17.06.2020 - 06:48 Uhr
Neustadt an der WaldnaabOberpfalz

Hinterbliebene über das Hospiz Sankt Felix: "Hier ist jede Stunde wertvoll"

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Wenn ein Mensch sein Lebensende im Hospiz Sankt Felix verbringt, möchte das Pflegeteam nicht nur diesen Gast, sondern auf Wunsch auch die Angehörigen begleiten. Zwei Hinterbliebene erzählen von ihrer starken Verbundenheit mit dem Hospiz.

"Sei behütet" steht auf dieser Kerze, die das Team des Hospiz Sankt Felix an Hinterbliebene gibt. Ob das Kreuz einen Schiffsmast oder ein Glaubenssymbol darstellen soll, bleibt den Empfängern überlassen.
von Sonja Kaute Kontakt Profil

Freude, nicht Traurigkeit: Das ist es, was das Ehepaar, das namentlich nicht genannt werden möchte, beim Besuch des Hospiz Sankt Felix empfindet. Und das, obwohl das Paar im Juni 2019 hier einen geliebten Angehörigen gehen lassen musste. Der Sohn des Verstorbenen, dessen Familie aus dem Landkreis Neustadt stammt, erinnert sich an die Zeit nach der Krebsdiagnose seines Vaters. „Der Begriff Hospiz hat mir damals nichts gesagt.“ Auch sein Vater habe nicht gewusst, was ihn erwartet. „Er hat gedacht, er müsste als Gegenleistung für die Unterkunft arbeiten und wollte Vogelhäuser bauen und den Garten pflegen.“ Heute weiß der Sohn nicht, wie die Familie den Abschied ohne die Einrichtung hätte meistern sollen.

Rückblick: Der 80-jährige Senior, der seine an Alzheimer erkrankte Ehefrau versorgt und sich noch im Herbst und Winter 2018/19 um den eigenen Garten kümmert, verschleppt eine Lungenentzündung und nimmt stark ab. Eine Tumordiagnose löst in der Familie nicht nur große Sorgen um ihn, sondern auch neue Sorgen um die Versorgung seiner Frau aus. „Es war klar, dass er die Mutter nicht mehr pflegen kann“, so der Sohn. Für den Vater folgen Aufenthalt und Behandlungen im Klinikum, an die Sohn und Schwiegertochter schlimme Erinnerungen haben. Aufgrund von entgleisten Blutwerten habe der 80-Jährige zeitweise fantasiert, sei weggetreten gewesen, fixiert worden. „Die ganze Entwicklung hat uns kalt erwischt“, erinnert sich der Sohn. Erst auf der Palliativstation habe man die Werte des Vaters endlich in den Griff bekommen. Doch seine Patientenverfügung habe klar gemacht: Der Vater wollte keine Chemotherapie oder Bestrahlung. „Er hatte entschieden, er will in Ruhe und ohne Schmerzen sterben.“

Fragen und Antworten zum Hospiz Sankt Felix

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Situation mit Würde getragen

„Die Verlegung ins Hospiz Ende März war für uns eine große Erleichterung“, erinnert sich die Schwiegertochter. „Man hat uns schon bei der Aufnahme gesagt, dass die Angehörigen mit unterstützt werden. Da haben wir gewusst, wir sind nicht alleine. Als wir ins Hospiz kamen, hat er sich mit Schwester Claudia gleich so verstanden, als wäre er schon immer da gewesen. ’Da bleibe ich’ hat er gesagt. Es war ihm bewusst, dies ist seine letzte Station. Er war hier daheim und hat nie mehr von zu Hause gesprochen.“ Er sei von 12 Wochen im Hospiz 11 in guter Verfassung gewesen und habe seine Situation mit viel Würde getragen.

„Er war ein Musterbeispiel für Menschen, die in solchen Situationen den Tod annehmen“, erinnert sich Hospizleiterin Susanne Wagner. „Das hat es uns leichter gemacht“, so der Sohn. Er mietet in Weiden ein Zimmer, um häufiger da sein zu können. Ostern verbringt die Familie im Hospiz. Einfach ist dies nicht.

„Wenn wir gegangen sind, haben wir uns gefragt: Quält er sich? Sollten wir da bleiben? Wie können wir weggehen, wenn wir wissen, die Zeit wird weniger?“, erzählt die Schwiegertochter. Das Pflegepersonal habe der Familie im Umgang mit diesen Fragen sehr geholfen. Und sich rührend um den Gast gekümmert. „Das Personal hat sein Herz erobert, und das hat nicht jeder geschafft. Er war ein intelligenter, starker Mann, sehr bestimmend und immer der Chef. Zu sehen, wie so ein harter Knochen Zuneigung von den Schwestern bekommt, war wunderbar.“

"Wir sind in guten Händen"

Auch ein Jahr später sind Sohn und Schwiegertochter gerührt von der Fürsorge im Hospiz. Als das Sterben absehbar gewesen sei, seien Teile der Familie vier Tage lang ins Hospiz eingezogen. Das Gefühl, zu stören, habe man ihnen nicht gegeben. „Wir haben gewusst, er ist in guten Händen, und wir sind in guten Händen. Wenn man den Sterbeprozess als Laie nicht kennt, erschrickt man vielleicht.“ Pflegeleiterin Elfriede Dollhopf habe geholfen, zu begreifen, was passiert. „Ich konnte den Schwiegervater in seinen letzten Stunden noch mit waschen und halten. Gesinnung und Herz von Frau Dollhopf sind unglaublich. Sie ist trotzdem der Profi in ihrer Arbeit. Wenn ich in meinem Sterben mal so einen Platz hätte, ich würde mir solche Menschen um mich wünschen.“ Selbst Reinigungskraft Annemarie – vom Schwiegervater „Wuserl“ genannt – sei für die Angehörigen da gewesen, ebenso wie Pater Siegmund. „Er gibt ein Stück von seinem Grundvertrauen ab und stärkt einen damit.“ Schwester Claudia habe ihren Feierabend für den Abschied verschoben, erzählt Susanne Wagner. „Sie hat gesagt, sie hat ihn aufgenommen, sie will ihn auch verabschieden.“

Die Hinterbliebenen halten nach wie vor Kontakt zu den Hospiz-Mitarbeitern. „Immer, wenn wir in der Gegend sind, kommen wir vorbei. Wir schmeißen so viele Stunden weg. Aber hier ist jede Stunde wertvoll“, sagt die Schwiegertochter.

Gespräch mit einem Bewohner des Hospiz Sankt Felix (Teil 4 der Serie)

Neustadt an der Waldnaab

Pflegeleiterin Elfriede Dollhopf über den Hospizgedanken und die Konfrontation mit dem Tod ( Teil 3 der Serie)

Neustadt an der Waldnaab

Leiterin Susanne Wagner über das erste Jahr Hospiz Sankt Felix (Teil 2 der Serie)

Neustadt an der Waldnaab

Das Hospiz in der Coronakrise (Teil 1 der Serie)

Neustadt an der Waldnaab
Serie:

Leben im Hospiz Sankt Felix

Das Hospiz Sankt Felix in Neustadt besteht seit gut einem Jahr. Wie ist das Leben an einem Ort, an dem gestorben wird? In einer losen Serie stellen wir das Hospiz und die Menschen dort vor. Dieser Artikel ist der fünfte und letzte Teil der Serie. (jak)

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