22.06.2021 - 16:58 Uhr
Sulzbach-RosenbergOberpfalz

Landschaften aus Stoff und Garn

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Seen, Bäume und Wiesen kann man malen, zeichnen und fotografieren. Hobbykünstlerin Galina Schorich näht sie mit der Maschine. Wie sie die Toskana auf ein Kissen zaubert, beschreibt sie hier.

Galina Schorich steppt ein Stück des blauen Firmaments auf die Unterlage.
von Helga KammProfil

Wie sie ihre Technik bezeichnen soll, weiß Galina Schorich selber nicht genau. Quilten sei es nicht, sagt sie, Patchworken auch nicht, am besten passe wohl: Stoffbilder nähen. Diese Bilder näht sie auf Decken, Kissen oder auf einen Wandbehang.

"Schwer ist das nicht", meint die Freizeit-Kunsthandwerkerin aus Sulzbach-Rosenberg, die auch mit anderen Materialien und Techniken bestens vertraut ist. Mit Fantasie, Kreativität und Geschick stellt sie aus Holz, Metall oder Wolle kunstvolle Unikate her. Sie macht aus Altem Neues und umgekehrt und beschenkt und erfreut damit Familie und Freunde. Heute gestaltet sie ein Kissen, auf das eine Toskana-Landschaft genäht wird.

Das Kissen misst 40 mal 40 Zentimeter. Das genähte Bild darauf, die Landschaft, soll lediglich 27 Zentimeter breit und ebenso hoch sein und wird einen Rahmen bekommen. "Sozusagen einen Bilderrahmen", erklärt Galina Schorich. Das Motiv hat sie auf einem Kalenderblatt gefunden, eine Hügellandschaft mit Zypressen und einem kleinen Haus auf der Anhöhe.

Vorlage auf Butterbrotpapier

Sie hat davon in der Originalgröße mit Farbstiften eine Vorlage auf Butterbrotpapier gezeichnet und mehrere Kopien davon gemacht. Dem Horizont will sie ein Drittel des Platzes einzuräumen, zwei Drittel gehören der Landschaft. Galina Schorich weiß um die Wirkung von Farben. "Die Mitte hell, zum Rand hin dunkler", ist für sie obligatorisch. Ebenso wie: "Ein weit entfernter Hügel muss hell sein, je näher er ist, desto dunkler."

Auf ihrer gezeichneten Vorlage hat Galina Schorich die einzelnen Bereiche des Bildes nach Farben und Intensität eingeteilt und nummeriert. Der Horizont am oberen Bildrand ist in Blautönen. Die Hügellandschaft wechselt von Sandfarben zu Hellgrün, von Braun zu Dunkelgrün. Rot ist das Dach des Hauses, Dunkelgrün sind die Zypressen. Aus den Kopien auf Butterbrotpapier können die einzelnen Segmente nun ausgeschnitten werden und dienen als maßgenaue Vorlage für die Stoffzuschnitte.

Schneidematte mit Maßen und Linien

Bevor sich die Künstlerin den Stoffen und der Nähmaschine widmet, muss sie rechnen. Von der Breite des Kissens errechnet sie genau die Mitte, in der das Landschaftsbild platziert wird. Der Rahmen soll zehn Zentimeter breit werden. Ist das Bild in dunklen Farben gehalten, muss der Rahmen hell sein, zu einem pastellfarbenen Bild passt ein dunkler Rand. Auch Nahtzugaben sind zu berücksichtigen. Und schließlich erhält der Kissenbezug eine schmale Umrandung aus Stoffstreifen in einer Kontrastfarbe. Laien erscheint das eine ziemlich komplizierte Angelegenheit, nicht aber der Expertin. Eine Schneidematte mit Maßen und Linien ist ihr dabei eine wertvolle Hilfe.

"Von Stoffen kann man nie genug haben", erklärt Galina Schorich ihre mittlerweile auf Hunderte von Stoffstücken in allen Farben und Mustern angewachsene Sammlung. Stoff- und Bastelgeschäfte haben sich auf diese Nachfrage spezialisiert. Sie verkaufen und versenden Reststücke von Stoffen an Heimwerker und Handwerkerinnen.

Struktur durch Stiche und Garne

Mit geübtem Auge und Geschmack erkennt sie, welche Farben und Muster für die jeweiligen Landschaftsteile infrage kommen. Sie wählt aus und schneidet die Stoffe mit einem Rollschneider nach der Papiervorlage zu.

Und dann kommt die Nähmaschine ins Spiel. Auf die Unterlage eines Vlies- oder Bodentuches werden die Stoffstücke genäht, gebügelt und zusammengenäht, so dass nach und nach die gewünschte Landschaft entsteht. Mit den verschiedenen Stich-Möglichkeiten einer Nähmaschine sowie Nähgarnen in passenden Farben können Berge, Hügel und Wolken zusätzlich hervorgehoben werden, so dass unterschiedliche Strukturen entstehen.

Pizza aus Stoffresten

Das Nähen des eigentlichen Kissens, die Umrahmung der Landschaft mit einem dunklen Stoffstreifen und das Zusammenfügen von Bild und Kissen sind für Galina Schorich Abschlussarbeiten, die kein großes Können erfordern. Insgesamt braucht sie für ihr Bild mindestens einen Tag, für das ganze Kissen mehr.

Weil von ihrer Arbeit noch kleinere Stoffreste abfallen, so finden auch die Verwendung: "Ich mache Pizza daraus", erklärt sie lachend, "nicht gebacken, sondern genäht, irgendwas Neues aus kleinen Stoffstücken".

  • Zur Person: Galina Schorich kam vor 28 Jahren aus Russland nach Deutschland. Sie lebt heute in Sulzbach-Rosenberg in der Nähe ihrer Kinder und Enkel. Aus gesundheitlichen Gründen musste sie ihren erlernten Beruf als Friseurin aufgeben. Um ihre Finger beweglich zu erhalten riet ihr eine Therapeutin, "mit den Händen kleine Dinge zu machen". Das war der Beginn von Galina Schorichs Kunsthandwerk. Ihr Beruf ist heute die Arbeit mit Menschen in einer sozialen Einrichtung, ihre Freizeit aber gehört ihren zahlreichen Hobbys.

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Service:

Das wird gebraucht

  • Stoffe
  • Garn
  • Farbstifte
  • Butterbrotpapier
  • Rollschneider
  • Schneidematte
  • Vlies- oder Bodentuch
  • Bügeleisen
  • Nähmaschine

 

 

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