Die verkehrsplanerischen Möglichkeiten sind da oben ziemlich aufgearbeitet“, stellte SPD-Kandidat Dippold fest. „Wir müssen gegen das Problem rigoroser und mit der Polizei vorgehen“, gab er als Marschrichtung vor, der Steiner folgte. Der Freie Wähler sprach davon, dass hier unpopuläre Maßnahmen getroffen werden müssten. „Dazu müssen alle drei Parteien an einem Strang ziehen.“

„Wenn trotz kostenloser Busse die Kinder weiterhin kurz vor 8 Uhr angeliefert werden, müssen wir eventuell rigoroser werden“, stimmte auch Aichinger zu. Verschärft worden sei das Problem durch die steigende Zahl von Schülern des BBZ und der Krankenpflegeschule, die selbst mit dem Auto von außen kommen.

Staffe erinnerte an eine Infofahrt vor etlichen Jahren ins Fränkische mit einer ähnlichen Problematik. Dort habe man die Zufahrt zu den Schulen gesperrt. „Bei uns könnten die Kinder die sicheren Wege gehen und sich austoben“, erinnerte er an die in den vergangenen Jahren ausgebauten und beleuchteten Wege durch den Felixwald.

Landesgartenschau

Ganz in der Nähe sähe Dippold gerne eine Landesgartenschau, von der nach Tirschenreuther Vorbild Impulse für die ganze Stadt ausgehen könnten. „Damit wollen wir selbst etwas bei der Altlastenentsorgung in Bewegung bringen.“ Zwei Minister und auch Markus Söder als Umweltminister seien schon da gewesen, aber bisher sei nichts geschehen, beklagte der SPD-Bewerber.

Aichinger sprach von schwierigen Eigentumsverhältnissen und einem tollen Bild von blühenden Landschaften auf Industriebrachen. Außerdem seien die Landesgartenschauen bis 2030 bereits vergeben. „Wir haben eine anderen Verwendungszweck für diese Flächen: ein neues Naherholungsgebiet und den Hochwasserschutz.“

Ein Kauf des Geländes sei nicht einfach, wenn man von den Eigentümern Geld für die Sanierung brauche. Es dürfte nicht so schwer sein, wenn man ein Konzept habe, meinte Dippold. „Wenn wir den Hochwasserschutz mit einbringen, spielt uns das sogar in die Hände.“

Altersgerechtes Wohnen

Er wolle im Vorfeld keine Idee und keinen Vorschlag abwürgen, sagte Steiner zum Projekt Landesgartenschau. Seine Vision für das Osram-Areal sei eine kleine Siedlung mit bezahlbarem Wohnraum für generationenübergreifendes Wohnen. Das gehe noch über seinen Einsatz für Betreutes Wohnen hinaus. Bereits seit acht Jahren gebe es dafür Überlegungen bei der Caritas. „Jetzt endlich rührt sich etwas.“ Doch die 24 geplanten Wohneinheiten seien zu wenig, urteilte der Kandidat der Freien Wähler. „Wir begrüßen die Initiative der Kirche und denken wir müssen von der Stadt ein erweitertes Angebot machen.“

Steigende Baupreise, Probleme beim Anschluss an die Fernwärmeversorgung und andere Problemen beim Projekt Betreutes Wohnen erläuterte der ehemalige Pfarrgemeinderatssprecher Aichinger. Mit 24 Wohneinheiten sei man sehr gut aufgestellt. „In einem weiteren Schritt brauchen wir andere Einrichtungen wie eine Tagespflege, so dass pflegende Angehörige auch einmal Pause machen können.“

Die Idee einer altersgerechten Wohnanlage auf dem Osram-Gelände schließe die Landesgartenschau nicht aus, meinte Dippold. „Stell dir vor, die Senioren schauen aus dem Fenster und sehen die Blumen der Landesgartenschau.“ Das Betreute Wohnen halte er allein schon aufgrund familiärer Erfahrungen für enorm wichtig. „Wer in Neustadt alt werden möchte, muss hier auch im Alter bleiben dürfen.“

Speedrunde:

Ja oder nein auf acht Fragen

Kurz und knackig stellt Moderator Martin Staffe in der Speedrunde acht Fragen, die auch über die Kommunalpolitik hinausgehen. Die drei Kandidaten antworten, indem sie einen Zettel für Ja oder Nein in die Höhe recken. Viermal sind sie sich einig, viermal stimmen Gerhard Steiner und Sebastian Dippold mit Ja und Armin Aichinger mit Nein.

Sind Sie für ein Tempolimit auf Autobahnen? Steiner: Ja - Dippold: Ja - Aichinger: Nein.

Soll das Wahlrecht auf 16 Jahre herabgesetzt werden? Ja - Ja - Nein.

Halten Sie die Freigabe weicher Drogen wie Haschisch für sinnvoll? Ja - Ja - Nein.

Sollten Geschäfte am Sonntag zum Einkaufen öffnen? Nein - Nein - Nein.

Ist Rechtsradikalismus auch ein Thema in Neustadt? Ja -Ja - Ja.

Ist das neue Baxi der große Wurf für den Landkreis? Nein - Nein - Nein.

Kommt Corona bald nach Neustadt? Ja - Ja - Ja.

Kommt es in Neustadt zu einer Bürgermeister-Stichwahl? Ja - Ja - Nein. (ui)

Antworten auf die Fragen aus dem Publikum:

Neustadt an der Waldnaab

Die Statistik verweist auf Veränderung im Rathaus:

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Drei Fragen an Armin Aichinger

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Drei Fragen an Sebastian Dippold

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Drei Fragen an Gerhard Steiner

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